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Das Meer
holt sich
alles zurück
Philipp Nicklaus spielt den Jacob. Foto: Christoph Kalscheuer
Staatstheater

Das Meer holt sich alles zurück

Die Junge Oper Stuttgart erzählt ein bittersüßes Märchen über ausufernde Habgier, die das Leben zerstört.

16.01.2017
  • OTTO PAUL BURKHARDT

Stuttgart. Wer hätte nicht gern ein paar Wünsche frei. Weil Jacob einen geangelten Fisch wieder freilässt, darf er sich von ihm was wünschen. Der mittellose Junge ist zunächst mit Schuhen zufrieden. Doch warum nicht gleich noch ein großes Haus fordern? Vor allem Jacobs Eltern wollen von dem Wunderfisch immer mehr: ein Traumschloss, Personal, Essen, bis der Arzt kommt, eigene Flugzeuge. Die Wünsche werden maßlos, die Familie zankt nur noch. Bis am Ende das Meer den ganzen Plunder überflutet und zurückholt.

„Gold“ heißt diese von Zürich bis Rostock erfolgreiche Minioper für nur zwei Akteure, komponiert 2012 von Leonard Evers für Menschen ab acht. In Stuttgart – Jörg Behr führt im „Nord“ Regie – kommt sie leise, zart und poetisch daher. Der Tenor Philipp Nicklaus singt und erzählt, schlüpft dabei in viele Rollen: agil, schnörkellos, mit schönen, schwebeleichten Kantilenen. Die Schlagzeugerin Marta Klimasara, teils auch szenisch aktiv, klöppelt dazu einen sinnlichen Soundtrack: wogende Wellen, schräge Walzer, irrlichternde Harmonik und schmissige Melodien.

Immer wieder lässt sie die Sterne funkeln und das Meer aufrauschen. Weiche Klangfarben von Marimba und Vibraphon dominieren. Es gelingt, bei allem Stimmungszauber menschliche Fragen mitschwingen zu lassen – denn der Wunsch nach einem besseren Leben endet hier in zerstörerischer Gier.

Früher wurden solche Märchen gern als Appell missbraucht, sich brav mit lebenslanger Armut abzufinden. In Stuttgart dreht Jörg Behr die Story ins Ökologische. All den Luxus, das Schloss, das titelgebende „Gold“ muss sich das Publikum selbst imaginieren, denn auf der Bühne gibt's nur Sand und Plastikmüll zu sehen. So zeigt die etwas didaktisch geratene Inszenierung wenigstens, wohin Ex-und-Hopp-Mentalität führt: zur Vermüllung des Meeres und der Strände. Kurz: eine Kinderoper, die beides bietet – Klangpoesie und Stoff zum Nachdenken. Otto Paul Burkhardt

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16.01.2017, 06:00 Uhr

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