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„Zandra ist so gut wie noch nie“

Das Mittwochs-Interview: Reiter Stefan Hirsch über sein Comeback-Jahr nach dem Herzinfarkt

Stefan Hirsch tritt ab dem heutigen Mittwoch in Stuttgart bei den German Masters an. Im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE spricht der Springreiter aus Nordstetten über seine Erwartungen und schildert, wie er nach seinem im vorigen Jahr im September erlittenen Herzinfarkt seine Herangehensweise an den Turniersport grundlegend verändert hat.

18.11.2015

SÜDWEST PRESSE: Herr Hirsch, Ihr für Stuttgart qualifiziertes Pferd war zwei Monate nicht mehr platziert. Kann da von einer optimalen Vorbereitung gesprochen werden?

Stefan Hirsch: Das ist mir bisher noch gar nicht so bewusst gewesen. Zandra war aber die letzten zwei Monate auch nur einmal auf einem Turnier, Anfang Oktober beim Hohenzollernreitturnier in Bisingen. Erstmals wieder in der Halle lief es noch nicht so rund, weil ich in den Rahmenspringen ein bisschen zu viel riskiert habe. Insgesamt lief Zandra aber gut.

War die Veranstaltung wegen des Wechsels vom Freiland in die Halle fürs Pferd wichtig?

Ich habe in diesem Jahr meinen Fokus ohnehin auf die vier Qualifikationsturniere für das Hallenchampionat gelegt. Da zählte Bisingen zum Schluss dazu. Rein rechnerisch hatte ich die Qualifikationshürde aber schon so gut wie übersprungen. Alles war quasi in trockenen Tüchern. Eine Platzierung wäre schön gewesen, aber galt für Stuttgart nicht als existenziell wichtig.

Das hört sich recht entspannt an?

Diese Saison bestreite ich in der Tat viel entspannter als sonst. Nach meinem Herzinfarkt im September vor einem Jahr teilte ich meine jetzige Turniersaison ganz anders ein. Mir waren zwar früher schon die Qualifikationsturniere wichtig, aber zusätzlich bin ich da fast jedes Wochenende mit irgendwelchen Pferden zu anderen Turnieren gefahren. Da ich es wesentlich dosierter angegangen bin, habe ich natürlich auch weniger Platzierungen und weniger Ranglistenpunkte sammeln können. Meine Pferde liefen trotzdem alle passabel und ich bin mit den Resultaten sehr zufrieden.

Sollen Ihre dosierten Auftritte auch für die kommenden Jahre so bleiben?

Langfristig muss man das natürlich abwarten. Aber ich habe momentan, was hoffentlich noch lange so geht, Menschen im Hintergrund, die das völlig druckfrei unterstützen. Sie stellen beispielsweise keine Forderungen bezüglich Turnierstarts von irgendwelchen Pferden, sind froh, wenn ich die Pferde mitnehme und finden es toll, wenn ich Erfolg habe. Diesbezüglich überhaupt keinen Druck zu haben, ist natürlich eine einmalige Situation für mich. Freundschaftliche Unterstützung kann man das nennen. Oder freundschaftliches Sponsoring, ein Begriff der vielleicht erst noch neu zu erfinden ist.

Geben sensible Turnierpferde diese neue Herangehensweise an den Sport in irgendeiner Form zurück?

Das ist schwierig einzuschätzen, vielleicht sind sie einen Ticken mehr motiviert. Ist man jedes Wochenende auf einem Turnier, wird es schnell zum Alltag und etwas langweiliger für das Pferd. Stuttgart ist etwas Besonderes, das ist eine Sondersituation. Andere Turniere – immer großer Platz, alles bunt, laute Musik, hohe Sprünge – ähneln sich aber doch ziemlich.

Wie angriffslustig wird demnach jetzt Mittwoch und Donnerstag Zandras Auftritt in der Schleyer-Halle?

Ich hoffe, sie wird nicht zu angriffslustig sein, damit ich sie noch kontrolliert bekomme. Von meinem Gefühl her ist Zandra in dieser Saison aber so gut wie fast noch nie, weil sie irgendwie eine größere bislang noch nie so zu spürende Lockerheit mitbringt. Ich habe es in dieser Saison aber auch selten drauf angelegt. Wenn, so wie zuletzt im August bei unserem S-Sieg in Heiligenbronn, dann hat es zum Glück ja auch geklappt. Früher war das bei mir anders. Wusste ich, dass ich ein Springen gewinnen konnte, fiel es mir oft schwer, zu dosieren.

Verraten Sie uns Ihre Erwartungen für Stuttgart?

Stuttgart ist sowieso speziell, da kommt es auch ganz stark auf die Reiternerven an. Vorletztes Jahr habe ich in der Schleyer-Halle den Drang gehabt am Mittwoch vorne mit rein zu reiten, bin engste Wendungen geritten und hatte dann ausgerechnet an der BW-Mauer eine blöde Verweigerung. Dadurch war Zandra tags darauf im Finale ein bisschen durch den Wind. Dieses Mal mache ich am Mittwoch höchstwahrscheinlich ein bisschen langsamer und hoffe dann am Donnerstag möglichst auf einen Nullfehlerritt. Wenn das klappen sollte, möchte ich im Stechen dann schon ein bisschen mitmachen.

Ein geglückter Saisonabschluss wäre wünschenswert, zumal Sie im Sommer ein Spitzenpferd verloren haben, Zandras Fast-Vollschwester Zanora. Woran verstarb die sechsfache S-Siegerstute?

Zanora hatte einen unglücklichen Koppelunfall mit einer dabei zugezogenen Schnittverletzung. Im Nachhinein war die Schnittverletzung aber nicht das Schlimme. Sie muss auf der Koppel wohl doch einen schlimmeren Überschlag, der nicht so richtig beobachtet werden konnte, gehabt haben. Durch den Überschlag hatte sie innere Verletzungen, was zu einem inneren Verbluten führte. Das Schlimme daran ist gewesen, während ich Zanora in die Klinik fuhr, eigentlich nur, um die Schnittverletzung zu behandeln, ist sie mir auf dem Hänger verstorben. Ein herber, sehr trauriger Verlust – mit Zanora gewann ich 2010 in Nussbach mein allererstes S-Springen und 2013 in Wiener-Neustadt mein erstes internationales S-Springen.

Wer soll Zanora zukünftig ersetzen?

Den richtigen Ersatz als so schnelles Speed-Pferd habe ich noch nicht. Vielleicht schafft es Zandras Tochter, die nächstes Jahr dann achtjährige Missile du Buisson, in die Fußstapfen von Zanora. Richtig grundschnell und richtig vorsichtig am Sprung, setze ich extrem viel Hoffnung in sie. Ein weiterer Kandidat wäre die achtjährige Chalouba, wir zwei müssen uns noch gegenseitig ein bisschen finden, aber auch sie ist eine Stute mit sehr viel Qualität.

Was halten Sie davon, dass diesmal mit Eva-Maria Lühr, Steffi Girrbach, Michael Jung und Andreas Brünz gleich vier weitere Vertreter des PSK Nordschwarzwald im Hallenchampionat mitmischen?

Das finde ich super, denn es zeigt, wie stark unser Pferdesportkreis da hinten im Schwarzwald so ist. Für die Region und auch unserem Reitsport hier tut sowas sehr gut. Turniersport, gerade dieses Stuttgart German Masters, ist letztlich immer Werbung für den Reitsport.

Interview: Frank Häusler

Das Mittwochs-Interview: Reiter Stefan Hirsch über sein Comeback-Jahr nach dem Herzinfarkt

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Stefan Hirsch ist als Springreiter die Nummer eins des Reitervereins Nordstetten. Der 35-Jährige hat den Beruf des Pferdewirtschaftsmeisters erlernt und betreibt den Hirschhof in Nordstetten. Seit über fünf Jahren zählt er zu den Landesbesten der Springreiterei. Nach 2012 und 2013 steht nun die dritte Finalteilnahme im Hallenchampionat in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle an. 13 Siege in der schweren Klasse S konnte der Nordstetter bislang insgesamt verbuchen, sieben davon im Sattel seines aktuellen Spitzenpferdes Zandra (14) und sechs S-Siege auf der im Sommer verstorbenen Zanora (14). Seit März ist Stefan Hirsch mit Kristin Hirsch (27) verheiratet.

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18.11.2015, 12:00 Uhr

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