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Raumfahrt

Das Drama um „Apollo 1“

Es war die erste Nasa-Tragödie in Zeiten des Optimismus: Vor 50 Jahren brach Feuer in der Raumkapsel aus – drei Astronauten verbrannten.

27.01.2017
  • DPA

Washington. Es hätte der erste große Schritt auf dem Weg zur Mondlandung werden sollen, doch es wurde erstmal das Ende. Rund einen Monat vor dem geplanten Start der „Apollo 1“ erstickten heute vor 50 Jahren bei einem Test drei Astronauten in der engen Raumkapsel. Was als umjubelter Start in das Mondprogramm „Apollo“ anvisiert gewesen war, wurde für die Nasa zur Katastrophe.

Erstmals in der Geschichte der US-Raumfahrt waren Astronauten umgekommen. Virgil Grissom, Edward White und Roger Chaffee hätten ihr Leben für das Land gegeben, sagte der damalige US-Präsident Lyndon Johnson. „Tragödie an Cape Canaveral“ titelte die „New York Times“. „Drei Apollo-Astronauten sterben im Feuer.“ Der Unfall warf die US-Raumfahrt und das „Apollo“-Programm weit zurück, sorgte Experten zufolge aber langfristig für eine stärkere Konzentration auf die Sicherheitsvorkehrungen für Astronauten.

Sie hatten keine Chance

Der Test am 27. Januar 1967 in Cape Canaveral (Florida) sollte den für den 21. Februar 1967 geplanten ersten Start der „Apollo“-Raumkapsel auf der Spitze der 68 Meter hohen „Saturn“-Rakete simulieren. Doch um 18.31.03 Uhr Ortszeit berichtete Chaffee erstmals von einem Feuer in der Kapsel. Neun Sekunden später begann die Kabinentemperatur rapide zu steigen, dann fiel die Sauerstoffversorgung der Raumanzüge der drei Astronauten aus. „Erstickung durch Rauchinhalation“ wurde als Todesursache festgestellt. Chaffee, Grissom und White hatten keine Chance.

Den Gedanken an den Tod müsse man aus dem Gehirn verbannen, hatte Grissom noch kurz zuvor gesagt. „Es gibt immer die Möglichkeit eines katastrophalen Fehlers, natürlich, das kann auf jedem Flug passieren, auf dem letzten oder dem ersten.“

Ein Feuer, ausgelöst durch einen Fehler im elektrischen System war die Unfallursache, wie später Untersuchungen zeigten. Dahinter steckte aber weit mehr: Mangelhafte Qualitätskontrollen, technische Unzulänglichkeiten der „Apollo“-Kabine wie zu geringer Schutz gegen Feuer und zu umständliche Ausstiegsprozeduren und fehlende Notfallpläne.

Vieles davon war wohl dem Zeit- und Erfolgsdruck geschuldet, den sich die Nasa wegen des Raumfahrt-Wettrennens mit der Sowjetunion auferlegt hatte.

Zwanzig Monate flogen danach keine bemannten „Apollo“-Fähren mehr ins All – Fehleranalyse war angesagt. „Von jetzt ab wird die Flugüberwachung für zwei Eigenschaften bekannt sein: Hart und kompetent“, sagte Nasa-Manager Gene Kranz damals. „Hart bedeutet, dass wir für immer für das verantwortlich sind, was wir machen und was wir nicht machen. Wir werden unsere Verantwortung nie wieder kompromittieren. Kompetent bedeutet, dass wir nichts mehr als gegeben hinnehmen werden. Die Missionsüberwachung wird perfekt sein.“

Im Oktober 1968 erfüllte „Apollo 7“ schließlich die für „Apollo 1“ geplante Mission, blieb zehn Tage im All, umrundete die Erde mehr als 160 mal und führte zahlreiche Tests durch. „Apollo 8“ umkreiste im Dezember 1968 erstmals den Mond und im Juli 1969 betrat mit der „Apollo 11“-Mission dann endlich ein Mensch den Mond.

Das Ziel des „Apollo“-Programms war erreicht, doch die „Apollo 1“-Katastrophe sollte nicht die letzte der US-Raumfahrt bleiben. Fast genau 19 Jahre später explodierte die mit sieben Menschen besetzte Raumfähre „Challenger“ kurz nach dem Start. 2003 verunglückte die „Columbia“ mit ebenfalls sieben Menschen an Bord. Für beide Tragödien gibt es Gedenkstätten auf dem Arlington-Friedhof in Washington. Zuletzt hatten sich mehrere Kongressabgeordnete darum bemüht, dass auch die Toten der „Apollo 1“-Tragödie dort ein Denkmal bekommen. dpa

Unfälle in der bemannten Raumfahrt

Spektakuläre Erfolge, aber auch tödliche Fehlschläge und Beinahe-Katastrophen gab es in der bemannten Raumfahrt.

Januar 1967: Drei US-Astronauten verbrennen bei einem Bodentest in der ersten „Apollo“-Raumkapsel. Ein Funke hatte die mit reinem Sauerstoff gefüllte Kabine in Brand gesetzt.

April 1967: Bei der Rückkehr zur Erde zerschellt eine Sojuskapsel, das Fallschirmsystem hatte versagt. Der Kosmonaut kommt ums Leben.

April 1970: Die manövrier unfähig gewordene Weltraumkapsel „Apollo 13“ mit drei Astronauten an Bord landet nach einem spektakulären Rettungsmanöver sicher auf der Erde. Nach einer Explosion im Sauerstofftank war die geplante Mondlandung abgebrochen worden.

Juni 1971: An Bord einer Sojus-Kapsel versagt beim Rückflug der Druckausgleich. Drei Kosmonauten ersticken.

Januar 1986: 73 Sekunden nach dem Start in Cape Canaveral explodiert die Raumfähre „Challenger“ und stürzt in den Atlantik. Alle sieben Astronauten kommen ums Leben.

Februar 2003: Die Raumfähre „Columbia“ zerbricht beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Die sieben Astronauten sterben. Ein Hitzeschild war schon beim Start beschädigt worden.

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27.01.2017, 06:00 Uhr

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