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Zu eklektizistisch für Umsonst & Draußen

Das Tübinger Sextett Pantasonics spielt am Sonntag als Vorband für La Brass banda beim Open-Air-Konzert in Rottenburg

Wenn das Tübinger Sextett Pantasonics eines seiner wenigen Konzerte gibt, dann kocht die Tanzfläche. Am Sonntag eröffnet die Band das Open-Air-Konzert in Rottenburg für La Brass Banda aus Bayern.

09.08.2014
  • Michael Sturm

Tübingen. Das erste Konzert einer Band birgt immer irgendetwas Erzählenswertes. Bei den Pantasonics, die erstmals im Oktober 2008 im Tübinger Schloßcafé auftraten, sorgte der Frontmann dafür: „Unser Sänger Leo ist ausgerutscht und lang hingeschlagen“, erinnert sich Trompeter Timo Wetzel. „Das könnte allerdings auch bei unserem zweiten Auftritt gewesen sein. Der war auch im Schloßcafé“, gibt Schlagzeuger Thomas Korell zu bedenken.

Bei den Fans der Band mag dies eine Anekdote sein. Die Musik der Pantasonics blieb hängen: Der treibende Off-Beat-Rhythmus von Korell, Bassist Gogo Dannert und Gitarrist El Brosso, die Mariachi-Trompeten-Einwürfe von Wetzel, die Balkan-Polka-Harmonika von Keyboarder Christian Ther, sowie die Raps von Leo Molina. Bei den Wagenburg-Kulturtagen vor knapp drei Wochen verwandelte der „Dirty-Reggae-Balkan-Funk“ der Pantasonics die Wiese vor der Bühne in eine brodelnde Tanzfläche.

Vor sechs Jahren entstanden die Pantasonics im Grunde als Nachfolger der Kahoonas. Da spielten Leo, Thomas und El Brosso bereits zusammen. Gegen Ende dieser Formation stieß Christian Ther dazu. Timo Wetzel, dessen Formation Funkophil sich aufgelöst hatte, half in jener Zeit auch immer mal wieder aus. Bassist Gogo Dannert, der einzige der Pantasonics, der nie bei den Kahoonas spielte, war vorher mit Ther bei der Tübinger Jazz-Funk-Fusion-Band Artefact. Schon bei den Kahoonas wiegten sich die Musiker am liebsten im für den Reggae typische Off-Beat-Rhythmus. Er war das von Beginn an gewünschte Treibmittel der Pantasonics. Damals, erzählt Wetzel, seien die Latin-Einflüsse über Sänger Leo Molina noch größer gewesen. „Wir wollten aber nie nur eine Schublade bedienen“, betont der Trompeter. Bei den Pantasonics kam der Balkan-Sound hinzu. Keyboarder und Akkordeonist Christian Ther, der einzige studierte Musiker der Band, war dafür maßgeblich verantwortlich. Zum genannten kommt eine gute Portion Funk, eine Messerspitze Swing und eine kleine Prise Punk hinzu – so lautete die Rezeptur für das Pantatonics-Gebräu, das man heiß zu genießen hat.

Gut, die Geschmäcker sind verschieden. Das stellten die Pantatonics fest, nachdem sie vor einiger Zeit eine Absage auf ihre Bewerbung beim Umsonst & Draußen-Festival in Stuttgart-Möhringen entgegennehmen mussten: Zu eklektizistisch, lautete das Urteil. „Das haben wir uns gemerkt“, sagt Wetzel. „Und wir sind stolz drauf“, ergänzt Korell.

Das Tübinger Sextett Pantasonics spielt am Sonntag als Vorband für La Brass banda beim
Heiße Band in klinisch kühler Umgebung – die Pantasonics. Stehend von links: Gogo Dannert, El Brosso, Thomas Korell, Christian Ther. Sitzend von links: Timo Wetzel und Leo Molina.

Diese Band zu buchen ist nicht so einfach. „Wir sind aber auch schwierig“, seufzt Gogo Dannert. Abseits der Band gehen die sechs Musiker ganz unterschiedliche Wege. Sänger Leo Molina hat seit Jahren die weiteste Anfahrt. Kurz nach der Gründung der Band setzte er seine Ausbildung im belgischen Antwerpen fort. Seit mittlerweile zwei Jahren arbeitet er in der hessischen Finanzkapitale Frankfurt am Main. Die Auftritte wurden jedoch immer so mit Molina abgestimmt, dass dieser dabei sein konnte – auch wenn ein großer Teil des schmalen Band-Budgets für dessen Reisekosten drauf gingen. Das erklärt auch, warum, sich die Pantasonics zwischen ihren Auftritten immer wieder Zeit ließen. „Dafür mussten wir noch nie auf Gastmusiker zurückgreifen“, betont Gogo Dannert und ergänzt: „Die Gigs, davon viele gute außerhalb Tübingens, hielten uns am Leben. Ich bin total stolz darauf, dass es uns mittlerweile so lange gibt.“

Das Promobild hier links täuscht etwas: Der Proberaum im Französischen Viertel, den sich die Pantasonics mit einer weiteren Band teilen, ist ein gemütliches, holzgetäfeltes Refugium mit Sofas, Teppichen und Instrumenten. Auf einer Tafel halten die Musiker Akkorde der Stücke fest, die auf die nächste Platte kommen sollen. Wann der Nachfolger des Erstlings von 2011 – der, ganz programmatisch, „Dirty Reggae Balkan Funk“ hieß – herauskommt, steht noch etwas in den Sternen.

Die Vorarbeit ist allerdings gemacht. Korell hat das Schlagzeug bereits auf so ziemlich allen Stücken eingespielt. Auf dreien hört man schon Bass und Gitarren, zwei sind komplett instrumentiert. „Die Hürden einer semiprofessionellen Band“ (Wetzel) verlangsamen das Arbeitstempo: Nach den Aufnahmen, die im Proberaum stattfinden, müssen die Pantasonics alles wieder abbauen, damit die andere Band ungestört proben kann.

Am Sonntag spielen die Pantasonics (ab 19.30 auf dem Omnibusbahnhof am Rottenburger Eugen-Bolz-Platz) einen eher kurzen Auftritt: 40 Minuten im Vorprogramm von La Brass Banda, die traditionelle Blasmusik mit HipHop, Funk und Jazz verbinden – und damit in ihrer bayerischen Heimat Diskussionen auslösten, ob man so etwas überhaupt darf. „Wir sind happy, dass es geklappt hat“, sagt Gogo Dannert. Eine „Mischung aus Connection und frech anfragen“ (Dannert) habe ihnen den Auftritt gesichert. Für Timo Wetzel sind La Brass Banda eine der großen Einflussquellen für die Pantasonics: „Die haben uns bei den Stücken, die in Richtung Techno-Balkan-Sound gehen, ziemlich inspiriert.“ In Rottenburg werde Christian Ther seine ’47er Hammond-BV-Orgel spielen, zu deren Vorbesitzern der berühmte Produzent Harold Faltermeyer gehörte. Dann räsonieren die Pantasonic-Jungs in ihren Proberaum darüber, warum es keine musikalische Verbeugung in Form eines Songs für die Bayern gibt: „Wir haben einfach kein Stück, das wir auf schwäbisch singen“, sinniert Wetzel und schiebt nach: „Christian könnte das.“

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09.08.2014, 12:00 Uhr

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