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„Das Alter passt zur Rolle“
Christian Kohlund will neue Wege gehen. Foto: Foto: dpa
Krimi statt Traumhotels: Christian Kohlund zeigt jetzt mal seine raue Seite

„Das Alter passt zur Rolle“

TV-Star Christian Kohlund kennt man aus süßlichen Urlaubs-Filmen. Das soll anders werden. Im Interview spricht er über seine neue Rolle.

28.04.2016
  • MARTIN WEBER

Berlin. Das Publikum kennt ihn aus der „Schwarzwaldklinik“ oder vom „Traumhotel“, wo er über viele Jahre den strahlenden Helden ohne Fehl und Tadel mimte. Jetzt ist Chriastian Kohlund in einer ganz anderen, anspruchsvolleren Rolle zu sehen: In einer neuen ARD-Krimireihe, die in Zürich angesiedelt ist, spielt der 65-jährige Schweizer einen Anwalt mit nicht ganz weißer Weste, der nach vielen Jahren in seine Heimatstadt zurückkehrt und etwas zur Ruhe kommen will.

Herr Kohlund, Ihre neue Krimireihe spielt in Zürich. Wie war die Rückkehr in die alte Heimat?

CHRISTIAN KOHLUND: Na ja, ich bin ja am Zürichsee aufgewachsen, und wenn ich jetzt als älterer Herr so durch Zürich schlendere, dann erinnern mich so manche Ecken schon an das ein oder andere von früher. Da ist vieles noch sehr vertraut, obwohl sich in der Stadt unendlich viel getan hat.

Geboren sind Sie in Basel, wo man traditionsgemäß nicht viel mit Zürich am Hut hat. Die Rivalität zwischen den beiden Städten ist in der Schweiz ja legendär.

KOHLUND: Stimmt, aber aus der habe ich mich immer herausgehalten (lacht). Das ist Folklore, und wenn die Herren der Schöpfung das beim Fußball zum Beispiel unbedingt brauchen, dann soll es so sein.

Im „Traumhotel“ haben Sie immer einen netten Kerl gespielt, jetzt einen Anwalt mit Ecken und Kanten. Hat es Spaß gemacht, mal Ihre raue Seite zu zeigen?

KOHLUND: Unbedingt. Ich stamme ja aus einer alten Theaterfamilie, und mir hat es immer Spaß gemacht,  am einen Tag eine Komödie zu spielen und am anderen eine Tragödie. Nichts gegen eher kommerzielle Sachen wie das „Traumhotel“, aber so eine Charakterrolle wie im Zürich-Krimi ist natürlich schon eine andere Herausforderung.

Das „Traumhotel“ hat seine Pforten geschlossen – vermissen Sie die vielen Reisen für die Serie?

KOHLUND:  Eigentlich nicht. Ich hätte zwar die ein oder andere Destination schon noch ganz gern mitgenommen, muss aber sagen, dass ich im Laufe meines langen Berufslebens schon so viel von der Welt gesehen habe, dass mein Bedarf ganz gut gedeckt ist. Dabei hatten meine vielen Reisen und Auslandsaufenthalte nicht nur mit dem „Traumhotel“ zu tun. Ich war zweimal in Australien, jeweils für acht Monate, ich habe lange in Italien und in Frankreich gearbeitet, in Kanada…

Wo wären Sie noch gerne hin?

KOHLUND: Nach Tahiti und Argentinien vielleicht, da war ich noch nie.

Der von Ihnen gespielte Anwalt lebt im Wohnwagen. Wäre das was für Sie?

KOHLUND: Das habe ich schon hinter mir. Ich bin mal während einer Theatertournee in Deutschland mit dem Wohnwagen durchs Land gezogen, weil mir die Hotels zum Hals raushingen. Damit habe ich meinen Bedarf an Wohnwagenleben aber auch für alle Zeit gedeckt (lacht).

Als Züricher Anwalt sind Sie mit eisgrauem Bart und schütterem Haar zu sehen – Ihr Bekenntnis zum Alter?

KOHLUND: Absolut, ich habe nicht vor, mich auch nur einen Tag jünger zu machen, das hätte überhaupt keinen Sinn und wäre auch ziemlich lächerlich. Ich finde außerdem, dass es zu dieser Figur passt.

Die „Traumhotel“-Fans haben Sie natürlich etwas anders in Erinnerung…

KOHLUND: Ja, für die ist der neue Look vielleicht etwas irritierend (lacht). Aber es musste sein, die Rolle hat es so erfordert – und ich finde es gut so.

 Als Anwalt zitieren Sie sogar den weltberühmten Schweizer Dramatiker Friedrich Dürrenmatt. Den kannten Sie ja persönlich…

KOHLUND: Stimmt, der hat im Hause meiner Eltern verkehrt, und ich habe ihn schon kennengelernt, als ich noch ein kleiner Junge war. Auch später habe ich ihn das ein oder andere Mal getroffen – es war absolut faszinierend, diesem Mann zuzuhören. Ein ungeheuer witziger und humorvoller Zeitgenosse, der die Menschen ganz genau durchschaut hat und viel über das Leben wusste.

Haben Sie ihn mal um Rat gefragt?

KOHLUND: Das habe ich tatsächlich mal, als junger Mann in meiner idealistischen Phase. Da habe ich ihn gefragt, warum das denn so sein muss, dass nichts funktioniert mit der Menschheit, keine Religion, keine Politik, nichts. Und er hat grinsend geantwortet: „Ach weischt du, Chrischtian, der Mensch ischt einfach schlecht.“ Das ist doch wunderbar (lacht).

Sie sind neben Bruno Ganz der bekannteste Schweizer Schauspieler in Deutschland. Kennen Sie sich eigentlich persönlich?

KOHLUND: Nein, leider nicht. Als ich noch ein junger Schauspieler war, war er schon ein  großer Star, und ich habe ihn bewundert. Er ist ein ganz außergewöhnlicher Künstler, und ich habe immer gehofft, man kommt einmal zusammen. Aber vielleicht passiert das ja noch, ich würde mich freuen.

Info : „Der Zürich-Krimi: Borcherts Fall“ läuft heute Abend um 20.15 Uhr in der ARD.

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28.04.2016, 06:00 Uhr

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