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Gegen Franco und Pinochet

Das Stiefkind wird erwachsener: Das Tübinger Cine Español hat begonnen

Rund 40 Filme aus Spanien, Portugal und Lateinamerika gibt es von Donnerstag an eine Woche lang beim 2. Festival de Cine Español in den Tübinger Kinos Arsenal und Atelier.

04.12.2012
  • Klaus-Peter Eichele

Das Stiefkind wird erwachsener: Das Tübinger Cine Español hat begonnen
Drei Teenager aus Barcelona müssen sich den Herausforderungen des Erwachsenwerdens stellen: „Els nens salvatges“ läuft am morgigen Donnerstag um 20 Uhr zur Eröffnung des spanischen Filmfests im Kino Arsenal.

Das jüngste Filmfestival der Unistadt ist ein Stiefkind des Cine Latino, Tübingens traditionsreiches Forum für lateinamerikanisches und spanisches Kino. Die Spanierin Alba Fominaya war dort jahrelang die zweite Kraft hinter dessen Gründer Paulo de Carvalho. Nach Streitigkeiten im Führungsduo hat sie sich im Vorjahr selbständig gemacht – zunächst mit einer auf Spanien konzentrierten Filmschau. Diesmal stehen aber auch etliche lateinamerikanische Filme auf dem Spielplan des Cine Español – sodass sich Tübingen nunmehr den Luxus zweier Festivals mit sehr ähnlichem Profil leistet.

Zumindest was die aktuellen Spielfilme angeht, ist aber eindeutig Spanien der Platzhirsch beim Cine Español. Daneben gibt es einen Fokus auf das Filmland Portugal, Dokumentarisches aus Ecuador, Filme von und mit amerikanischen Ureinwohnern, sowie je einen Spielfilm aus Peru und Chile. Die wenigsten dürfen auf einen regulären Kinostart in Deutschland hoffen, aber etliche haben bereits eine beachtliche Festival-Karriere hinter sich.

Zwei Berlinale-Preise gewann im Februar der Portugiese Miguel Gomes mit Tabu: eine Liebesgeschichte in schwarz-weiß, die sich vom Afrika der fünfziger Jahre bis ins Lissabon der Gegenwart erstreckt. Mit Lorbeeren aus Cannes kommen Aquí y allá und No nach Tübingen. Ersterer handelt von einem Mexikaner, der nach Jahren der Arbeitsmigration in den USA in sein Dorf zurückkehrt; der andere erzählt von der Werbekampagne, die 1988 mit dazu beitrug, Chiles Diktator Pinochet zu stürzen.

Ebenfalls in eine Diktatur, die spanische unter Franco, führt das in Montreal mit dem Großen Preis der Jury dekorierte Drama Miel de naranjas: Ein junger Mann bringt mit riskanten politischen Aktionen sein Leben und das seiner Freunde in Gefahr. „Wichtige Erinnerungsarbeit“, so Fominaya, leistet auch La maleta mexicana. Der Dokumentarfilm zeigt, wie Hunderttausende Flüchtlinge nach dem spanischen Bürgerkrieg in Mexiko Zuflucht fanden. Vergangenheit und Gegenwart treffen sich in der Reportage Ensayo de una revolución, die die aktuelle Protestbewegung der „Empörten“ mit der europaweit bahnbrechenden Verfassung von Cadiz aus dem Jahr 1812 kurzschließt. Nach der Vorführung am Samstag um 16 Uhr im Kino Arsenal gibt es eine Diskussion mit dem Journalisten Lorenzo Benítez.

Ein weiterer Festival-Gast ist der Regisseur Eloy Enciso. Er präsentiert am Samstag Arraianos, einen mit Laien gedrehten Film über den Alltag in einem Dorf an der Grenze zwischen Galicien und Portugal.

Mit einem Budget von rund 20 000 Euro ist Cine Español das preisgünstigste Tübinger Filmfestival. Die Zuschüsse kommen aus vielen kleinen Quellen, so von der Uni Tübingen, der spanischen Botschaft und dem spanischen Eltern- und Kulturverein. Kooperationspartner ist das Romanische Seminar der Uni, das die Reihe „Indigenes Kino“ (im Hörsaal 036 des Brechtbaus) mitverantwortet. Verbündet hat sich Fominaya auch mit der Chocolart. Anlässlich des Tübinger Schokoladenfestivals laufen von Donnerstag bis Sonntag mehrere Filme mit einschlägiger Thematik (unter anderem „Chocolat“, „Charlie und die Schokoladenfabrik“ und die Doku „Schmutzige Schokolade“) im Kino Atelier.

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04.12.2012, 12:00 Uhr

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