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Sound des Konsums

Das Tonne-Jugendforum spielt ein Stück von PeterLicht

Um die Reizüberflutung der modernen Konsumwelt geht es in dem Stück „Das Sausen der Welt“ des Kölner Konzeptkünstlers PeterLicht. Morgen hat es Premiere beim Reutlinger Tonne-Jugendforum in der Planie 22.

10.06.2015
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Der Kölner PeterLicht (er schreibt seinen Künstlernamen wirklich zusammen) ist „der politische Konzeptkünstler unter den deutschen Popmusikern“, weiß der „Spiegel“. In Lichts 2013 in Köln uraufgeführtem Stück „Das Sausen der Welt“ geht es um den Sound des Konsums. Dass der nun in Reutlingen aufgeführt wird, hat laut Regisseurin Sandra Omlor zunächst praktische Gründe: „Ich habe vorab ein Stück gebraucht, das man flexibel besetzen kann.“

Von den früher bis zu 15 Akteuren und Akteurinnen ab 13 Jahren des Jugendforums machen zurzeit die meisten Abitur oder sind im Ausland unterwegs. Deshalb stehen nun nur drei auf der Bühne. Zwei Wochen haben sie intensiv geprobt – neben sonstigen Jobs. „Neun Stunden Theater, danach zur Schicht im Café oder in den Outlets – Chapeau!“, sagt der Regieassistent und theaterpädagogische Mitarbeiter Marc-Etienne Thon, selbst langjähriger Akteur beim Jugendforum.

„Man kann die Klänge der Welt mit allen Sinnen fassen“, sagt Omlor zum Stück. Mit lyrischen Passagen und Dialogen wird das Überangebot der Konsumgesellschaft greifbar. Die Dialoge werden von Typen wie Ängstlichem, Neugierigem oder Skeptiker gesprochen – nicht aber von durchgängigen Rollen. „Jede Szene steht für sich, hat aber einen assoziativen Rahmen“, erläutert die Regisseurin. Ein Schlüssel-Monolog erzähle von einem poetischen Traum im „entsättigten Leben“. Omlor: „Man hat alle Möglichkeiten, und trotzdem fehlt etwas.“

Eine weitere Hauptrolle spielt der Sound. Der langjährige Tonne-Musiker und -Schauspieler Michael Schneider hat einen Soundtrack aufgezeichnet, der von Band eingespielt wird. Dadurch werde der Konsum akustisch inszeniert, sagt Thon: „Die Überreizung geht soweit, dass man das Überangebot gar nicht mehr mitbekommt.“ Ein Dauerton symbolisiert etwa „den Tinnitus der Welt“, so Regisseurin Omlor. Ein Konsumjingle wird über mehrere Lautsprecher eingeblendet. Er stehe für die Reizüberflutung und Dauerberieselung durch Werbung.

Omlors Bühnenbild zeigt eine abstrakte Arena als Wettkampfstätte zwischen Sport, Politik und öffentlichem Raum. Vier Styropor-Quader dienen flexibel als Tresen, Sitz oder Sprechpult. Das Stück funktioniere assoziativ: „Die Bilder kommen aus dem Text“, sagt die Regisseurin. Bei den Proben wurde auch improvisiert, nun lasse das Stück Raum für Assoziationen. Fertige Lösungen biete es nicht. Wohl aber eine Botschaft. „Wir haben das Konsum-System geschaffen, und wir füttern es.“

Info Premiere ist am Donnerstag um 20 Uhr, Planie 22. Weitere Aufführungen am Freitag und Samstag zur selben Zeit.

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10.06.2015, 12:00 Uhr

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