Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Das Internet nicht gleich abklemmen
M. Hampel. Bild: Bauknecht
Erziehung

Das Internet nicht gleich abklemmen

Was Eltern tun können, um ihre Kinder vor den Risiken einer multimedialen Welt zu schützen, erklärte in Kirchentellinsfurt der Polizeihauptkommissar Michael Hampel.

08.12.2016
  • bkn

Michael Hampel ist Jugendsachbearbeiter im Polizeikommissariat Tübingen und zuständig für Prävention und Opferschutz. Am Montag sprach er auf Einladung des Fördervereins und der Schulsozialarbeit der Graf-Eberhard-Schule in Kirchentellinsfurt über „Risiken einer multimedialen Welt“. Einen Rat gab Hampel den etwa 60 Besuchern gleich am Anfang auf den Weg: „Klemmen Sie das Internet Ihrer Kinder nicht gleich ab, wenn Sie nachher heimkommen.“ Gleichzeitig warnte er davor, dass manche der Bilder, die Kinder zu sehen bekämen, schwer erträglich seien.

In Chatrooms, so eine Statistik, dauere es weniger als vier Minuten, ehe eine Frau sexuell belästigt werde. Überhaupt sind Chatrooms die Orte im Netz, an denen Menschen sich treffen, um sich zu beleidigen, Straftaten anzukündigen, Pornos zu verbreiten oder sich zu bedrohen. Der Begriff „Cyber-Mobbing“ steht für Diffamierung, Stalking oder Belästigung im Netz – und das häufig unter falschen Identitäten. Heute sei das einfacher als je zuvor, so Hampel. Denn mit dem Smartphone, das inzwischen ein Computer sei, „mit dem man auch telefonieren“ könne, eröffne sich die Netzwelt für jedermann. Und er rede hier vom Surface Net, also vom ganz normal zugänglichen Internet. In Portalen wie dem Dark Net gehe es dann schon um Auftragskiller oder Waffen.

Gerade für die Jüngeren ganz wichtig: Illegale Musikdownloads können teuer werden. Meist würden die strafrechtlichen Verfahren niedergeschlagen. Aber die Schadenersatzforderungen könnten ruinös sein. Beispiel: Ein Mädchen hatte gerade mal 16 Songs geladen. Das kostete sie im Nachhinein 5000 Euro Schadenersatz. Auch bei Zivilverfahren wegen zu Unrecht ins öffentliche Netz eingestellter Selfies mit anderen können teuer werden. „Bei den Jungen gibt es da zu wenig Unrechtsbewusstsein.“

Für viel Aufmerksamkeit sorgen immer wieder die sogenannten „Happy Slappings.“ Darunter versteht man körperliche Angriffe auf andere, die gefilmt und ins Netz gestellt werden. Als ein Beispiel nannte Hampel den Tübinger Fall einer von anderen Mädchen misshandelten 13-jährigen Schülerin. Der Kripobeamte zeigte noch weitere Beispiele. Vielen dieser Szenen sei gemeinsam, dass Unbeteiligten, die helfen könnten, die Aufnahmen oft wichtiger wären als die Rettung der Opfer. Durch die Smartphones seien mittlerweile Fotos und Spiele allgegenwärtig.

Es seien ohnehin die sogenannten „Second Life“ Spiele, die extreme Reaktionen bei den Usern hervorriefen. Hampel berichtet von Suchtverhalten, das sich darin äußert, dass die sogenannten „Gamer“ (Spieler) tagelang durchspielten. „Links und rechts von ihnen stapelweise leere Pizzakartons, unter dem Tisch eine Schüssel, um hinein zu urinieren.“

Natürlich würden Gewaltspiele wie Ego-Shooter nicht notwendigerweise zu Amokläufen führen. Aber, so Hampel: „Jeder, der Amok lief, war auch ein Gamer.“ Er zeigte einen Filmausschnitt aus einem Ego-Shooter-Spiel mit Actionszenen vom Zertrümmern eines Kopfes bis zum Abknallen einer ganzen Gang „Böser“.

Es würde durchaus versucht, das Internet zu kontrollieren. Aber dem stünden alleine schon unterschiedliche Gesetzgebungen in den verschiedenen Ländern entgegen. So seien in den USA zum Beispiel Hakenkreuze erlaubt.

Ziel müsse sein, den Kindern Eigenverantwortung zu vermitteln. Auf die Frage einer Mutter, wie man Kinder vorbereiten könne, riet Hampel, den elterlichen Wissensvorsprung zu nutzen und Kindern einen sicherheitsbewussten Umgang mit den Medien zu vermitteln. /

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

08.12.2016, 01:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball