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DAK-Report bietet Krankenstatistik

Das „Hirndoping“ tritt als Phänomen hervor

Der Krankenstand im Landkreis Freudenstadt hat laut einer Studie der DAK Gesundheit im letzten Jahr abgenommen. Die allgemeine Zunahme der Depressionserkrankungen ist aber auch hier feststellbar.

20.08.2015
  • Monika Schwarz

Freudenstadt. Jörg Gericke, der Leiter der DAK Geschäftsstelle Freudenstadt, präsentierte wieder Zahlen und Fakten des aktuellen Gesundheitsreports. Mit dabei auch wieder der Erste Landesbeamte Klaus-Ulrich Röber. Schwerpunktthema ist heuer das „Doping am Arbeitsplatz“, was aufgrund der zunehmenden Belastungen der Arbeitnehmer an Bedeutung gewinnt.

Der Krankenstand ist landesweit mit 3,3 Prozent gleich geblieben wie im Jahr zuvor. Im Landkreis gab es dagegen einen erfreulichen Rückgang von 3,5 auf 3,1 Prozen. Als Grund vermutet Gericke gute Präventionsprogramme in vielen Unternehmen. Gerade die familiengeführten Mittelständler leisteten gute Arbeit mit Gesundheitstagen und ähnlichem. Auch Fitnessstudio-Abos würden bezahlt. Die Unternehmensgruppe Fischer hat zwischenzeitlich sogar ein betriebseigenes Fitnessstudio eingerichtet.

Insgesamt bewege sich der Kreis in einem „gesunden Bereich“, so Gericke. Traditionell den höchsten Krankenstand mit vier Prozent verzeichnet der Neckar-Odenwald-Kreis, die wenigsten Kranken gibt es im Stadtkreis Stuttgart (2,7 Prozent) und in Tübingen (2,8 Prozent). Über die Gründe lässt sich nur spekulieren.

Mit einem prozentualen Anteil von 19,3 Prozent lagen die psychischen Erkrankungen wie Depression bei den DAK-Versicherten im Landkreis Freudenstadt ganz vorne. Seit Jahren nehmen diese Erkrankungen eine Spitzenposition ein. Gefolgt von Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (18,1) und des Atmungssystems (14,1 Prozent). Dass Depressionen und psychische Beeinträchtigungen so auf den Vormarsch sind, hat laut Gericke und Röber mit zunehmendem Druck und Überlastungs-Faktoren zu tun. Während es früher den Begriff „Burnout“ nicht einmal gegeben habe, seien die davon Betroffenen heute zunehmend jünger.

Chancen, an dieser negativen Spitze etwas zu ändern, sieht Gericke allenfalls längerfristig, weil die Thematik so komplex ist. Gezielt will man ab 2016 mehr in punkto Prävention bei Muskel-Skelett-Erkrankungen unternehmen. Ein neues Präventionsgesetz soll dieses Bestreben der Krankenkassen unterstützen.

Die Tendenzen sind hier schon positiv: Je 100 Versicherte sind die Fehltage von 289 auf 208 zurückgegangen, weil entsprechende Vorsorgeangebote stärker als bisher genutzt wurden.

Bei den psychischen Erkrankungen liegt der Landkreis mit 221 Fehltagen pro 100 DAK-Versicherten über dem Landesschnitt (197 Fehltage).

„Vielleicht wäre es einfach hilfreich, wenn die Menschen hier den Wald und die Natur vor der Haustüre auch mal besuchen würden – und nicht nur zur Kenntnis nehmen, dass er da ist“, bemerkte Röber pragmatisch. Würden die Menschen mehr rausgehen in die Natur, dann ginge es ihnen auch besser, ist er überzeugt.

Eine Zunahme von 97 Prozent bei den psychischen Erkrankungen im Zeitraum 2000 bis 2014 hätte es dann womöglich nicht gegeben.

Sorge bereitet darüber hinaus das Thema „Hirndoping“ am Arbeitsplatz. Gemeint sind damit die Einnahmen verschreibungspflichtiger Medikamente, die Hirnfunktionen wie Wachheit, Konzentration oder auch das Erinnern – und damit die Leistungsfähigkeit – steigern sollen. Wer solche Medikamente zu sich nimmt, erhofft sich normalerweise auch eine Steigerung des psychischen Wohlbefindens und einen Abbau bestehender Nervosität.

Geschlechterspezifische Unterschiede gibt es beim Hirndoping im Grunde kaum. Die Zahlen sind bei Männern und Frauen nahezu gleich.

Während sich Männer davon allerdings in erster Linie eine Leistungsverbesserung erhoffen, dient das Hirndoping bei Frauen hauptsächlich der Stimmungsaufhellung, so die Untersuchungen. Immerhin 99 000 Erwerbstätige haben laut der Erwerbstätigenbefragung der DAK und basierend auf Umfragen im letzten Jahr regelmäßig – also zweimal im Monat oder häufiger – Hirndoping betrieben ,

415 000 Erwerbstätige (die Dunkelziffer ist da deutlich höher) haben dies mindestens einmal getan. Was dabei nachdenklich stimmt. ist, dass ein Großteil der Betroffenen (54 Prozent) dafür vom Arzt sogar ein Rezept verschrieben bekommt.

Auch der Bezug entsprechender Substanzen aus dem Internet ist bei potenziellen Nutzern beliebt und mit knapp zehn Prozent auch gar nicht so selten.

„Auch wenn Doping im Job noch kein Massenphänomen ist, sind diese Ergebnisse ein Alarmsignal“, warnt Gericke. Er glaubt auch, dass das Thema zwischenzeitlich längst bei „Otto Normalverbraucher“ angekommen ist und nicht nur Top-Manager betrifft.

Damit es gar nicht so weit kommt, wenden sich Krankenkassen wie die DAK mit Kursprogrammen zur Stressbewältigung und Entspannungstechnik oder auch mit Sportprogrammen und Burnout-Seminaren an ihre Versicherten und an Kooperationsbetriebe. Weil die Kosten oder Zuschüsse für einen solchen Kurs allemal billiger sind als ein längerfristig kranker Mitarbeiter.

Das „Hirndoping“ tritt als Phänomen hervor

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20.08.2015, 12:00 Uhr

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