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Das Ansehen leidet
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Leitartikel Lufthansa

Das Ansehen leidet

Es reicht, sagt Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer. Es reicht, sagen Kunden der Lufthansa, sofern sie es noch sind. Es reicht, sagen immer mehr der 120 000 Lufthansa-Beschäftigten. Wieder liegen sechs Tage Pilotenstreiks hinter der Airline, wieder sind fast 4500 Flüge ausgefallen, wieder war der Frust bei mehr als einer halben Million Passagiere groß, wieder hat die Lufthansa zwischen 60 und 90 Millionen an Betriebsgewinn eingebüßt.

05.12.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Wieder hat das Ansehen ihrer 5400 Piloten Schaden genommen – auch wenn sie für die Malaise nicht alleine verantwortlich sind.

Im Vordergrund aber steht derzeit das Verhalten der Piloten. Sie haben, so wie es glücklicherweise in diesem Land jedem Arbeitnehmer und jeder Gewerkschaft zusteht, das gute und wichtige Recht zu streiken. Sie haben es zudem geschafft, sich über die Vereinigung Cockpit exzellent zu organisieren. Und sie haben den Vorteil, an entscheidender Stelle im Unternehmen zu sitzen – wofür sie richtigerweise gut bezahlt werden: im Cockpit. Trotzdem sollten auch die Piloten mit ihrer Macht verantwortungsbewusst umgehen, und nicht wie manche ihrer Vertreter tönen, man halte Streiks zur Not fünf Jahre durch. Zumal die Flugzeugführer immer wieder versichern, es gehe ihnen um „ihre“ Lufthansa.

Das Unternehmen muss eben noch mit Tarifverträgen für die Piloten arbeiten, die aus den 1980er Jahren stammen. Aber die Zeiten haben sich dramatisch gewandelt, die Konkurrenz in der Branche ist knüppelhart. Zwar wachsen die Passagierzahlen im Luftverkehr weiter. Aber dabei achten die Menschen immer stärker auf den Preis.

Die Lufthansa, als Airline mit einem weltweiten und deshalb teuren Netz, muss reagieren. Da hat Konzernchef Carsten Spohr recht. Deshalb setzt er auf den eigenen Billigableger Eurowings und fordert, Tarifverträge zu modernisieren. Es kann nicht sein, dass die Piloten automatisch jedes Jahr drei Prozent mehr Geld bekommen. An der üppigen Übergangs- und Altersversorgung muss sich etwas ändern. Dass es in den Augen der Piloten dabei bleiben kann, dass sie mit Mitte 50 mit 60 Prozent ihres letzten Gehaltes von oft an die 200 000 Euro in den Vorruhestand gehen können, ist verständlich. Im Blick auf die Lage des Unternehmens ist es aber nicht weiter zu verantworten.

Allerdings muss sich auch der Vorstand bewegen: Dass Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber 2015 eine Anhebung der Vorstandsgehälter von gut 20 Prozent durchgedrückt hat, war überflüssig. Ein Verzicht auf den Bonus – bei Spohr fast 600 000 Euro – wäre eine Option gewesen.

Vorstand und Piloten müssen endlich wie vernünftige und verantwortungsvolle Menschen miteinander verhandeln und schnell zu Vereinbarungen kommen. Dazu gibt es keine Alternative – im Interesse ihres Unternehmens und von insgesamt 120 000 Lufthanseaten. Sonst leidet nicht nur das Ansehen der Lufthansa noch weiter. Auch das Image der deutschen Wirtschaft bekommt Kratzer. Denn auch dafür steht die Lufthansa. Noch.

leitartikel@swp.de

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05.12.2016, 06:00 Uhr

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