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Das Chaos hat nun einen Namen
Auf der Gäubahn (hier der Horber Bahnhof) stehen umfangreiche Modernisierungsarbeiten zwischen Böblingen und Herrenberg an. Der Start der Bauarbeiten war am Montag. Das sorgte für Chaos und Stress bei den Pendler – davon sind auch etliche Horber betroffen.Bild: Kuball
Deutsche Bahn

Das Chaos hat nun einen Namen

Die Gäubahn ist seit Montag zwischen Herrenberg und Gärtringen gesperrt. Die Pendler aus Horb brauchen daher starke Nerven.

12.04.2017
  • Dagmar Stepper

Wie Hohn mag es für die Pendler klingen, was Verkehrsminister Winfried Hermann am Montag in Stuttgart verkündigte: Die Züge würden in Baden-Württemberg wieder pünktlicher fahren. Denn just am Montag begannen zwischen Gärtingen und Herrenberg die Umbauarbeiten auf der Gäubahn. „Das Chaos hat nun einen Namen: Gäubahnsperrung“, stellt Dr. Carmina Brenner trocken fest, nachdem sie am Montagabend nach zweieinhalb Stunden endlich wieder zuhause in Altheim war. Ihren Frust packt sie in einer E-Mail an die SÜDWEST PRESSE.

Brenner gehört zu hunderten von Pendlern, die täglich die Gäubahn in Richtung Stuttgart nehmen. Die Präsidentin des Statistischen Landesamtes und Horber Stadträtin beschreibt mit spitzer Feder ihren Tag eins der Sperrung: Auf der Hinfahrt wurden die Bahnreisenden – darunter auch etliche mit großem Gepäck – in Herrenberg zum Schienenersatzverkehr geleitet. Der stellte sich als einsamer Gelenkbus heraus. „Der war in Rekordzeit voll, die Leute standen wie die Sardinen in der Büchse. Draußen standen verzweifelte ältere Herrschaften mit Koffern und Mütter mit Kindern, die es nicht in den Bus geschafft hatten“, beschreibt Brenner die Szenerie. Der Rest der Reise ging dann einigermaßen glücklich über die Bühne –, wenn man davon absieht, dass stehend Gelenkbusfahren in Kreisverkehren nicht wirklich Spaß macht.

Ein einsamer Gelenkbus

Auch die Rückfahrt mutierte zum Stress pur. In Gärtingen stand wieder nur ein einsamer Gelenkbus bereit, um die Fahrgäste aufzunehmen. „Es gab fast eine Keilerei ums Einsteigen“, schreibt Brenner in ihrer E-Mail. Sie wartete daher auf einen weiteren Bus, der dann aber – statt loszufahren – erst mal zehn Minuten Pause machte. Die Nerven der Pendler lagen blank. Endlich in Herrenberg angelangt, war der Anschlusszug schon weg. Außerdem fuhr der nächste Zug nicht von Gleis 4, sondern von Gleis 2 ab. „Das wurde kurz vorher angesagt, was eine wahre Völkerwanderung auslöste“, berichtet Brenner. Mit weiteren Unterbrechungen kam sie endlich in Heiligenfeld an.

Nach diesen Chaosfahrten stellt sich Brenner einige Fragen: „Die Bahn glaubt wohl, dass die Fahrgäste einer gut besetzten Gäubahn in einen Gelenkbus passen. Die Bahn denkt, wenn Ferien sind, haben alle Urlaub, auch die ohne oder mit großen Kindern. Die Bahn glaubt wohl, dass die Schüler in den Ferien alles Mögliche tun, nur nicht mit dem Zug irgendwo hinfahren. Die Bahn kann es auch nicht glauben, dass in den Ferien Leute einfach so verreisen und mit Koffern auf die Fernzüge wollen.“

Das Schlimme dabei: Die Sperrung dauert nicht nur in den Osterferien, sondern auch in den Pfingst- und Sommerferien an. Also insgesamt zehn Wochen Streckensperrung auf der Gäubahn. Brenners Kommentar in Richtung Deutsche Bahn: „Ach ja: Thank You for Travelling… Da zahlt man doch gerne sein Jahresabo.“

Was die Bahn zu den Vorkommnissen und der schlechten Organisation sagt, war gestern nicht zu erfahren. Der versprochene Rückruf des Bahnsprechers blieb bis zu Redaktionsschluss aus.

Zehn Wochen lang Teilsperrungen auf der Gäubahn

Die Deutsche Bahn erneuert in drei Phasen von April bis September während der Oster-, Pfingst- und Sommerferien 2017 Gleise und Weichen auf dem Streckenabschnitt Böblingen–Gärtringen–Herrenberg. Das führt zu Teilsperrungen der Gäubahn. In den Osterferien (8. bis 15 April) finden Gleisbauarbeiten im Streckengleis Gärtringen–Herrenberg statt. In den Pfingstferien (3. bis 19. Juni 2017) finden Gleisbauarbeiten im Streckengleis Böblingen–Gärtringen statt. Während der Sommerferien (27. Juli bis 12. September) finden Gleisbauarbeiten im Streckengleis Herrenberg–Gärtringen–Böblingen sowie im Streckengleis Böblingen–Gärtringen–Herrenberg statt. Die Gesamtinvestitionen der Bahn betragen rund 24 Millionen Euro.

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12.04.2017, 01:00 Uhr

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