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Der Speck ist längst ab

Das Tübinger Sparpaket trifft auch Verwaltung und Service

6,6 Millionen Euro schwer ist das Sparpaket, das dieTübinger Verwaltung im Juni schnürte. Der größte Batzen: 60 Stellen sollen im Rathaus und seinen Außenstellen wegfallen. Die Folgen werdenstädtische Beschäftigte und Bürger zu spüren bekommen.

28.08.2010
  • Volker Rekittke

Tübingen. Diesmal geht es ans Eingemachte, da sind sich alle einig: 60 Stellen will die Stadtverwaltung einsparen, nicht durch Entlassungen, sondern über „natürliche Fluktuation“. Was in den meisten Fällen heißt: Städtische Mitarbeiter/innen, die in Rente gehen, werden nicht mehr ersetzt. Rund 2,4 Millionen Euro pro Jahr sollen so im Verwaltungshaushalt eingespart werden – das wäre mehr als ein Drittel des 6,6-Millionen-Sparpakets.

Das Tübinger Sparpaket trifft auch Verwaltung und Service
Auch diese Jobs sollen wegfallen: Baubürgermeister Cord Soehlke verliert seine Referent(inn)en-Stelle, wenn Sybille Hartmann (links) 2011 in Altersteilzeit geht. Gina Adamis wird zwar weiter bei der Stadt arbeiten, aber nicht mehr in der Telefonzentrale im Rathaus – die wandert ins Bürgeramt, eine halbe Personalstelle wird gestrichen. Bilder: Sommer

Man mag einwenden: 60 von insgesamt 1182 Vollzeit-Stellen, auf denen derzeit 1514 Beschäftigte im Rathaus und bei den Eigenbetrieben (Stadtbau, Kläranlage, Müllabfuhr) arbeiten – klingt das nicht eher nach einem moderatem Abbau? „Das ist ja nicht die erste Sparrunde, die wir erleben“, sagt Günter Lehmann. Zwischen 1996 und 2008, so der stellvertretende Personalratsvorsitzende, seien bereits 200 Stellen gestrichen worden. Zwar kamen wegen des politisch gewollten Ausbaus der (Klein-)Kinderbetreuung auch zig Stellen in Kitas neu dazu – damit aber zugleich neue Aufgaben für die Rathaus-Beschäftigten. Lehmann: „Viele Mitarbeiter sagen schon heute: Wir sind am Limit.“

Auch Wilfried Raiser, Vize-Chef der fürs Personal zuständigen „Internen Dienste“, sieht in der neuen Sparrunde „eine ganz neue Qualität: Es geht nicht mehr darum, überflüssigen Speck abzuschneiden.“ Es geht an die Substanz. Für die Beschäftigten bedeutet das: Arbeitsverdichtung, Stress. Für die Bürger: „Die Stadt wird nicht mehr alle Aufgaben wie gewohnt erledigen können.“

Zum Beispiel im Technischen Rathaus. Hier sollen rund ein Dutzend Stellen wegfallen, darunter ein bis zwei Zeichnerstellen und drei bis vier im Vermessungsamt. Dabei hat die Stadt derzeit und in naher Zukunft etliche kleinere und auch richtig große Baustellen, die es zu planen gilt: von Egeria über den Güterbahnhof bis zum Wennfelder Garten. „Wir werden sortieren müssen“, sagt Baubürgermeister Cord Soehlke: „Was ist absolut notwendig, was wäre schön, ist aber nicht so dringend.“ Und das müsse die Verwaltung dann in Richtung Bürgerschaft und Gemeinderat deutlich machen.

Noch längere Bearbeitungszeiten für Baugesuche soll es zwar nicht geben: „Im Baurechtsamt wird nicht gespart“, so Soehlke. Aber schneller als bisher wird es auch nicht. Die Mitarbeiter würden bereits an ihren Grenzen arbeiten. „In einer besseren Welt müsste man dort dringend mehr Personal einstellen.“ Diskutiert wird noch über die Fremdvergabe von Reinigungsarbeiten – das Thema ist im Rat umstritten.

Soehlke wird das Sparpaket auch sehr direkt zu spüren bekommen: Die Stelle seiner persönlichen Referentin fällt weg, wenn Sybille Hartmann Mitte kommenden Jahres in Altersteilzeit geht. Auch „wenn’s hart wird“ findet Soehlke die Entscheidung konsequent: Das „Projekt minus 10 Prozent“ gelte schließlich auch für die drei Bürgermeister Palmer, Lucke und Soehlke sowie ihre drei Referent(inn)en. Doch Hartmann wird eine auch für Bürger spürbare Lücke hinterlassen: Zusammen mit ihrem Chef ist sie nicht nur zuständig für die interne Koordinierung der vier Bau-Fachbereiche, sondern auch für die Beantwortung oder Weiterleitung zahlreicher Bürgeranfragen, Ratschläge wie Kritik. Und auch für Runde Tische, den Kontakt zu Bürgerinitiativen. „Wir haben in Tübingen eine sehr aktive Bürgerschaft“, sagt Soehlke – was er ausdrücklich begrüßt, was aber auch einiges an Arbeit macht.

Künftig nur noch eine Telefonzentrale

Keine oder nur geringe Auswirkungen für die Bürgerschaft soll die Zusammenlegung der zwei städtischen Telefonzentralen haben: Von den bisher drei im Rathaus arbeitenden Mitarbeiterinnen geht eine in den Ruhestand, die übrigen könnten ab dem 1. Dezember in der Galerie des Bürgeramtes in der Schmiedtorstraße arbeiten. Dort werden unter der Rufnummer 07071/ 204 20 20 schon heute Auskünfte etwa zu Pass-, An- oder Abmeldefragen erteilt – und nicht nur weitervermittelt, wie im Rathaus unter der Zentral-Nummer 07071/ 204-0. Aber führen weniger Mitarbeiter bei gleicher Zahl von Anrufen nicht zu längeren Wartezeiten mit Musikgesäusel? Nein, sagt Wilfried Raiser: Dank moderner Software würden Anrufer rasch zu anderen Mitarbeitern weitergeschaltet. Was für die dann mehr Arbeit bedeutet.

Das Tübinger Sparpaket – aufgeschnürt und ausgepackt

Die Stadt Tübingen muss sparen. Was bedeutet das im einzelnen – für die Verwaltung und ihre Fachbereiche, für Initiativen und Vereine, für die Bürger? Das TAGBLATT begleitet die aufkommenden Diskussionen über das „Projekt minus 10 Prozent“, über Personalabbau oder Reduzierung von Standards, über den Abbau freiwilliger Leistungen oder Effizienzsteigerung, mit einer Serie zum Sparpaket. Was sind die Folgen, wer sind die Betroffenen? Diesmal geht es um die Auswirkungen der Stellenstreichungen bei der Stadtverwaltung – hier sollen 60 Vollzeit-Arbeitsplätze wegfallen.

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28.08.2010, 12:00 Uhr

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