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Adel, Bauern und Gemeinde

Das Salzstetter Schlössle hatte in seiner Geschichte zahlreiche Besitzer

Das Salzstetter Schlössle und sein Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert gehörte als Besitz zum Ortsadel. In diesem Beitrag geht es mit einem Vorlauf um die Zeit ab 1514, als das Gebäude der „Neuzeit“, das bis heute mit Abwandlungen vorhanden ist, errichtet wurde.

25.08.2010
  • Rul Jetter

Salzstetten. Der Salzstetter Adel begann mit dem hochmittelalterlichen Adel, dann findet sich ein vornehmes edelfreies Geschlecht, also kein gewöhnlicher Ortsadel. Danach folgt der niedere Adel, der auch als Lehensträger des (auswärtigen) Hochadels galt. Im Spätmittelalter gab es in Salzstetten keinen Ortsadel (darüber haben wir bereits berichtet).

Zahlreiche Niederadelige spielten in unserer Gegend eine Rolle: Das Geschlecht von Steinhülben, dann ein gewisser Helfried von Neustadt (1441). Dann folgten die Herren von Emershofen (1443). Ein Stefan von Emershofen hatte mit dem Spital in Horb Streit wegen der Schäferei zu Salzstetten, der 1455 durch den Vogt zu Nagold geschlichtet wurde. Ein anderer Streit wurde 1464 ausgetragen: Die Gemeinde Salzstetten stritt mit dem Kloster Bebenhausen wegen der Zufahrt zum Klosterhof in Vesperweiler. Hans und sein Bruder Ludwig von Emershofen nahmen die Interessen des Dorfes Salzstetten wahr. 1470 erwarb der Horber Schultheiß Michel Schütz das Dorf.

Nachzutragen ist, dass Salzstetten geteilt wurde. Die eine Hälfte war im Besitz von Diem von Steinhülben, der sie 1379 um 250 Pfund Heller an die Gräfin Ita von Toggenburg, Gemahlin des Grafen Rudolf von Hohenberg, verkaufte. Ita hat diese Hälfte 1387 – also nach acht Jahren – dem Horber Spital geschenkt. Die andere Hälfte dürfte Albrecht von Steinhülben, dem Bruder von Diem, gehört haben. In einem hohenbergischen Lehenverzeichnis von 1389 wird Konrad von Steinhülben – wohl ein Nachkomme von Albrecht – als Besitzer des halben Dorfs Salzstetten aufgeführt. Später verlautet von Konrad nichts mehr. In diesem Zusammenhang stellt der Empfinger Heimatforscher Hans Peter Müller noch eine Überlegung an. Der Vorgängerbau des Schlössle auf dem Burgstall könnte auf die Adligen von Steinhülben als Ortsherren zurückgehen. Andere Adelsgeschlechter aus der Nachbarschaft sind nicht ausgeschlossen. Hans von Altheim hat auf dem Brühl ein Haus besessen. Das geht aus einer Auflistung von 1386 hervor. Und da das Salzstetter Schlössle am Brühl liegt, so wird gefolgert, könnte der Vorgängerbau durchaus das Haus des Altheimers gewesen sein.

Michel Schütz erwarb also von Ludwig von Emershofen einen Teil von Salzstetten. Zugleich erwarb Schütz in den Jahren nach 1470 auch noch die Burg Eutingertal und stieg somit in den niederen Adel auf. Michel kaufte zahlreiche Grundstücke und legte so den Grundstein zum Schlossgut. Michel war mit der Horber Bürgerstochter Barbara von Diessen verheiratet und ging nach deren Tod 1502 eine zweite Ehe mit Mergel von First ein. Aus der ersten Ehe stammten die Söhne Michel und Sebastian. Der ältere übernahm die Burg Eutingertal, der jüngere das halbe Dorf Salzstetten. Sebastian Michel wollte in Salzstetten einen herrschaftlichen Sitz schaffen und baute deshalb 1514 das Salzstetter Schlössle, was durch die dendrologische Untersuchung der Holzkonstruktion belegt ist.

1524 verstarb Sebastian Schütz, sein Sohn Michel starb ebenfalls früh um 1530 und hinterließ einen minderjährigen Sohn namens Hans Ulrich. Dieser heiratete 1554 Amalie von Ehingen.

Die Räume im Schlössle wurden vermutlich zu klein, denn im Jahr 1564 haben verschiedene Umbauten im Gebäude stattgefunden. Die Jahreszahl am Eckquader südöstlich außen am Schlössle weist darauf hin. Hans Ulrich wohnte fast 50 Jahre im Schlössle, bis er im Jahr 1589 verstarb. Gall Schütz wurde sein Nachfolger. Die Familien Schütz mussten über die Jahre hinweg immer wieder Geld aufnehmen und so verkauften die Vormünder 1611 das Schloss in Salzstetten und den halben „Flecken“ an Melchior Thum von Neuburg für 24 000 Gulden, womit die Ära Schütz in Salzstetten zu Ende gegangen war.

Im Jahr 1663 verkauften die zahlreichen Thum’schen Erben das Rittergut Salzstetten um 18 085 Gulden an das Horber Spital. Ein Jahr später verkauften die Spitalpfleger – das waren der Bürgermeister, das Gericht und der Rat der Stadt Horb – das Schlossgut samt dem halben Wald um 3500 Gulden an mehrere Salzstetter Bürger – der Besitz wurde also gestreut. Die neuen Besitzer hießen Jakob Steimlin, Baltas Dettling und andere Bürger von Salzstetten.

Das Spitallagerbuch von 1768 macht keine Angaben zum ehemaligen Schlössle, obwohl darin alle Häuser wegen der Vogteiabgaben aufgeführt sind. Dagegen werden im gleichzeitigen Steuerrevisionsprotokoll zwei Häuser im Schlosshof aufgeführt: Das eine mit der Nummer 6 gehörte dem Sonnenwirt Andreas Ehrat und das andere mit der Nummer 10 dem Bauern Medardus Saier. Im Primärkataster von 1833/35 sind alle Besitzer der beiden Häuser Nummer 20 und 21 – Leopold Kneißler und Sonnenwirt Josef Steimle – eingetragen. Kneißler kaufte im Jahre 1830 von Josef Kreidler, Postknecht, den heutigen Teil des Schlössles. In den vergangenen 160 Jahren wurden viele Veränderungen an dem Gebäude vorgenommen.

Leopold Kneißler, von Beruf Nagelschmied, und Ehefrau Rosalia, geborene Gaißer, und sechs Kinder wohnten bis zum Tode Kneißlers am 15. Juli 1852 in dem Gebäude Haus Nummer 20. Danach erwarb es die Gemeinde Salzstetten für 350 Gulden. Am 4. Juli 1857 kaufte Konrad Dettling, Sattler und Gemeinderat, das Anwesen für 450 Gulden. Er wohnte mit Ehefrau Maria, geborene Müller, und fünf Kindern bis zum 22. April 1896 in dem Gebäude. Wilhelm Dettling, Josefs Sohn, Schneider aus Salzstetten, und Ehefrau Maria Anna, geborene Singer, kauften an diesem Tag für 1400 Goldmark das Haus. Durch die Vergrößerung der Familie von vier auf neun Kinder wurde der Kauf eines eigenen Hauses nötig, was aber finanziell schwierig war. Wenn man heute durch das Gebäude geht, ist es fast unvorstellbar, dass elf Personen mitsamt Vieh in so einem kleinen Haus beieinander waren.

Im Jahr 1928 ging das Gebäude an die inzwischen verheiratete Tochter Eleonora, Ehefrau des Adolf Luger, Maurer, zu einem Preis von 1800 Reichsmark über. Zwei Jahre später, also 1930, übernahm die ledige Schwester Magdalende Dettling, Hebamme, das Gebäude. Nach ihrem Tod wurde die Gemeinde Salzstetten im Jahre 1974 wieder Eigentümer des Anwesens. Und ist es bis heute. Somit darf gesagt werden: Die Gemeinde Waldachtal und besonders die Ortschaft Salzstetten ist Schlossbesitzer – und der Förderverein deren Lehensnehmer.

Info Quellen: Hans Peter Müller, Das Salzstetter Schlössle, Kultur- und Museumsverein Horb; Jürgen Erath, Hausgeschichte des Salzstetter Schlössle; Festschrift „Das Schlössle“ zur Restaurierung im Jahr 2006.

Das Salzstetter Schlössle hatte in seiner Geschichte zahlreiche Besitzer
Salzstetten mit der St. Agatha-Kirche: Bis zur Reformation war die Vorgängerkirche, die an der gleichen Stelle stand, im Besitz des Klosters Hirsau.Bilder: rj

Das Salzstetter Schlössle hatte in seiner Geschichte zahlreiche Besitzer
Vorderansicht des restaurierten Schlössle, ehemals Haus Nr. 20.

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25.08.2010, 12:00 Uhr

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