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Das Komiker-Trio „Eure Mütter“ bespaßte am Samstag die Gomaringer Kulturhalle

Wider die Schamgrenzen: Zum Jubiläum des örtlichen Roten Kreuzes herrschte in Gomaringen das Comedy-Matriarchat. Und kam an.

22.10.2012
  • Kathrin Löffler

Gomaringen. Höflich sind sie ja. Bevor sich die drei auf der Bühne der Belustigung ihres Publikums widmen, täuschen sie kurz ihre Akzeptanz sozial etablierter Umgangsformen an und stellen sich erstmal vor. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt halten die zu Amüsierenden mit Applaus und Gejohle so gar nicht an sich. So viele Vorschusslorbeeren? Die Erklärung folgt prompt: „Der Deal in unseren Shows ist: Jedes Mal, wenn einer von uns den magischen Satz ,Wir sind eure Mütter!‘ ausspricht, dreht ihr komplett durch“, instruiert Mutter Matze. Achso. Man kennt sich also.

Mit der Begrüßungsrunde war die Kategorie „allgemeiner Anstand“ dann für den Rest des Abends aber auch abgehakt. Den gestalteten die Mütter mit einem dreckig-derben Reigen aus sich über sämtliche Gürtellinien hinweg-, pardon, hinabsetzendem Liedgut. Da philosophiert in einem jener Stücke der moderne Mann von heute über den Frisuren-Zeitgeist („Soll ich mir den Sack rasieren oder besser nicht?“), wird die Hintergrundgeschichte einer auf der Reeperbahn liegen gebliebenen „Hose voller Stuhl“ eruiert, über sabbernde Freundinnen gelästert und über die Gewinnung von Moschus-Sekret aus Rinderhoden referiert, Beethovens Ode an die Freude strullend interpretiert. Ja, es ist ein bisschen aus der Bähbäh- und Igittigitt-Rubrik, was die Mütter darbieten. Zu zartbesaitete Miesepeter waren allerdings sonnabends in den Sitzreihen des Kultursaals nicht auszumachen.

Eingeladen hat die drei Komödianten die Rotkreuzgruppe Nehren-Gomaringen. Anlass: Der Ortsverein feiert heuer 50-jähriges Bestehen. Warum gerade solch mütterliche Comedy zum runden Wiegenfest? „Die sind einfach Kult“, befindet der Vorsitzende Daniel Strobel.

Besagte, das machte der weitere Verlauf der Show deutlich, verfügen über Fachkompetenz in noch weit mehr Themenkomplexen als dem oben gennanten. Da seien zunächst auf ihre musikalischen Talente verwiesen: Schlager-dudelige Attitüde, Wiegeschritt, Hawaii-Hemden-Outfit und soßiges Lächeln sowie striktes Einhalten der Faustformel „Urlaub plus Zärtlichkeit“ für den Songtext zu „Das ist die Sonne von Sorrent“ stimmen optimistisch hinsichtlich ihres Vorhabens, von Florian Silbereisen empfangen zu werden. Auch ihre Versuche in der Softrocker-Sparte versprechen großes Potenzial: „Metaphern“ heißt hier das Zauberwort für die vertonten Zeilen. „Deine Liebe ist wie ein Fahrrad“, wahlweise wie ein „Gartenschlauch“ oder „Kleiderschrank“. Doch, das rockte den Saal.

Einschleimerei beim Publikum wäre folgerichtig nicht von Nöten gewesen. Mutter Andi tat dies dennoch: Infolge seiner Ukulele-begleiteten Abhandlung über Ästhetik und das vor dem Refrain „aber schön ist das nicht“ aufgeführte Beispiel „einen Nachmittag durch Balingen spazieren“ tobte die Halle. Doch die Gomaringer können auch selbstironisch einstecken – und bewiesen das, indem sie doch eine gewisse Anzahl von Mutter-Scherzen auf Kosten des eher dörflichen Charakters ihres Fleckens mit Applaus bedachten.

Und wer wollte, durfte aus dem von der Blödel-Troika Aufgeführten auch gar nicht so unschlaue Homophoben-Dissereien, Kritik an Globalisierungs-geprägter Kleiderproduktion („Die Farbe ist ja giftig, das sollen schön die Mexikaner machen“) und Schelte von uncooler To-Go-Mentalität heraushören. Noch was für’s Auge: die Endausscheidung im Synchronhaarewaschen, choreografisch wertvoll und von bezaubernder Eleganz.

Das Komiker-Trio „Eure Mütter“ bespaßte am Samstag die Gomaringer Kulturhalle
„Eure Mütter“ finden Rindviecher unheimlich witzig und nehmen auch manches andere wenig ernst: Die Liebe vergleichen sie gerne mal mit einem Fahrrad, einem Gartenschlauch oder einem Kleiderschrank. Bild: Franke

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22.10.2012, 12:00 Uhr

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