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Schönbuchbahn: Das Foto eines Jungen wurde zum Jubiläums-Signet

Das Bild des kleinen Eisenbahners

Ernst Hagenlocher ist in den letzten Wochen zu einiger Bekanntheit gelangt. Der Grund ist ein Kinderfoto aus dem Winter 1937/38.

27.08.2011
  • axel habermehl

Dettenhausen. Das Bild zeigt den heute 76-Jährigen im Winter vor 74 Jahren. Damals war er drei Jahre alt. Der kleine Ernst posiert mit einer Haltekelle in der Hand und Bahnhofsvorsteher-Mütze auf dem Kopf, in Pluderhosen und mit mürrischer Miene vor einem Zug und scheint den Bahnverkehr zu regeln.

Das Bild hatte zuletzt Konjunktur – und das lag am Jubiläum der Schönbuchbahn. Denn im Juli vor 100 Jahren erreichte die Eisenbahn Dettenhausen. Die Ausstellung „Gleisgeschichten“ im Rathaus Dettenhausen wirbt mit dem Konterfei des kleinen Fahrdienstleiters und auch das TAGBLATT druckte die Aufnahme im Extrablatt zum Jubiläum ab. Doch wie kam es überhaupt zu dem Foto? Wie kam der Junge im Kindergartenalter zu Kelle und passender Eisenbahnermütze?

Wenn ein Zug kam, wackelte das Bett

Ernst Hagenlocher wurde sozusagen in den Bahnbetrieb hineingeboren. 1935 kam er als jüngstes Kind des Dettenhäuser Bahnhofsvorstehers Wilhelm Hagenlocher zur Welt. Sein Vater war von 1928 bis 1952 der „Herr der Züge“ in der Schönbuchgemeinde und seine Sprösslinge durften ihm bei der Arbeit bisweilen zur Hand gehen. Ernst Hagenlocher erinnert sich gerne an diese Zeit zurück. „Schön war’s“, sagt er. „Ich bin halt als kleiner Bub überall dabei gewesen.“

Bis zu Ernst Hagenlochers 17. Geburtstag wohnte die Familie sogar im Bahnhof. „Das ganze Bett hat gewackelt, wenn ein Zug durchgefahren ist“, erinnert er sich, „aber für mich war das kein Lärm, sondern Musik“. Der kleine Junge war ganz versessen auf die Eisenbahn und alles, was dazu gehörte. Er und sein älterer Bruder Werner durften schon in jungen Jahren am Schalter und bei der Abrechnung helfen, im Winter musste Schnee geschippt werden.

Am meisten Spaß aber hatte Ernst als Fahrdienstleiter vom Dienst. Der Junge bekam eine eigens angepasste Mütze und durfte mit der Kelle den Zugführern das Zeichen zur Abfahrt geben. An einem dieser Aushilfstage entstand auch das Foto. „Ohne mich geht hier gar nichts“, scheint der Blick des Dreijährigen zu sagen. Oder schaut der Bub doch eher mit ein bisschen Wehmut dem abfahrenden Zug hinterher?

„Eigentlich wolle ich auch Lokführer werden“, sagt Ernst Hagenlocher heute noch. „Doch damals, 1949, hat die Reichsbahn keine Lehrlinge eingestellt. Deshalb habe ich dann beim Daimler eine Lehre zum Feinblechner gemacht.“

Die „Gleisgeschichten“ inhaltlich bereichert

Ein Freund der Eisenbahn sei er trotzdem immer geblieben. Deshalb habe er sich auch über die Jubiläums-Ausstellung gefreut und den Organisatoren gerne alte Fotos aus der Dienstzeit seines Vaters zur Verfügung gestellt. „Wenn man das früher gewusst hätte, hätte man noch Sachen aufgehoben, alte Signallampen oder so“, ärgert er sich.

Die Ausstellung findet er trotzdem gelungen. „Klein aber fein“, ist sein Urteil. Und er kann sich ein Urteil bilden, denn er hat die Schau schon mehrfach gesehen. Auch in Böblingen und Weiler gab es Ausstellungen und Ernst Hagenlocher wurde immer eingeladen.

Auch an dem Buch „Gleisgeschichten“, das zum Jubiläum erschienen ist, ist er beteiligt. Die Autoren haben ihn besucht und er hat ihnen einiges erzählen können. „Eigentlich nicht schlecht“, findet er das gedruckte Ergebnis, „und wenn das ein Schwabe sagt...“

Dass er durch das Foto, das überall mit ihm für die Ausstellung wirbt, bekannt geworden ist, ist ihm nicht besonders wichtig. „Ist schon recht“, sagt er, „aber mehr sollte es auch nicht sein“. Angesprochen werde er auf das Bild eher selten. „Klar im Bekanntenkreis, in der Kegelrunde und so, da schwätzt man schon drüber.“ Sonst habe sich das Medienecho aber im Rahmen gehalten: „Die meisten in meinem Alter wissen’s ja und die Jüngeren interessiert das vielleicht nicht so“, vermutet er.

Info: Die Ausstellung „Gleisgeschichten – Die Schönbuchbahn wird 100“ ist noch bis 2. September im Rathaus Dettenhausen zu den Dienstzeiten zu sehen.

Das Bild des kleinen Eisenbahners
Ernst Hagenlocher im Winter 1937/38 als Fahrdienstleiter.

Das Bild des kleinen Eisenbahners
Die Schönbuchbahn in Dettenhausen Anfang der 1930er-Jahre: Bahnhofsvorsteher Wilhelm Hagenlocher (Dritter von links) und seine Ehefrau Johanna lächeln für den Fotografen – vor der Dampflok flankiert von zwei Schaffnern und dem Weichenwärter. Die beiden ältesten Kinder der Hagenlochers, Werner und Margarete, durften zum Lokführer und zum Heizer auf die Lokomotive steigen. Bilder: Privat

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27.08.2011, 12:00 Uhr

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