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Elbphilharmonie

Das Haus trotzt der Sintflut

Eine „Arche“ der Kultur: Jörg Widmanns Oratorium wurde im neuen Konzertsaal uraufgeführt.

16.01.2017

Von JÜRGEN KANOLD

Hamburg. Ob er gläubig sei? „Der schönste Gottesbeweis ist die Musik“, sagt der in Freiburg als Komponist lehrende Jörg Widmann. Er führte ihn jetzt auf einer Art fröhlichem Kirchentag mit seinem Oratorium „Arche“: im Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie. Grenzenloser Jubel nach der Uraufführung.

Es war das mitreißendere Eröffnungskonzert, diesmal furios gespielt vom Philharmonischen Staatsorchester der Oper unter Kent Nagano. Denn Widmann komponierte pathosvoll menschenumarmend, aber nicht kitschig, sondern staunend und herzensoffen für dieses Haus, das in stürmischen Zeiten als Zufluchtsort in der kulturpolitischen Sintflut trotzt. Da schmunzelten die Hamburger, als der Riesenchor, der auch mal schunkeln darf, zu einer schön ehrfürchtigen Persiflage des Finales aus Beethovens „Neunter“ weniger bekannte Schiller-Verse sang: „Unser Schuldbuch sei vernichtet/ Und versöhnt die ganze Welt.“

Widmann hatte alles reingepackt in seine moderne „Schöpfung“: Operetten-Walzer bis Avantgarde-Getöse, herbe Dissonanzen, Naturlaut und Volksliedtrost („Der Mond ist aufgegangen“ ). Marlies Petersen tiriliert als Friedenstaube durch die Zuschauerränge und betört nicht nur den Noah Thomas E. Bauer. Es werde nicht nur Licht, es werde Klang! Und nachdem ein Kinderchor das böse Facebook-iPhone-Vokabular durch den Saal schreit, folgt ein zeitlos überwältigendes „Donna nobis pacem“. Der Knabensopran verkündet: „Entzündet Liebe, wo Finsternis regiert!“ Und vor allem: „Baut Häuser, die schwimmen.“ Also Archen wie die Elbphilharmonie.

Wann gibt's wieder Karten?

Aber die ist jetzt für den Rest der Saison belegt. Sie wäre auch ausverkauft, sagte Intendant Christoph Lieben-Seutter, wenn „Kamm spielende Putzfrauen auftreten würden“. Aber das Programm ist anspruchsvoll, auch im holzverkleideten, schachtelförmigen Kleinen Saal, den das Ensemble Resonanz mit der Uraufführung eines Werks von Georg Friedrich Haas eröffnete: „Release“, eine mikrotonale Raumerkundung- und besitznahme.

Das wollen auch Musikliebhaber aus aller Welt tun, und so sollen bald Zehntausende weiterer Karten für die „Elphie“ aufgelegt werden: Das NDR Elbphilharmonie Orchester plant Sonderkonzerte (Karten wohl ab Februar), die Elbphilharmonie selbst gibt bald ihr Sommerprogramm (ab Juli) bekannt. Nicht zu vergessen: Das Schleswig-Holstein Musik Festival wird im Juli/August acht Konzert im Großen Saal bestreiten (Karten ab 23. Februar). Im Hamburg geht?s zu wie früher in Bayreuth. Jürgen Kanold

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Erstellt:
16. Januar 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Januar 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2017, 06:00 Uhr

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