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Koffer wird wie immer rasch gepackt

Das Mittwochs-Interview: Tennisschiedsrichterin Isabell Seefried über ihre Olympia-Premiere

Als eine von vier deutschen Tennis-Schiedsrichterinnen ist die Baiersbronnerin Isabell Seefried für die Olympischen Spiele in London eingeteilt. Über Vorbereitung und Hintergründe sprach sie im Interview mit der SÜDWEST PRESSE.

25.07.2012

SÜDWEST PRESSE: Frau Seefried, Sie mussten für Olympia das Turnier in Bildechingen opfern. Hatten Sie deshalb schlaflose Nächte?

ISABELL SEEFRIED: Ein bisschen schon. Wenn es irgendein Turnier gewesen wäre, das ich wegen Olympia verpasst hätte, dann hätte mich das nicht so belastet. Aber genau bei diesen beiden Turnieren zu fehlen, ist doch etwas schmerzlich. Ich habe auch sehr viele schöne private Kontakte ? hier beim Heimturnier in Baiersbronn, aber gerade auch in Bildechingen, wo ich einen meiner ersten internationalen Einsätze überhaupt hatte.

Wie kommt man dahin: Tennisschiedsrichterin bei Olympischen Spielen zu werden?

Im Prinzip konnte man sich dafür über die ITF bewerben wie für jedes andere Turnier auch. Jedes Land bekommt drei bis vier Spots, also Startplätze - und darüber wird in Deutschland nach einem Ranking entschieden.

Haben Sie Ihre Koffer für London schon gepackt?

Nein. Wie oft bei mir üblich, geht das wieder kurzfristig, vielleicht sogar erst wenige Stunden bevor in Stuttgart mein Flug geht.

Ist für diesen Einsatz etwas besonderes im Gepäck oder nehmen Sie Ihr Standard-Equipment mit zu den Olympischen Spielen?

Eine Deutschlandfahne habe ich natürlich eingepackt für die Eröffnungsfeier, das gehört sich ja so. Ansonsten ist es mehr oder weniger Standard. Die Uniform bekommt man ja dann vor Ort.

Was soll denn auf der Rückreise Besonderes im Koffer sein?

Ich werde mir sicherlich das eine oder andere Erinnerungsstück an meine ersten Olympischen Spiele mit nach Hause bringen. Was das genau sein wird, weiss ich nicht. Aber es gibt ja immer viele tolle Merchandising-Artikel oder andere Souvenirs - auch wenn diese vielleicht völlig überteuert sind.

Haben Sie ? einfach nur als Zuschauer ? Olympia schon einmal live erlebt?

Nein noch nie. Bisher habe ich Olympia nur vor dem Fernseher erlebt.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie erfuhren, dass Sie als Schiedsrichterin nominiert sind?

Da war ich natürlich aus dem Häuschen. Ich hatte damit ganz ehrlich nicht gerechnet. Ich dachte, ich bewerb? mich mal und schau, ob?s klappt. Sicher habe ich gehofft, dabei zu sein; damit gerechnet aber nicht. So war die Freude umso größer.

Wann und wie haben Sie davon erfahren?

Erfahren habe ich davon im Oktober 2011. Benachrichtigt wird man dann per Brief vom deutschen olympischen Komitee oder so ähnlich ? und als ich den gelesen hatte, war mein Tag gerettet.

Wo und wie haben Sie es erfahren?

Das Turnier wird ja nun auch in Wimbledon gespielt, und von daher ist das rein Job-technisch im Prinzip dasselbe. Ich denke, die ganze Atmosphäre uns alles macht es sicher doch zu etwas ganz besonderem. Davon gehe ich aus, auch wenn ich selbst noch nie bei Olympischen Spielen dabei gewesen bin.

Ist dieses Turnier ein ganz Besonderes oder betrachten Sie die Matches als „Business as usual??

Nein, noch gar nicht. Das werde ich erst in den kommenden Tagen erfahren.

Wissen sie schon, was auf Ihrem Einsatzplan steht?

Ausschließlich an der Linie. Als Stuhlschiedsrichter wurden dort nur Leute nominiert, die das Gold oder zumindest das Silver Bedge haben. Ich selbst habe Bronze.

Gibt es für die Schiedsrichter besondere Auflagen, die von denen der anderen großen Turnieren abweichen?

Nicht dass ich wüsste.

Sie waren ja vor wenigen Wochen schon dabei beim Grand Slam in Wimbledon. War dort schon viel vor-olympische Stimmung zu spüren?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich habe mich ja hauptsächlich auf der Anlage aufgehalten und so von der Atmosphäre in der Stadt gar nicht so viel mitbekommen. Klar, die Towerbridge war schon mit den Olympischen Ringen verziert und hier und dort war olympisch geschmückt.

Haben Sie auch Tickets für andere olympische Wettbewerbe?

Nein, aber soweit ich weiß, bekommen wir einmal Tickets für andere olympische Wettbewerbe.

Falls ja: auf welche freuen Sie sich besonders?

Ich wusste, dass dieser Frage kommen wird. Und ich muss sagen: So genau weiß ich das gar nicht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass Schwimmen oder auch Leichtathletik einmal ganz interessant sein könnten.Bild: Ulmer

Das Interview führte Gerd Braun

Isabell Seefried ist 24 Jahre alt und lebt, wenn sie nicht gerade zu Turnier-Einsätzen rund um den Globus unterwegs ist, in Baiersbronn.
Vor gut fünf Jahren begann ihre Karriere als Schiedsrichterin im internationalen Turnierzirkus, inzwischen gehört sie als Inhaberin des so genannten Bronze Bedge zu den Top-Schiedsrichterinnen der Nation. Einen ihrer ersten Einsätze hatte Isabell Seefried beim BMW-AHG-Cup 2007 in Bildechingen.
In diesem Jahr ist die Baiersbronnerin bei allen vier Grand-Slam-Turnieren im Einsatz. Zusammen mit der Nominierung zu den Olympischen Spielen macht die 24-Jährige den „Golden Slam?, der Schiedsrichter-intern diese Kombination beschreibt, perfekt. Unbestätigten Information zufolge ist Seefried die erste Deutsche, die diese inoffiziellen Titel erwirbt.
Nach ihrer Rückkehr aus London am 6. August reist die Tennisschiedsrichterin direkt am Tag danach weiter zum Damenturnier nach Hechingen.

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Erstellt:
25. Juli 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Juli 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2012, 12:00 Uhr

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