Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Norbert Prangenberg zum Gedächtnis

Das Reutlinger Spendhaus zeigt seine „Winterreise“

Das Spendhaus zeigt Druckgrafiken und Keramiken des im Sommer überraschend verstorbenen Norbert Prangenberg. Im Mittelpunkt steht sein letztes Werk: Ein Linolschnitt-Zyklus nach Schuberts „Winterreise“.

20.10.2012

Reutlingen. Der Kölner Künstler starb nach einer Krebs-Erkrankung, so wurde die lang geplante Schau eine Gedächtnisausstellung. Er war „ein ungeheuer vielfältiger Künstler“, sagt Spendhaus-Chef Herbert Eichhorn über Prangenberg. Der gelernte Goldschmied kam als Autodidakt zur Malerei und Bildhauerei und wurde schnell bekannt.

Die Reutlinger Museumsbegründerin Annie Bardon entdeckte 1988 seine Druckgrafiken für eine legendäre Ausstellung im Rathaus, die erstmals die Linolschnitte vorstellte. Einige Beispiele aus den 1980er-Jahren sind jetzt im Erdgeschoss zu sehen, feine poetische Drucke auf Gebrauchspapier. Es gibt auch Entwürfe für den Katalogumschlag. Auf einem der Drucke stehe noch: „.Liebe Annie, jetzt habe ich’s“ unter dem Passepartout, weiß Eichhorn,

In der Mitte liegt eine gewichtige „Figur“ von 1994 aus gebranntem Ton, eine riesige gekippte, schwarz glasierte Vase. Auch in den übrigen Stockwerken sind Keramiken Prangenbergs zu sehen, der seit 1993 Professor für Keramik und Glas an der Münchner Kunstakademie war.

Im Mittelpunkt steht aber seine letzte Arbeit, die hier erstmals gezeigt wird: ein Linolschnitt-Zyklus nach Schuberts „Winterreise“. Alle 24 Blätter, die den einzelnen Liedern dieses Hauptwerks der Romantik zugeordnet sind, sieht man im ersten Obergeschoss. Sie wurden dieses Frühjahr im Handabzug gedruckt.

Prangenberg sagte: „Die Winterreise war für mich ein Stück Heimat“ – weil sein Vater eine Schallplatte davon besaß. Die abstrakten Kompositionen mit kristallinen Formen rücken zunächst die Außenkontur in den Fokus. Doch im Vergleich zu früheren Arbeiten werden die Binnenzeichnungen wichtiger. Man sieht den Lindenbaum, eine Postkutsche, eine weinende Figur. Dezent angedeutete Farben hellen die melancholische Grundstimmung auf. „Gefrorne Tränen“ schimmern wie Sterne am Nachthimmel.

Prangenberg arbeitete laut Eichhorn unabhängig von Regeln und Traditionen. „Er wollte Werke schaffen, wie wenn sie vom Himmel gefallen wären.“ Dass aber tatsächlich viel Arbeit darin steckt, beweist die dritte Etage der Ausstellung. Sie versammelt Entwürfe, Vorstufen und Varianten zur „Winterreise“, die teils schon zehn Jahre vorher entstanden waren – ein Blick in die Werkstatt mit aufschlussreichen Details. So sieht man in einer Vorstudie zum „Lindenbaum“ eine Figur, die sich daran erhängt.

Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung: fünf 2006 entstandene Linolschnitte zu Mörikes Gedicht „Besuch in Urach“ aus der Spendhaus-Sammlung: Ein Spiel mit Farben und Kontrasten; teils wird der weiße Hintergrund zum eigentlichen zeichnerischen Element.mre

Info: Norbert Prangenberg: „Winterreise“, bis 13. Januar, Spendhausstraße 4 (Dienstag bis Samstag 11 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 19 Uhr, Sonn- und Feiertage bis 18 Uhr). Der Katalog hat 94 Seiten und kostet 22 Euro.

Das Reutlinger Spendhaus zeigt seine „Winterreise“
„Frühlingstraum“ heißt dieses Blatt aus Norbert Prangenbergs Linolschnitt-Zyklus zu Schuberts Winterreise. Bild: Spendhaus

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

20.10.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball