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Anwohner des Dußlinger Tunnel-Parks wollen keine Pergola – weil sie nächtlichen Lärm an dem attraktiv gelegenen Pavillon befürchten

Das Dach auf dem B27-Dach

Der neue Park in Dußlingens Mitte soll möglichst lebendig werden – sonst ist der große Aufwand verschenkt. Aber nicht zu lebendig, sagen jetzt Anwohner: Sie glauben, dass Jugendliche die neugewonnene Ruhe gefährden könnten.

29.08.2014
  • Eike Freese

Dußlingen. „Ein Streifzug Richtung Alb“ ist der Name des langgezogenen Parks, der derzeit mitten in Dußlingen auf der Decke des jüngst eröffneten B27-Tunnels entsteht. Die Gemeinde hat in den vergangenen Monaten viel Kreativität darauf verwenden lassen, die großzügige Freifläche planen zu lassen. Sie soll zu einem neuen Ort der Begegnung im Dorfzentrum werden, wo früher Lastwagen und Autos die Gemeinde lautstark zerschnitten. Im Zentrum des Parks: ein großer Platz, mit einer langgestreckten Pergola, die bei Bürger- und Vereinsfesten Sonnen- und Regenschutz bieten kann.

Genau gegen diesen Pavillon regt sich jetzt Widerstand. Eine Initiative von Anwohnern der Blumenstraße, der Hechinger- und der Wilhelm-Herter-Straße glaubt, dass die Pergola trinkende, lachende und auch randalierende Mitbürger anzieht. „Es ist absehbar, dass der Platz dort zum ‚Lallesplatz‘ wird“, sagt Manfred Lorch, Sprecher der Initiative. Dieser Tage haben die Anwohner einen Brief an Verwaltung, Gemeinderäte, den Landkreis und das Regierungspräsidium geschickt. Tenor: Der Pavillon widerspricht dem Ziel des Lärmschutzes für die Anwohner, den der Tunnel ursprünglich gewährleisten sollte. „Die bereits fast fertiggestellten Freizeiteinrichtungen mit Spielplätzen“, heißt es, „werden auf jeden Fall nicht unerheblichen Lärm verursachen, weshalb Einrichtungen wie dieser geplante überdachte Pavillon nicht sein müssen“.

Der Widerstand gegen das Gebäude kommt sehr spät. Bereits seit Monaten, spätestens mit dem medienwirksamen Gewinn des Architektenwettbewerbs und der Offenlegung der Pläne im Dußlinger Rathaus und bei der späteren Bürgerversammlung im Frühjahr 2013 war klar, dass das Gebäude kommt. Dennoch wird das Landratsamt, das derzeit über den weiteren Fortschritt der Bauarbeiten entscheidet, die Beschwerden in die Entscheidung einfließen lassen. „Wir nehmen das ernst“, zeigt sich der Erste Landesbeamte Hans-Erich Messner offen. „Einwände können schließlich während des ganzen Prozesses abgegeben werden.“

Dennoch ist fraglich, ob die von Anwohnern befürchteten künftigen Störungen in der Abwägung gegen die seit langem geplante Vision eines von schönem Grün umgebenen zentralen Dorfplatzes ankommen. Der Boden des Platzes wird derzeit schon gebaut – und ohne die geplante Pergola würde die knapp 800 Quadratmeter messende Freifläche überaus leer.

„Es passiert jetzt schon am Ende des Parks“, bekräftigt Manfred Lorch, „dass dort Müll, Flaschen und nächtliche Trinker auftauchen“. Lorch – der selbst kein direkt Betroffener, sondern nur Sprecher der Anwohner ist – findet zudem, dass die Anwohner unzureichend informiert und eingebunden wurden. „Überdachte Flächen“, so Lorch, „laden geradezu dazu ein, dass man dort nächtliche Feste feiert“. Zumindest nachts, sagen die Anwohner, solle dort künftig Ruhe gewährleistet sein. Von den Dußlingen Gemeinderäten habe keiner infrage gestellt, dass die geplante Pergola eben diese Nachtruhe empfindlich stören könne.

Das stimme so nicht, sagt der Dußlinger FWV-Sprecher Klaus Zürn, einer der wenigen Lokalpolitiker, die derzeit nicht im Urlaub sind: „Einen Lallesplatz will und wollte dort nie jemand.“ Die FWV habe sich sogar gegen die Kosten einer Pergola ausgesprochen, da eine der ursprüngliche Ideen – nämlich ein regelrechter Café-Betrieb dort – sich als nicht realisierbar erwiesen hat. „Ein solches Café hätte den Platz von seiner Nutzung her sicherlich noch besser strukturiert“, sagt auch Hans-Erich Messner vom Landratsamt.

Dennoch sei ein lebhafter Platz an dieser Stelle wichtig, so Zürn: „Ich halte es für fraglich, dass es so schlimm wird – man muss den Platz halt kontrollieren.“ Auch am Dußlinger Rathausplatz, der sich an heißen Sommertagen in ein buntes Gewimmel Erholung suchender Familien mit Kindern verwandelt, habe es anfängliche Kritik gegeben. Jetzt höre man keine Klagen mehr.

Mehr Überwachung ist das Mindeste, das die Anwohner fordern: Altersregeln für den Spielplatz, Ruhestunden vor allem in der Nacht und verstärkte Präsenz von Ordnungshütern. „Da muss ein Wach- und Schließdienst kommen“, formuliert das Manfred Lorch für die Anwohner: „Der sollte mit einem Hund kommen und den Leuten sagen: Jetzt ist es 22 Uhr – jetzt reicht’s.“

Das Dach auf dem B27-Dach
Nach jetzigem Stand wird der Pavillon an der Wilhelm-Herter-Straße nur vereinzelt von Vereinen für Feste genutzt werden. Der langgestreckt gestaltete Sonnen- und Regenschutz soll dennoch gebaut werden.Bilder: Wölffing-Seelig Landschaftsarchitekten

Das Dach auf dem B27-Dach
Prägende Bäume und ein zentraler Platz: ein früher Entwurf für die Straßen-Ecke.

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29.08.2014, 12:00 Uhr

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