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G8- und G9-Schüler in einem Jahrgang

Das Martin-Gerbert-Gymnasium sieht sich gut vorbereitet

Nach Einführung des achtjährigen Gymnasiums legen im Jahr 2012 zwei Jahrgänge das Abitur ab. Das Martin-Gerbert-Gymnasium begegnet dieser organisatorischen, fachlichen und pädagogischen Herausforderung mit Koordinatoren und Stammgruppen.

08.09.2010
  • Claudia Salden

Horb. Georg Neumann ist optimistisch: „Wir werden das problemlos auf die Reihe bekommen“, sagt der stellvertretende Schulleiter zum neuen Schuljahr. Ein besonderes Jahr ist es wegen den Folgen von G8: Die ehemaligen Klassen 10 und 11 kommen gleichzeitig in die Kursstufe und machen in zwei Jahren gemeinsam das Abitur. 213 Schüler zählt das erste Jahr der neuen Kursstufe. Das sind mehr als doppelt so viele wie in den Vorjahren, weil zwei starke Jahrgänge aufeinander treffen. Mit den Planungen hat das MGG vor eineinhalb Jahren begonnen. Da der Klassenteiler von 31 Schülern in den Klassen 5 bis 10 auf 23 in der Kursstufe sinkt, sind die Kurse in der neuen 11. Klasse kleiner als die früheren 11. Klassen. Räumliche Probleme gibt es aber nicht. „Der Stundenplan wurde mit viel Fingerspitzengefühl erstellt“, sagt Neumann. Entgegen früherer Vermutungen sei es gelungen, größere Belastungen für die Schüler zu vermeiden. So sei freitags für alle nach der 7. Unterrichtsstunde Schluss. An den anderen Tagen haben manche Schüler bis zur 11. Stunde Unterricht. „Wir haben jeden Stundenplan einzeln geprüft und darauf geachtet, dass an solch langen Tagen in der Regel eine Freistunde in der Mittagszeit liegt“, so Neumann.

Ein großes Problem sei die Ausstattung mit Lehrmitteln: „Laut Kultusministerium ist das achtjährige Gymnasium kostenneutral einzuführen“, berichtet Georg Neumann. Zusätzliches Geld für die Schulen, die alle Schulbücher und Lernmaterialien zur Verfügung stellen müssen, gibt es nicht. „Wir haben sehr kreative Lösungen gefunden, um unseren Etat zu entlasten“, sagt der stellvertretende Schulleiter. So seien alte, eigentlich schon ausrangierte Lehrbücher für den Doppeljahrgang aufgehoben worden. „Ein Lehrer hat sogar nicht mehr genutzte Geschichtsbücher von einer Stuttgarter Schule organisiert“, erzählt Neumann.

Der doppelte Jahrgang birgt nicht nur organisatorische, sondern auch fachliche und pädagogische Herausforderungen: „Das Kultusministerium hat die Schulen angewiesen, die Kurse zu mischen“, berichtet Georg Neumann. Künftig werden Schüler, die einen unterschiedlichen Wissenstand haben und sich bisher nicht kennen, gemeinsam unterrichtet. „Wir sind gespannt, wie Schüler und Lehrer mit dieser Situation zurechtkommen“, sagt der stellvertretende Schulleiter.

Unter den Lehrern wurden erstmals neun Koordinatoren für die Oberstufe bestimmt. In Fächern mit mehreren parallel laufenden Kursen wie Deutsch, Mathematik, Englisch, Physik und Biologie stehen sie als Fachkoordinatoren in engem Austausch mit den anderen Fachlehrern und reagieren bei Problemen. Als Kurskoordinatoren übernehmen sie beispielsweise die Organisation der Studienfahrten – bei 213 Schülern kein leichtes Unterfangen. Für diesen organisatorischen Part gibt es eine Entlastung des Kultusministeriums: Die betroffenen Lehrer müssen über zwei Jahre eine halbe Wochenstunde weniger unterrichten.

Sozialer Lernprozess

Damit die Schüler nicht nur mit dem Lernstoff, sondern auch miteinander schnell zurechtkommen, gibt es in der Oberstufe erstmals Stammgruppen, die in möglichst vielen Fächern gemeinsam unterrichtet werden. Ein „Klassenlehrer“ soll einen Blick für das Miteinander in der Stammgruppe haben. „Wir wollen einen sozialen Lernprozess initiieren“, sagt Georg Neumann. Das Sozialgefüge und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Schüler, die sich bisher nicht kennen, sollen gestärkt werden. Mit diesem Ziel werde noch vor den Herbstferien eine „erlebnispädagogische Veranstaltung“ für die Stammgruppen stattfinden.

Die Eltern sähen den doppelten Jahrgang mit gemischten Gefühlen, berichtet der stellvertretende Schulleiter: „Sie machen sich weniger Sorgen um die Schule als darum, wie es danach weitergeht.“ Der doppelte Jahrgang braucht nach dem Abitur 2012 die doppelte Zahl von Ausbildungs- und Studienplätzen und später die doppelte Zahl von freien Stellen auf dem Arbeitsmarkt. Nach Angaben des Kultusministeriums werden 2012 landesweit 70 000 statt 48 000 Schüler Abitur machen. Die Landesregierung will 20 000 zusätzliche Studienplätze zur Verfügung stellen. Georg Neumann hofft, dass sich der Ansturm auf die Universitäten bundesweit ausgleicht, weil das achtjährige Gymnasium in den Bundesländern zu unterschiedlichen Zeiten greift: In Bayern und Niedersachsen erlangen bereits 2011 zwei Jahrgänge ihre Hochschulreife. Zusammen mit Baden-Württemberg wird es 2012 auch in Berlin, Brandenburg und Bremen einen doppelten Abiturjahrgang geben. In Hessen und Nordrhein-Westfalen ist es 2013 so weit, in Schleswig-Holstein erst 2016.

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08.09.2010, 12:00 Uhr

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