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Die ruhigere Alternative zum Freibad

Das „Bügeleisen“ ist ein Geheimtipp unter jungen Tübingern

Fachsimpeln über den besten Tabak für die Wasserpfeife: Savas und Volker kennen sich jetzt etwa eine Stunde, aber ein Gesprächsthema gibt es längst. Es herrscht eine entspannte Stimmung am frühen Abend am Ufer des Neckars.

20.08.2012
  • Jörg Schäfer

Tübingen. Kurz nach Mittag ist noch wenig Betrieb. Es ist drückend heiß, die wenigen Ruder- und Tretboote fahren nur langsam vorbei, Müll von vergangenen Feierlichkeiten liegt herum. Ein Stocherkahn mit sieben Tübinger Jurastudenten legt kurz an, lädt zum Mitfahren und Mitfeiern ein und entfernt sich dann wieder im Zick-Zack-Kurs von der Insel.

Damit wird es wieder ruhig am „Bügeleisen“, Zeit, sich mit dem Thema Baden im Neckar zu beschäftigen. Martina Guizetti vom Landratsamt Tübingen sagt: „Der Neckar ist kein offizielles Badegewässer. Wer da hineinspringt, macht das auf eigene Verantwortung.“ Kein offizielles Badegewässer bedeutet: Es werden nicht regelmäßig Proben genommen, die aktuelle Wasserqualität ist unklar. Offizielle Badegewässer in Tübingens Umgebung sind die Baggerseen in Hirschau und Kirchentellinsfurt.

Dann kommt eine Gruppe zu Fuß an, ausgestattet mit Schlauchbooten, Grill und Bier. Die ersten Aktivitäten: Bier kalt stellen und Boote aufpumpen. „Wenn es das Wetter zulässt, sind wir möglichst jedes Wochenende hier“, sagt Volker. Er ist in Tübingen geboren, arbeitet inzwischen aber als Mechatroniker in Ingolstadt. An dieser Stelle, sagt er, könne er den Arbeitsstress der Woche hinter sich lassen. Hier setzt er sich gemütlich mit einem Bier ins Wasser, redet mit Freunden, schiebt mal eine Schlauchboottour oder Wasserschlacht ein und verbringt einen gemütlichen Nachmittag.

Was ist der Vorteil des „Bügeleisens“, warum gehen Volker und seine Freunde nicht ins Freibad? „Hier können wir auch grillen und Boot fahren“, sagt Volker. Außerdem sei ihnen das Freibad zu voll und zu laut. Über die Wasserqualität des Neckars machen sie sich keine größeren Sorgen. „Es gibt keinen Ausschlag, also geht’s“, sagt Volker pragmatisch. Was sie mehr stört, ist der Müll, der herumliegt. „Wir nehmen unseren Müll immer wieder mit, andere machen das leider nicht“, sagt er.

Einer, der sehr ausgiebig die Gelegenheit hat, das Treiben am „Bügeleisen“ zu beobachten, ist Claus Hipp, auch bekannt als „Neckar-Caruso“. Er freut sich, wenn an der Stelle etwas los ist. „Mit gefällt das, da herrscht immer gute Stimmung“, sagt Hipp. Vor allem Studenten feierten dort gerne ihren Semesterabschluss, aber auch Kinder sehe man immer wieder beim Planschen. Und nach Hipps Beobachtung räumen die meisten auch wieder auf, bevor sie gehen.

Savas und seine Freunde haben inzwischen die Wasserpfeife angemacht. Volker, Antonia und einige andere aus der Gruppe sitzen dabei. Sie haben sich bereits Freundschaftseinladungen auf Facebook geschickt und unterhalten sich über ihre Arbeitsplätze und gemeinsame Bekannte. Sie sind alle in der Stadt geboren und sind sich einig: „Die Stelle ist ein Geheimtipp der Tübinger.“ Dennoch sei gerade eher wenig los, es fehlten zur Zeit eben doch die Studenten.

Auch Inci zieht die Stelle hier dem Freibad vor. Dass das Wasser etwas schmutzig ist, ist ihr bewusst, zum Abkühlen sei es aber trotzdem gut. „Wenn man reingeht, ist es erst einmal kalt, nach einiger Zeit geht es aber“, sagt sie. Das Freibad ist auch ihr zu überlaufen, außerdem fühle sie sich dort oft „wie auf dem Laufsteg“. Hier am Neckar sei es ruhiger, man könne eigenes Essen und Getränke mitbringen, „und man kann hier sehr schnell Freundschaften schließen“, sagt Inci. Volker hat sie bereits zum Lagerfeuer eingeladen.

Zwischen all den jungen Leuten fällt ein Herr mittleren Alters auf: Wilhelm Kaltmaier kommt aus Riederich und ist Raumausstatter. Er hat seinen Tag in Tübingen verbracht und kam dann irgendwann zu der Erkenntnis: „Heute ist es so heiß, da braucht man eine Abkühlung.“ Er sitzt nun in der Sonne und wartet darauf, dass er trocken wird. Das Schwimmen im Neckar hält er für nicht unproblematisch: Die Ufer seien gefährlich glitschig, und „schwimmend kommt man fast nicht gegen die Strömung an“. Deswegen gehe er zum Schwimmen eher an Baggerseen. Dennoch gefällt ihm die Stelle und die Stimmung, er kann sich vorstellen, häufiger zu kommen.

Ein Schlusswort hat Volker noch zu sagen: „Ich kann es jedem nur empfehlen, hierher zu kommen: Es ist gemütlich, es ist lustig, man lernt nette Leute kennen.“ Und: „Es ist toll hier, besser als Urlaub.“ Na dann.

Das „Bügeleisen“ ist ein Geheimtipp unter jungen Tübingern
Hochbetrieb am „Bügeleisen“: Die Stelle wird von jungen Tübingern zum Baden, Bootfahren, Grillen und Feiern genutzt.Bild: Sommer

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20.08.2012, 12:00 Uhr

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