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„Das, was wir tun, ist gefährlich“

Das Mittwochs-Interview: Cross-Pilot Steffen Leopold über sein Sportlerleben nach dem Unfall

Steffen Leopold, Moto-Cross-Pilot aus Empfingen, steigt auch in diesem Jahr wieder in die ADAC-Supercross-Serie ein, die mit dem Rennen in der Stuttgarter Schleyerhalle am 9. November beginnt. Dort war der 27-Jährige vor zwei Jahren schwer gestürzt.

17.10.2012

SÜDWEST PRESSE: Herr Leopold, wie geht es Ihnen?

Steffen Leopold: Im Moment geht’s mir eigentlich recht gut, muss ich sagen.

Spüren Sie manchmal noch die Folgen Ihres Sturzes vor zwei Jahren oder ist alles wieder voll ausgeheilt?

Wenn ich jetzt nicht wüsste, dass da mal etwas war und wenn die Narben am Brustkorb nicht wären, dann würde im Prinzip nichts mehr an den Unfall erinnern.

Was hat sich im Nachhinein beim Genesungsprozess als die hartnäckigste Problematik erwiesen?

Der Zustand und die Genesungsphase an sich zu erleben, war schon eine heftige Erfahrung: So eine lange Zeit im Krankenhaus zu sein – auf der Intensivstation, mit einer Not-Operation und was alles so dazugehört –, das zu erleben und sich wieder hoch zu arbeiten, dass man dann wieder entlassen werden kann.

Staunen Sie manchmal selbst über die Selbstheilungskraft eines, in diesem Fall Ihres eigenen menschlichen Körpers?

Nun ja, man darf nicht vergessen, dass ich richtig gut vorbereitet war. Ich treibe schon von klein auf Sport, und ich bin auf jeden Fall fit. Das haben mir damals auch die Ärzte gesagt, und der Heilungsprozess schritt auch recht schnell voran. Ich denke, es hätte sich bestimmt länger hingezogen, wenn ich nicht so gut trainiert gewesen wäre.

Da Sie ja in vier Wochen wieder beim Super-Cross in der Schleyerhalle antreten werden, scheinen auch die psychischen Folgen überwunden zu sein...

Ja, doch. Das vergangene Jahr, also das unmittelbar nach dem Unfall, war vielleicht ein bisschen schwieriger – aber so sonderlich viel habe gar nicht an den Unfall gedacht. Das war einfach so ein blöder Fehler damals… Es ist passiert, aber inzwischen auch abgehakt. Ich denke da jetzt nicht mehr daran.

War das auch 2011 schon so bei Ihrer ersten Rückkehr in die Schleyerhalle?

Muss wohl so gewesen sein. Meine Teilnahme letztes Jahr in Stuttgart war sogar meine erfolgreichste. Da bin ich über die Qualifikation direkt in die Halbfinalläufe gekommen. Beim Last-Chance-Rennen fürs Finale war ich zuerst auf einem Platz, der gereicht hätte, dann bin ich aber leider gestürzt.

Ist eine Final-Qualifikation am 9. und 10. November Ihr großes Ziel in Stuttgart?

In erster Linie will ich versuchen, an die Leistung vom vergangenen Jahr anzuknüpfen; dazu gehört gerade bei den Rennen in der Halle manchmal auch ein bisschen Glück. Verkrampft versuche ich das aber nicht, weil das bringt nie was. Der Ehrgeiz, ins Finale zu kommen, ist aber schon da.

Fahren Sie die gesamte Supercross-Serie mit?

Ja. Es sind ja insgesamt nur vier Rennen, das ist ja nicht ganz so viel. Ich werde nach meiner Teilnahme in Stuttgart also auch wieder in Chemnitz, München und Dortmund am Start sein. Da es eine Serie ist, fahr‘ ich da schon alle Rennen mit.

Wie läuft‘s für Sie sportlich sonst?

Wir sind jetzt in der Vorbereitung für die Hallenrennen. Die Saison im Freien lief gut, da waren ein paar gute Ergebnisse dabei. Die Meisterschaften, die ich gefahren bin, habe ich aber nicht komplett bestritten, weil es allmählich doch etwas zu teuer wird.

Was sind Ihre mittel- und langfristigen Ziele?

Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Ich bin jetzt allmählich in einem Alter, in dem es schwer wird, gegen die jungen, nachdrückenden Fahrer zu bestehen. Und die momentane Lage mit den hohen Spritpreisen und die generelle wirtschaftliche Lage machen es mir ziemlich schwer. Ich bin nun mal kein Profi, sondern gehe ganz normal arbeiten und finanziere damit meinen Sport. Es geht wahrscheinlich eher in die Richtung, dass ich etwas kürzertreten werde.

Nochmal kurz zu den Folgen Ihres Unfalls vor zwei Jahren: Fährt nicht doch ein Tick Vorsicht mit über die Sprunghügel?

Zu fast jedem Sport und zum Moto-Cross-Sport ganz besonders gehören Stürze und Unfälle eben dazu. Man will sie natürlich vermeiden, aber manchmal lassen sie sich nicht vermeiden. Der Supercross ist dann vielleicht noch eine Schippe gefährlicher als die Rennen im Freien, das wissen alle, die da mitfahren. Das, was wir tun, ist gefährlich und kann, wenn man nicht aufpasst, schwerwiegende Folgen haben. Aber auf der Strecke ist man aber derart konzentriert, dass man gar nicht an solche Dinge denken kann. Vor oder nach einem Rennen kann es schon mal sein, dass man sich über mögliche Folgen Gedanken macht, aber nicht auf der Strecke. Da ist man voll konzentriert.

Sind Sie als Fahrer durch den Unfall gereift?

Menschlich hat sich da jetzt nichts verändert bei mir. Manchmal, wenn ich die Narben sehe, dann denke ich schon kurz darüber nach, dass ich auch Glück hatte. Die Geschichte hätte auch um einiges schlimmer ausgehen können. Aber die Frage „was wäre, wenn…“ ist müßig zu beantworten. Darüber, wie es jetzt gelaufen ist, bin ich froh, aber ich mache mir da nicht so endlos einen Kopf darüber. Aus fahrtechnischer Sicht gibt es manche, die meinen, ich sei stärker zurückgekommen. Möglich ist das. Ich habe jetzt draußen gute Resultate eingefahren und meine Hallensaison vergangenes Jahr war meine beste überhaupt. Es kann schon gut sein, dass ich mich auch durch den Sturz weiterentwickelt habe. Beurteilen kann ich das jetzt aber nicht so gut.

All zu viele Fragen zu genau diesem Ereignis scheinen Sie ein wenig zu nerven…

Nicht unbedingt. Ich denke eben nicht mehr so häufig daran; außerdem bin ich jetzt auch schon so lange in diesem Sport dabei, der einen nicht nur körperlich, sonder auch psychisch maximal fordert – da muss man stark werden, und so etwas muss man dann einfach ausblenden können.

Das Interview führte Gerd Braun

Info: Der Vorverkauf für die Rennen in der Schleyerhalle läuft bereits. Tickets sind unter anderem im Internet über die Veranstalter-Homepage www.supercross-stuttgart.de zu erwerben.

Das Mittwochs-Interview: Cross-Pilot Steffen Leopold über sein Sportlerleben nach dem Unfall

Steffen Leopold ist 27 Jahre alt und fährt Moto-Cross, seit er vier ist. Seit dem vergangenen Jahr startet der Empfinger, der in Mühlheim aufgewachsen ist, im Nürnberger Rockstar Meyer Honda-Team als einziger unter lauter amerikanischen Piloten. Leopold arbeitet als CNC-Fräser in Empfingen und finanziert sich damit wesentlich seinen teuren Sport. 2010 stürzte Steffen Leopold, der Mitglied beim MSC Betra ist, beim Supercross-Rennen in der Schleyerhalle schwer und musste mit sieben gebrochenen Rippen und einer gequetschten Lunge notoperiert werden. Seit 2011 fährt er wieder Rennen.

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17.10.2012, 12:00 Uhr

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