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Sieben Siege, sieben Gründe

Das TAGBLATT erläutert den TVR-Höhenflug vor dem Spiel gegen Berlin

Der TV Rottenburg hat den besten Bundesliga-Saisonstart in seiner Vereinsgeschichte hingelegt. Und empfängt heute (19.30 Uhr, Tübinger Paul-Horn-Halle) dementsprechend selbstbewusst den Deutschen Meister Volleys Berlin. Das TAGBLATT nennt sieben Gründe für die bisher sieben Saisonsiege.

25.11.2014
  • Tobias Zug

1. Die Spieler: Tragen generell immer die Hauptschuld an Erfolg oder Misserfolg, weil sie es ja sind, die spielen. Die Rottenburger Zugänge sind nicht nur sportliche Verstärkungen, sie scheinen auch die soziale Kompetenzen einzubringen, um den Teamgeist zu verbessern. Nationalspieler Tom Strohbach war sicherlich der teuerste Zugang, aber auch der sportlich wertvollste: Mit überragender Sprungkraft ausgestattet, spielt der 22-jährige Außenangreifer unbekümmert mit wuchtigen Angriffsschlägen und ist derzeit der drittbeste Scorer der Liga (116 Punkte). Dirk Mehlberg blüht auf, die Zuspieler Philipp Jankowski und Federico Cipollone stärken sich durch ihren fair ausgeführten Konkurrenzkampf gegenseitig. Friederich Nagel hat sich weiter verbessert, ist zurzeit der beste Mittelblocker der Liga. Spieler wie Johannes Elsäßer oder Diego Ferreira, die momentan hinten anstehen, unterstützen ihre Mitspieler moralisch und verbal. Elsäßer stimmt nach jedem Sieg das „Humba-tätärä“ an, Ferreira geht trotz seiner geringen Deutschkenntnisse viel und stets positiv auf seine Mitspieler ein.

2. Die Liga: Die besten deutschen Spieler spielen fast alle im Ausland, die meisten in Polen, Frankreich und Italien. Durch den Rückzug der Topteams Haching und Moers verlor die Bundesliga weiter an Klasse. Nur noch Berlin Volleys und Friedrichshafen stehen auch mit ihren Etats weit über allen – die restlichen Teams spielen mehr oder weniger auf demselben Niveau. Rottenburg hat Berlin und Friedrichshafen noch vor sich.

3. Die Rotation: Schon in der vergangenen Spielzeit verwies TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger stets auf den Konkurrenzkampf als große Stärke und jeder jederzeit spielen könne. Und setzte das damals auch schon um: Nach vier Spielen standen schon alle Spieler mal in der Anfangs-Sechs. Diesmal sind Mehlberg und Strohbach die einzigen Spieler, die bei jedem Satz von Beginn an spielten. Ansonsten standen nur der lange verletzte Ferreira und der zweite Libero Elsäßer noch nie in der Startformation. Doch in dieser Saison scheinen die Spieler besser mit dieser Rotation umgehen zu können. Die Spannung bei jedem einzelnen wird aufrechterhalten, weil alle mit einem Einsatz rechnen dürfen und müssen – und der Gegner kann sich vorab nicht recht einstellen auf den TVR.

4. Das „Tollhaus“: Gut, an den Auswärtssiegen (bei VCO Berlin, in Bestensee, Coburg und Dresden) sind jetzt nicht die Fans schuld. Aber die Stimmung in der Paul-Horn-Halle bei den Heimspielen trägt die Spieler vor allem in den entscheidenden Crunch-Times wie zuletzt beim Fünfsatzsieg gegen Düren, was sie auch immer betonen. Trainer und Anheizer Müller-Angstenberger tut sein Übriges, dass den etwa 2000 Zuschauern nicht die Hände schlapp werden oder Stimmen nachlassen beim Dauer-Klatschen und „Punkte, Punkte“-Rufen.

5. Die Physis: Die lange Pause (über ein halbes Jahr) haben die TVR-Spieler gut genutzt. Während andere Teams länger in den Playoffs spielten, vereinzelt Spieler für die Weltliga oder Weltmeisterschaft abgaben, konnten die Rottenburger konzentriert und kontinuierlich ihre Vorbereitung beginnen und durchziehen. Anders als im Vorjahr war zu Saisonbeginn auch kein Leistungsträger wie Dirk Mehlberg verletzt oder angeschlagen. Dass die Physiotherapeuten seit dieser Saison direkt in Rottenburg vor Ort sind, ist auch kein Nachteil. Der gute konditionelle Zustand zeigt sich alleine schon darin, dass die Spieler inklusive Pokalspiel zwischendurch fünf Spiele in Serie in jeweils fünf Sätzen gewonnen haben.

6. Der zweite Satz: Woran das liegen mag, das können Spieler und Trainer sich auch nicht ganz so genau erklären. Fakt ist: Rottenburg hat bisher jeden zweiten Satz gewonnen – nachdem es in fünf von sieben Saisonspielen 0:1 zurück gelegen war. Diesen ersten Satz benötigten die Spieler, um sich auf den Gegner richtig einzustellen, dessen Spiel zu „lesen“. Um im folgenden die richtige Antwort auf dessen Spiel zu finden.

7. Die Trainer: Hans Peter Müller-Angstenberger ist seit zwölf Jahren Cheftrainer der TVR-Volleyballer – und kein Deut weniger engagiert und leidenschaftlich als damals. Die neuen Spieler wie Philipp Jankowski fanden schnell Zugang und damit eine Kommunikationsebene zum extrovertierten aber auch immer noch wissbegierigen Coach. Gibt Müller-Angstenberger während den Spielen die meiste Zeit den Motivator an der Seitenlinie, bewahrt sein langjähriger Assistent Oliver Heiming, sitzend mit dem Laptop auf dem Schoß, den kühlen Kopf und gibt wichtige, technische Anweisungen weiter.

Das TAGBLATT erläutert den TVR-Höhenflug vor dem Spiel gegen Berlin
Starker Block: Friederich Nagel und Tom Strohbach (von links). Archivbild: Ulmer

Der Deutsche Meister kommt – mit Respekt: „Rottenburg ist zurzeit richtig gut drauf und hat viele Fans, die richtig Stimmung machen können“, sagt Berlins Trainer Mark Lebedew, „wir dürfen sie gar nicht erst in Schwung kommen lassen. In engen Situationen kann eine solche Kulisse den Ausschlag geben, dazu wollen wir es nicht kommen lassen.“ Die Berlin Volleys dominierten die vergangenen Jahre die Bundesliga und haben in Rob Bontje, Erik Shoji, Francesco De Marchi und Christian Dünnes hochkarätige Verstärkungen geholt. „Wenn die Synthese zwischen Mannschaft und Fans gelingt, dann ist für uns alles möglich“, sagt TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger.

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25.11.2014, 12:00 Uhr

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