Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Zehn Zentimeter Abgrund

Das Max-Planck-Institut stellte Kindern die biologische Kybernetik vor

Regisseur spielen, durch Tübingens Altstadt und über einen Abgrund laufen – alles innerhalb von zwei Stunden. 26 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren probierten das gestern aus, wenn auch nur virtuell.

04.10.2012
  • Jörg Schäfer

Tübingen. „Oh Gott“, entfährt es Samir. Er ist der erste, der über diesen Abgrund laufen will. Ein Abgrund, der real nur zehn Zentimeter tief ist, vor seinem Auge aber mehrere Meter klafft. Obwohl Samir das weiß, ist er beeindruckt und lässt sich lieber erstmal über das Brett führen.

Der Schacht, über den die Kinder liefen, ist eine Demo-Version des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik in Tübingen. Damit führen die Wissenschaftler vor, wie stark der optische Eindruck die Wahrnehmung beeinflusst. Die Probanden tragen eine spezielle Brille, auf der ihnen der Abgrund vorgegaukelt wird, und einen Helm, mit dessen Hilfe der genaue Standort der Versuchsperson festgestellt wird.

Der Wissenschaftler Stephan Streuber gab selbst zu, dass „die Grafik und die Auflösung der Brille nicht allzu gut sind“. Der zehnjährigen Leon Sulz aus Mössingen war trotzdem beeindruckt: „Es ist schon ein komisches Gefühl, da drüber zu laufen.“ Und erst als schon mehr als die Hälfte der Kinder über das Brett gelaufen war, traute sich Lea Müller aus Tübingen, in die scheinbare Tiefe zu springen.

Im Rahmen des deutschlandweiten „Maus-Türöffner-Tags“, der auf Initiative der „Sendung mit der Maus“ in diesem Jahr zum zweiten Mal statt fand, warfen 26 Kinder einen Blick hinter Türen, die sonst für sie verschlossen sind. Sie sahen die Labors, erlebten, wie und was dort erforscht wird. Zum Beispiel mit einem Rundgang durch die Tübinger Altstadt.

Sechs Beamer projizierten Abbildungen der Gassen an eine gekrümmte Leinwand und auf den Boden, sodass vorne, seitlich und unten die Straße und die Gebäude zu sehen waren. Computergesteuert ging der Weg vom Marktplatz aus die Neckargasse hinunter und nach rechts in die Kornhausstraße hinein. Der Aufwand, die Strecken zu kartieren, fotografieren und grafisch umzusetzen, ist sehr groß. Deshalb ist ein virtueller Altstadtbummel bisher nur durch wenige Gassen möglich. Tanea und Lea Müller waren beeindruckt, wie gut ihre Heimatstadt getroffen war. Schließlich bastelten die Kinder noch selbst. Heraus kam ein Tier, das sie, egal aus welchem Blickwinkel sie es betrachteten, immer anzuschauen schien. Das Thema dieser letzten Station waren optische Täuschungen unterschiedlichster Art.

Die jungen Teilnehmer waren sichtlich beeindruckt von den Präsentationen. Leon Sulz verglich das Abgrund-Experiment mit seinen Computerspielen: „Wenn ich vor dem Laptop sitze, sehe ich noch mein Zimmer, hier war ich aber selbst im virtuellen Raum.“

Das Max-Planck-Institut stellte Kindern die biologische Kybernetik vor
Eine virtuelle Schauspielerin erzählt das Märchen von Dornröschen. Welche Emotionen sie zeigen sollte, hatten die Kinder vorher festgelegt. Bild: Faden

Das Tübinger Max-Planck-Institut (MPI) für biologische Kybernetik forscht über die Wahrnehmung von Menschen. Der virtuelle Rundgang durch Tübingen wird genutzt um herauszufinden, wie Menschen sich in fremden Umgebungen orientieren. Mit der Schauspielerin wird untersucht, wie Menschen Emotionen bei ihren Mitmenschen wahrnehmen. Und in einer Auto-Simulation wird getestet, wie Autofahrer ihre Geschwindigkeit bei verschiedenen Sichtverhältnissen einschätzen. Im Gegensatz zur realen Welt ist im virtuellen Raum die Reproduzierbarkeit gewährleistet. Das heißt, bei allen Versuchspersonen herrscht in Tübingen immer das gleiche Wetter, die Gebäude sehen immer gleich aus. Für wissenschaftlich nutzbare Ergebnisse muss diese Wiederholbarkeit gegeben sein, erklärt Stephanie Bertenbreiter vom MPI.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

04.10.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball