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Wer sucht, der findet vielleicht

Das Mais-Labyrinth in Wolfenhausen ist schwierig zu durchforsten

Der Irrgarten des sommerlichen Mais-Labyrinths in Wolfenhausen bringt die Besucher zum Schwitzen, Verzweifeln und zum Jauchzen. Die vier Stationen, die in dem Feld zu finden sind, machen es den Suchenden nicht leicht – trotz Wegekarte und Übersichtsturm.

12.08.2015
  • WERNER BAUKNECHT

Wolfenhausen. Es ist jedes Jahr das Gleiche, doch nie das Selbe: Auf 30 000 Quadratmetern Fläche gibt es 3000 Meter Wegstrecke – Untergrund Hackschnitzel, Sicht null. Denn die Maispflanzen haben eine Höhe von deutlich über zweieinhalb Metern. Die Motive, die aus den Wegen gebildet und aneinandergefügt wurden, stammen in dieser Saison aus dem Neuen Testament. Heilige Drei Könige, Ritt durch das Tor in Jericho, der Stern von Bethlehem. Erkennbar sind die Motive aber nur aus der Vogelperspektive. Für die, die sich der Suche durchs Labyrinth nach den vier Stationen aussetzen, spielt das keine Rolle, denn ob sie sich auf dem Irrweg im Kopf eines Esels oder – wie vor ein paar Jahren – in einem der fünf olympischen Ringe verlaufen, kommt auf dasselbe heraus.

Die vier Stationen sind über die gesamte Labyrinth-Fläche verteilt. Hat man eine Station gefunden, gibt’s einen Stempel und eine (leicht) zu beantwortende Frage. Die Karten dazu erhält man an der Kasse. Die, die es gerne mathematisch-systematisch wollen, können sich für 60 Cent eine Wegekarte kaufen. Das ist eine Draufsicht aufs Labyrinth, ähnlich wie unser Foto oben links. Aber auch Karten lesen will gelernt sein. Das zeigt sich immer dann, wenn Herumirrende vor einer Weggabelung stehen und sich unsicher sind, ob sie die Karte richtig herum halten.

Manfred Maier, seit 14 Jahren der Herr übers Wolfenhäuser Labyrinth, hat dieses Jahr an strategischen Punkten Kameras aufgestellt. Solargetrieben. Wie Tim Klein, Jobber an der Kasse, verrät, werden sie immer nachts eingeschaltet. Grund: Im vergangenen Jahr gab es einen Anschlag auf die Maispflanzen. Mit eine chemischen Flüssigkeit wurde ein Teil der Maispflanzen am Rand der Anlage vernichtet.

Es ist heiß in dieser Woche, bis zu 35 Grad. Die Pflanzen geben kaum Schatten, und so rinnt dennen, die durchs Dickicht irren, schon nach ein paar Minuten der Schweiß über den ganzen Körper. Bewirtet wird nur an den Wochenenden von den Vereinen des Ortes. Ansonsten kann man kalte Getränke, Schleck oder Eis an der Kasse kaufen und sich unter das Dach der Holzhütten setzen, die auf dem Platz vorm Labyrinth aufgebaut sind.

Die Hitze und gleichzeitige Erfolglosigkeit beim Suchen der Stationen bringt manche zur vorzeitigen Aufgabe. Andererseits hört man, bei eigener verzweifelter Suche, immer wieder Freudenschreie aus der grünen Hölle heraus – dann waren andere erfolgreich. Das spornt an. Den Schreien zu folgen, hat übrigens wenig Sinn. Ehe man, auf gut Glück, dahin eilt und von den glücklichen Findern profitieren will, hat man sich bereits wieder heillos verlaufen. Und erwartet doch hinter jeder Biegung, hinter jeder durchdrungenen Wand aus dickleibigen Maispflanzen, jetzt auf eine Station zu treffen. Man fühlt sich dabei, wie einer der letzten großen Abenteurer.

Viele klettern auf den sieben Meter hohen Aussichtsturm in der Mitte des Geländes, um sich von dort oben einen Überblick zu verschaffen. Die Sicht ist schön, man überschaut übers Labyrinth hinaus das halbe Stäble. Betreten die Füße aber wieder den Boden, ist der Suchende verwirrt und orientierungslos wie zuvor. Der Drang nach dem roten, blauen oder schwarzen Stempel bringt sonderbare Solidargemeinschaften hervor. Da frägt das ältere Paar schon mal zwei Zwölfjährige nach dem Weg zu einer Station. Und am Ende suchen sie gemeinsam.

Andere wiederum machen eine kleine Pause auf einer der Bänke, die bei den drei Blumeninseln aufgestellt sind. Profis kommen mit Rucksack und Getränken, andere eilen zum Ausgang und besorgen sich eine kühle Cola bei Tim Klein. Derart erholt oder erfrischt geht die Suche weiter. Schüler hetzen oft hektisch durch die Wege. „Ich hab’ die Information, dass der rote Stempel im Kopf von Josef sein soll“, sagt einer im Trikot des SV Eutingen. Und weg ist er.

Der TAGBLATT-Reporter jedenfalls musste der Hitze Tribut zollen, und nach zwei Stempeln aufgeben. Allerdings mit der festen Absicht, noch mal herzukommen, und das Werk bei niedrigeren Temperaturen zu vollenden.

Das Mais-Labyrinth in Wolfenhausen ist schwierig zu durchforsten
Das diesjährige Mais-Labyrinth in Wolfenhausen von oben aus fotografiert, als der Mais noch nicht so hochgewachsen war (Foto links). Rechts ist die Gokart-Bahn vorm Labyrinth zu sehen. Bilder: Maier, Bauknecht

Das Mais-Labyrinth in Wolfenhausen ist schwierig zu durchforsten

Das Mais-Labyrinth liegt an der Kreisstraße zwischen Seebronn und Ergenzingen. Es ist ausgeschildert. Öffnungszeiten sind werktags zwischen 13 und 19 Uhr, samstags von 10.30 bis 23 Uhr und sonntags von 10.30 bis 19 Uhr. Schulklassen können nach vorheriger Absprache Termine vereinbaren.

Samstagabends ist eine Begehung des Labyrinths mit Fackeln möglich. Gastronomie gibt es am Wochenende. Für Kinder stehen eine Strohhüpfburg und eine Gokart-Bahn (umsonst) bereit. Wer alle vier Stempel und die Fragen richtig beantwortet hat, nimmt man am Mais-Quiz teil. Die Gewinner werden nach der Schließung des Labyrinths im Herbst ermittelt.

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12.08.2015, 12:00 Uhr

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