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Für den Müll zu schade

Das Kaufhaus Intro bietet neben Second-Hand-Ware auch Dienstleistungen an

Möbel, Elektrogeräte, Bekleidung, Spielzeug, Antiquitäten und vieles mehr bietet das Gebrauchtwarenkaufhaus Intro an der Graf-Wolfegg-Straße auf 600 Quadratmetern. 20 Mitarbeiter sorgen zwischen Warenannahme und Verkauf für einen reibungslosen Ablauf.

22.08.2015
  • Dunja Bernhard

Rottenburg.Fast jeder hat in seiner Wohnung, im Keller und auf der Bühne Dinge stehen, die er eigentlich nicht mehr braucht, die aber zu schade zum Wegwerfen sind. Im Gebrauchtwarenkaufhaus Intro könnten diese alten und neuen Schätzchen einen Abnehmer finden. Rund 65 000 Artikel kommen jährlich bei Intro an. Die Sachen können angeliefert oder von Intro-Mitarbeitern abgeholt werden.

„Seit 21 Jahren stellt die Bevölkerung uns Waren zur Verfügung“, sagt Geschäftsführer Rainer Mirbach. Einige von ihnen suchten sich bewusst eine soziale Einrichtung aus. Mit zwei, drei Mitarbeitern habe er vor gut 20 Jahren angefangen, Gebrauchtwaren in einem Markt zu verkaufen. Mirbach arbeitete vorher als Heilpädagoge beim Landratsamt. Er sei selbst häufig auf Flohmärkten unterwegs gewesen, erzählt er. „Ich wollte etwas für Langzeitarbeitslose tun.“ Mittlerweile haben rund 1000 Menschen vorübergehend bei Intro eine Arbeit gefunden, die in den ersten Arbeitsmarkt nicht zu vermitteln gewesen wären. Menschen, die Suchterkrankungen, psychische Probleme oder schwere Schicksale aus der Bahn geworfen haben, bekommen bei Intro die Möglichkeit, ins Arbeitsleben zurück zu finden. Zuschüsse bekommt der Trägerverein „Hilfe zur Selbsthilfe“ vom Job-Center und vom Europäischen Sozialfonds. Es werde jedoch immer schwerer, Fördergelder zu erhalten, klagt Mirbach. Zur Zeit beschäftigt Intro 20 Mitarbeiter. „Zu besseren Zeiten waren es einmal fast 50.“

Die Arbeitsverträge sind auf ein Jahr befristet. 20 bis 25 Prozent der Mitarbeiter könnten anschließend in eine Ausbildung oder eine Anstellung in einem anderen Betrieb vermittelt werden, berichtet Mirbach. Bei schwerer Beeinträchtigung der Mitarbeiter sei ein Jahr jedoch zu kurz, um wieder Fuß zu fassen. Die Menschen sind dann nach der Beschäftigung bei Intro unter Umständen wieder auf Hartz IV angewiesen. Das Geld wäre doch bei den Trägern sozialer Einrichtungen wie Intro besser aufgehoben, findet Mirbach.

Intro ist die Abkürzung für Integrations- und Tagesstrukturierungsbetriebe Rottenburg. Für viele Mitarbeiter ist die Beschäftigung bei Intro nicht nur Gelderwerb – sie erhalten zwei Euro pro Stunde – , sondern auch eine Strukturierung ihres Tagesablaufs. Für einige Menschen sei auch die tägliche (Re-) Sozialisation wichtig, sagt Mirbach.

Angenommen wird im Gebrauchtwarenkaufhaus nur „was gut läuft.“ Wenn nötig, werden die Sachen gereinigt. Bei Möbeln erneuern Mitarbeiter schon mal Scharniere oder setzen neue Scheiben ein. Elektronische Geräte werden auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft. Aus rechtlichen Gründen dürften Intro-Mitarbeiter aber keine Reparaturen vornehmen, sagt Mirbach. Alle Waschmaschinen durchlaufen den VDE-Check (anerkanntes Gütesiegel für Elektroinstallationen und Elektrogeräte).

Außendienstmitarbeiter holen Gebrauchtwaren nach telefonischer Anmeldung ab und kümmern sich auch um Haushaltsauflösungen. Die Kosten richten sich danach, wie viel von den Sachen wieder verwendet werden kann. Durch die Wiederverwertung würden immense Müllkosten gespart, sagt Mirbach. Außerdem sei der Weiterverkauf ein Betrag zum Umweltschutz.

Die Waren bleiben maximal acht Wochen im Kaufhaus. Bei Ladenhütern wird der Preis gesenkt. Hilft auch das nichts, werden die Sachen verschenkt oder weggeworfen. Die Käufer kämen aus allen Schichten und aus dem ganzen Landkreis, sagt Mirbach, in letzter Zeit seien vermehrt Flüchtlinge darunter. „Es kommen auch Menschen, die es gar nicht nötig haben, hier einzukaufen.“

Mitarbeiter, die ein ständiger Kundenkontakt überfordern würde, kleben in einer kleinen Werkstatt Biomülltüten aus Zeitungspapier zusammen. Auch dieses Recyclingprodukt kommt in den Verkauf.

Seit zwei Jahren ist das Gebrauchtwarenkaufhaus an der Graf-Wolfegg-Straße neben dem Edeka-Markt beheimatet. Seitdem sei die Kundenzahl deutlich gestiegen, sagt Mirbach.

Das Kaufhaus Intro bietet neben Second-Hand-Ware auch Dienstleistungen an
Carolin Kummer sortiert im Gebrauchtwarenkaufhaus Intro Spielzeug, Bücher und mehr ein. Täglich kommt neue Ware herein. Bild: Bernhard

Das Intro-Gebrauchtwarenkaufhaus in der Graf-Wolfegg-Straße 23 hat Montag, dienstags, donnerstags und freitags von 8 bis 17 und mittwochs von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Als Serviceleistungen bietet der Betrieb Entrümpelungen, das Abwickeln von Haushaltsauflösungen und Küchenausbauten an. Im Programm hat Intro auch Brötchenverkauf an Schulkiosken, die Übernahme von Transporten für Institutionen, Ämter und Museen. Als Lohnarbeiten werden Kleinmontagen und Sortierarbeiten ausgeführt.

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22.08.2015, 12:00 Uhr

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