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Das Geschäft mit der Einsamkeit
Edith Henschel (rechts) und ihre Lebensbegleiterin Carola Braun schauen sich zusammen ein Fotoalbum an. Foto: dpa
Dienstleistung

Das Geschäft mit der Einsamkeit

Senioren bezahlen Menschen dafür, mit ihnen ihre Freizeit zu verbringen. Ein neues Geschäftsmodell?

30.12.2016
  • DPA

Berlin. Spazieren gehen, Zuhören, Kaffee trinken – gegen Geld: In Deutschland gibt es Menschen, die mit Rentnern Freizeit verbringen und dafür bezahlt werden. Zu den Kunden zählen alleinstehende Senioren, die in ihrem Alltag einen Ansprechpartner suchen.

Edith Henschel sitzt in einem Sessel in ihrem Wohnzimmer in Berlin. Neben ihr hat Carola Braun Platz genommen. Die gelernte Krankenschwester kommt dreimal pro Woche zu der 87-Jährigen und erledigt in der Wohnung alles, was anliegt: Kochen, Briefkasten leeren, Haare schneiden. Darüber hinaus verbringt sie Freizeit mit der älteren Dame. Gemeinsam Kaffee trinken gehört dazu und der wöchentliche Gang über den Friedhof, wo Henschels Ehemann und ihre einzige Tochter begraben sind. Dafür nimmt Braun einen Stundenlohn von 17,50 EUR. Zwar kommt auch ein Pflegedienst zu Henschel – aber für alles, was darüber hinausgeht, ist Carola Braun zuständig.

Im Internet sei ihre Nichte auf das Geschäftsmodell von Braun und ihrer Firma Senioren Lebenshilfe gestoßen, so Henschel. „Die Menschen möchten einfach zu Hause alt werden, sie wollen ihre gewohnte Umgebung nicht verlassen“, sagt Braun.

Ähnliche Firmenideen gibt es auch im Ausland. In Japan zum Beispiel existiert ein Beratungsservice der besonderen Art. „Miet-Onkel“ werden die Männer mittleren Alters genannt, die anderen für umgerechnet 9 EUR pro Stunde ihr Ohr schenken

Der Trend- und Zukunftsforscher Christian Rauch vom Zukunftsinstitut in Frankfurt am Main geht von einer steigenden Nachfrage aus. Er beobachte, dass es bereits eine „sichtbare Professionalisierung“ von Dienstleistungen im privaten Leben gegeben habe. Familienverbünde funktionierten nicht mehr, weil Kinder oder Enkel wegzögen. Dadurch entstehe für ältere Menschen der Bedarf nach Fürsorgeleistungen. Zugleich gebe es immer mehr Rentner, die länger lebten und gesund seien. Viele hätten den Anspruch, möglichst lange selbstverantwortlich und individuell zu leben, sagt Rauch. dpa

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30.12.2016, 06:00 Uhr

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