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Zur Überbrückung ins Notlager

Das Studierendenwerk bietet zwei Räume mit je acht Betten an

Nie ist der Tübinger Wohnmarkt angespannter als im Oktober, wenn Erstsemester und Studienortwechsler eine Unterkunft brauchen. Für etwas Entspannung sollen Notquartiere sorgen.

13.10.2014
  • Michael Sturm

Tübingen. Laut aktuellen Zahlen vom Wochenende sind in diesem Wintersemester 28.000 Studierende an der Uni Tübingen immatrikuliert. Rund 5000 davon sind Erstsemester. Es wird allgemein damit gerechnet, dass die Zahlen durch Studienortwechsler und Auslandsstudenten noch steigen.

Das Studierendenwerk bietet zwei Räume mit je acht Betten an
Etwas weniger angespannt als im vergangenen Jahr ist der studentische Wohnungsmarkt in Tübingen am Beginn dieses Wintersemesters. Im Studentendorf Waldhäuser-Ost steht trotzdem eine Notunterkunf (hier der Schlafraum für Frauen) für alle neuen Studierenden bereit, die nicht sofort eine Bleibe finden. Bild: Metz

Wer jetzt noch eine Unterkunft braucht, hat einiges zu tun: Inserate in der Zeitung oder im Internet studieren. Bei der studentischen Zimmervermittlung in der Mensa Wilhelmstraße nachfragen. Aushänge nach Zimmerangeboten von WGs durchforsten. Die Stockbetten in der Jugendherberge in Augenschein nehmen. Oder die Notquartiere des Studierendenwerks im Studentendorf Waldhäuser Ost.

„Wir haben in den letzten Tagen schon ein paar Anrufe bekommen“, sagt Simon Leimig vom Studentenwerk. Insgesamt sei die Lage angespannt, aber etwas entspannter als im vergangenen Jahr: „Wir haben in diesem Jahr deutlich mehr Angebote an privaten Zimmern“, so Leimig. Er schätzt, dass die auffordenden Annoncen an die Bevölkerung fruchteten. Zwei Räume sind als Notunterkünfte eingerichtet, einer für Frauen. Für letzteren sei bisher kein Bedarf angemeldet worden, sagt Dietmar Topka, Abteilungsleiter für „Facility-Management“ des Studentenwerks. Im anderen Raum wohnen zur Zeit drei Männer, die vergangenen Freitag einzogen.

Die zu Schlafquartieren umgestalteten Gemeinschaftsräume wurden mit Mobiliar aus dem Lager bestückt, jeweils acht Betten stehen darin. Der Frauenraum hat den Luxus einer integrierten Küche. Toiletten sind vorhanden, Duschen nicht. „Wir bieten das Hallenbad an“, sagt Topka. 45 Euro kostet das Starterpaket des Studentenwerks für obdachlose Neuankömmlinge: Laken, Bettdecke, Kopfkissen. „Das haben wir standardmäßig im Programm, etwa für Studenten, die abends kommen und nur einen Koffer dabei haben“, so Topka.

Er denkt, dass die leicht entspanntere Situation dieses Jahr damit zu tun hat, dass die meisten Studienplätze mittlerweile bereits Mitte September vergeben werden. „Die Studenten, die sich rechtzeitig um Wohnheimplätze beworben haben, sind alle untergebracht worden“, sagt Topka. Nachrücker können auf Zimmer im katholischen Wohnheim Carl-Sonnenschein-Haus in der Schickhardtstraße hoffen. Dort sind die Renovierungsarbeiten noch nicht fertig. Die Zimmer seien ab 15. November bezugsfertig. „Unser letzter Stand ist, dass sich auch das Evangelische Stift bereit erklärt hat, Leute aufzunehmen“, fügt Simon Leimig hinzu.

Wie geht das Studentenwerk mit Studenten um, die sich kurzfristig umentschlossen haben und das Zimmer nicht mehr wollen? Man betrachte den Einzelfall, sagt Topka. Werden sie exmatrikuliert, löse man den Mietvertrag auf. Andere Gründe müsse man prüfen. Zwischenvermietungen lässt das Studentenwerk während des Semesters nicht zu, in den Semesterferien auf Antrag schon. „Für Praktikanten, Sommerkursler, Leute, die keinen normalen Verdienst haben“, sagt Topka.

Der studentische Dorfrat würde bei der Vergabe der Notfallquartiere gern selbst aktiv werden. „Das will das Studentenwerk nicht“, behauptet Dorfrat-Sprecher Marius Henneberg. Zwischen Dorfrat und Studentenwerk gebe es aktuell „atmosphärische Störungen“. Ein Grund sei, dass der Dorfrat die Notquartiere zum Unwillen des Studentenwerks bewerbe. Ein anderer entzünde sich daran, wie man Studenten unterbringe, die sich zu spät anmeldeten. Letztes Jahr habe der Dorfrat einen Studenten aus Pakistan mit einer Not-Unterkunft versorgt, den das Studentenwerk zuvor abgewiesen habe. „Das fanden wir unerhört. Jeder Student hat den Anspruch auf eine Bleibe“, so Henneberg.

Laut Baubürgermeister Cord Soehlke hat sich die allgemeine Wohnraumsituation in Tübingen dramatisch zugespitzt, weil in den letzten zehn Jahren vier Bevölkerungsruppen in die Stadt drängten: Ältere Menschen; Familien; Leute, die sich schwer tun, bezahlbaren Wohnraum zu finden; und Flüchtlinge – „letzteres beschäftigt uns massiv“. Die durchschnittliche Erhöhung der Mietpreise in den letzten fünf Jahren sei mit gleichzeitigem Entstehen von zusätzlichen 5000 versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen verbunden. Diese Arbeitnehmer können höhere Mieten zahlen. Dem setze die Stadt einen Schwerpunkt im sozialen Wohnungsbau entgegen. Auch Baugemeinschaften sollen Wohnraum bezahlbar halten. Aufgrund des Bedarfs habe man die Erschließung der Quartiere Güterbahnhof, Ölmühle, Saiben und in der Haußer straße beschlossen. Soehlke hofft, dass sich die studentische Wohnsituation durch einen möglichst raschen Bau des Studentenwohnheims an der Lustnauer Mühle entzerrt.

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13.10.2014, 12:00 Uhr

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