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Das politische Buch

Das Buch hinter der Vatileaks-Affäre

Gianluigi Nuzzi: Alles muss ans Licht. Das geheime Dossier über den Kreuzweg des Papstes, ecowin Verlag Salzburg, 384 Seiten, 21,95 Euro Pünktlich zum Kinostart des neuen James-Bond-Films "Spectre" nähren zwei Enthüllungsbücher über Geldgier, Verschwendung und kriminelle Machenschaften im Vatikan die Lust am Agententhriller unter Päpsten und Prälaten.

07.11.2015
  • BETTINA GABBE

Gianluigi Nuzzis "Alles muss ans Licht" basiert ebenso wie Emiliano Fittipaldis bislang nur auf Italienisch vorliegender Band "Avarizia" (Geiz) auf vertraulichen Unterlagen. Papst Franziskus ließ sie zwischen 2013 und 2014 von der COSEA-Kommission erstellen. Sie erarbeitete in seinem Auftrag eine neue Finanzarchitektur für den Vatikan. Detailreich schildert Nuzzi auf dieser Grundlage mit der Sprache des Krimis, wie mächtige Kardinäle vor den päpstlichen Revisoren eine Mauer des Schweigens errichteten.

Kurz vor der Veröffentlichung der beiden Enthüllungsbücher wurden zwei mutmaßliche Informanten von der Vatikan-Justiz festgenommen. Die junge PR-Beraterin Francesca Chaouqui und der spanische Priester Lucio Angel Vallejo Balda sollen sich nach dem Ende ihrer Tätigkeit für die COSEA-Kommisison als Spione für Nuzzi & Co. betätigt haben. Die schwangere Italienerin wurde sofort wieder auf freien Fuß gesetzt. Sie belastete ihren mutmaßlichen Komplizen. Mehr Werbung hätten sich die Autoren nicht wünschen können.

Die COSEA-Kommission kam laut Nuzzi zu dem Ergebnis, dass Kurienbehörden mindestens 94 Millionen Euro nicht verbuchten. Tausende Dokumente belegten eine "unglaubliche Geldverschwendung durch die Kirchenführung bis zu echten kriminellen Handlungen".

Franziskus, 2013 noch Erzbischof von Buenos Aires, wurde mit dem Ziel zum Papst gewählt, für Transparenz zu sorgen und den Vatikan von selbstherrlichen Machenschaften einer alten Machtelite zu säubern. Die von Nuzzi und Fittipaldi zitierten Dokumente beziehen sich auf den Beginn dieses Prozesses.

Für Vatikansprecher Lombardi sind die Angaben mittlerweile weitgehend überholt. Doch ein Brief des Papstes von Ende Oktober ließ aufhorchen. Darin erinnerte er daran, dass "auch in der aktuellen Zeit des Übergangs die Gesetze nicht außer Kraft gesetzt sind".

Die Kurie müsse "sich bei der Einstellung und der Versetzung von Personal an die Stellenpläne halten. Andere Kriterien gelten nicht." Dabei geht es offenbar um Posten, die aus Torschlusspanik an Freunde und Verwandte vergeben werden, bevor die geplante Kurienreform derartiger Günstlingswirtschaft einen Riegel vorschiebt.

Das Buch hinter der Vatileaks-Affäre

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07.11.2015, 12:00 Uhr

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