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Das Jahr der Leichen
Die erfolgreichste Folge war „Feierstunde“: Während Peter Jordan, alias Prof. Gätz (rechts) die Feiergesellschaft in Schach hält, kümmert sich Christine Urspruch, alias Silke Haller um ihren Chef, Jan Josef Liefers, alias Professor Boerne. Foto: ARD/dpa
Fernsehen

Das Jahr der Leichen

Am zweiten Weihnachtsfeiertag endete mit „Klingelingeling“ das „Tatort“-Jubiläumsjahr: 2016 bot einige Rekorde – auch 2017 dürfte spannend werden.

28.12.2016
  • DPA

Berlin. Beim „Tatort“ sind dieses Jahr 162 Leichen in 37 Filmen gezählt worden – ein neuer Rekord. Die Zählung kommt von der Fan-Seite „Tatort-Fundus“. Die Experten sagen auch, dass von den derzeitigen Top 5 der leichenreichsten Filme zwei in diesem Jahr gezeigt wurden: zum einen die Stuttgarter Folge „Im gelobten Land“ vom SWR mit 26 Leichen, darunter allein 23 Flüchtlinge in einem Lastwagen, sowie der Bremer Krimi „Der hundertste Affe“ mit 21 Leichen.

Die ARD-Reihe „Tatort“ gibt es seit 1970 – dieses Jahr lief der 1000. Krimi. Der bisherige Rekord waren im Jahr 2014 in 36 Filmen 150 Leichen, 2015 gab es 111 Leichen in 40 Krimis. Für die Statistik zählt das „Tatort-Fundus“-Team nur „relevante Tote“ und meint damit jene, die während der Handlung sterben und nicht in Rückblenden noch mal gezeigt werden.

Ein verwirrender Tukur

Die Besonderheiten des Jahres 2016: Das Münchner Team Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) feierte sein 25. Jubiläum im April mit der Folge „Mia san jetz da wo‘s weh tut“. Im November verwirrte wieder Ulrich Tukur als Felix Murot – im HR-Film „Es lebe der Tod“ hatte er es mit einem Serienmörder zu tun, der auch ihm als Ermittler ans Leben wollte.

Gelungene Krimis gab es auch – wie meistens – aus Wien, Dortmund oder auch Frankfurt, wo etwa im April „Die Geschichte vom bösen Friederich“ mit dem grandios-fiesen Schauspieler Nicholas Ofczarek Eindruck hinterließ. Zeitgeistnah gaben sich der Frankfurter Fall „Wendehammer“ im Dezember über Big-Data-Machenschaften sowie im August der Stuttgarter Fall „HAL“, in dem ein selbstlernendes Computerprogramm durchdrehte.

Die höchste Einschaltquote hatten auch 2016 wieder die WDR-Fälle aus Münster. Im Mai sahen den Tanzschulen-Krimi „Ein Fuß kommt selten allein“ 12,8 Millionen. Im September schalteten 13,3 Millionen den Fall „Feierstunde“ ein, in dem Professor Boerne (Jan Josef Liefers) zum Racheopfer eines Kollegen wird.

Der Berliner „Tatort“ mit Meret Becker und Mark Waschke kam im Dezember zumindest mit seiner Krimi-im-Krimi-Reihe um die Vergangenheit des Kommissars Robert Karow zu einem Ende. In Berlin könnte es ab 2017 also mehr normale Kriminalfälle geben. Im Juni machte der RBB-Krimi „Wir – Ihr – Sie“ den von Waschke verkörperten Ermittler zum sexuell wohl freizügigsten und wohl auch einzigen schwulen Ermittler der Reihe, indem er ihn sehr intim mit einem anderen Mann zeigte.

Im MDR-Weimar-„Tatort“ mit dem Titel „Der treue Roy“ stand im April ein Totgeglaubter mit Kugel im Kopf wieder auf, ethisch-moralisch wurde es im September im Schweizer Sterbehilfe-Fall „Freitod“.

Im 1000. „Tatort“ Mitte November nahm ein Ex-Soldat zwei bekannte Ermittler – Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Klaus Borowski (Axel Milberg) – als Geiseln im „Taxi nach Leipzig“. Der Film hieß damit genauso wie der erste Fall 1970. Den Taxifahrer spielte übrigens Florian Bartholomäi, der laut „Tatort-Fundus“ der häufigste „Tatort“-Mörder ist. Schon zwölfmal spielte er mit, sechsmal war er der Täter, sieben Tote gehen auf sein Konto.

Zu den Quotenflops 2016 zählte die actionreiche Til-Schweiger-Doppelfolge zum Jahresauftakt, trotz des Engagements von Helene Fischer. Auch der „Tatort“-Kinofilm „Tschiller: Off Duty“ lief nicht so toll, er lockte keine 300 000 Menschen an.

21 Teams aktiv

Zum Jahreswechsel 2016/17 sind 21 „Tatort“-Teams aktiv. Nach drei Neustarts 2015 (Berlin, Frankfurt und Franken/Nürnberg) gab es 2016 nur zwei Neustarts – in Dresden sowie mit Heike Makatsch in Freiburg. NDR-Ermittler Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) hat außerdem seit dem Fall „Zorn Gottes“ im März jetzt die österreichische Schauspielerin Franziska Weisz an seiner Seite statt zuvor sechsmal Petra Schmidt-Schaller. In Dresden, das mit Ehrlicher und Kain schon mal von 1992 bis 2007 „Tatort“-Stadt war und jetzt Nachfolger von Leipzig ist, hat der MDR ein besonders junges Team mit Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) installiert.

In Freiburg startet 2017 auch das neue Schwarzwald-Team mit den Schauspielern Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner, die einen von Entertainer Harald Schmidt dargestellten Chef haben sollen. Sie lösen den Bodensee-Krimi ab, den der SWR Ende 2016 nach 14 Jahren beendete. Eva Mattes als Klara Blum in Konstanz hatte als Geschenk zum Abschied am zweiten Advent einen fulminanten Film mit alten Fassbinder-Kolleginnen wie Irm Hermann und Hanna Schygulla bekommen.

Als ein Höhepunkt des kommenden Jahres dürfte im Februar der Ludwigshafen-„Tatort“ mit dem Titel „Babbeldasch“ gelten. Darin agieren Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal und ihre Schauspielkollegen unter der Regie von Axel Ranisch („Dicke Mädchen“, „Ich fühl mich Disco“) ohne festes Drehbuch.

Der erste „Tatort“ 2017 kommt aus dem Saarland: die Folge am Neujahrstag heißt „Söhne und Väter“. Den ursprünglich für den 1. Januar vorgesehenen Dortmunder „Tatort“ mit dem Titel „Sturm“, in dem es einen terroristischen Anschlag gibt, hat die ARD um ein paar Wochen verschoben – mit Rücksicht auf die Opfer des Terroranschlags auf den Weihnachtsmarkt in Berlin. Gregor Tholl, dpa

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28.12.2016, 06:00 Uhr

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