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Ein Wow für den schönen Neubau - Besucher begeistert

Das Uhland-Gymnasium feierte mit Gästen die Erweiterung

Das Uhland-Gymnasium hat baulich einen Riesensprung gemacht: Der Erweiterungsbau, der gestern im Mittelpunkt einer Feier stand, kam beim Publikum gut an und weckte bei manchem Gast Begehrlichkeiten. Die schon verabschiedete Schulleiterin Ute Leube-Dürr würdigte die Arbeit der Architekten mit dem Wort „Wow“ – ein Kompliment, das sie, so Dirk Haecker, nur „sehr selten“ zu hören bekommen.

30.07.2014
  • Ute Kaiser

Tübingen. Die Bauzeit für den neuen Schulkomplex mit mehr als 4600 Quadratmetern beträgt 26 Monate. Zum Schuljahresbeginn, versprach Dirk Haecker gestern, könne das Uhland-Gymnasium „ungestört seinen Betrieb aufnehmen“. Kurz vor der ersten Rede im Foyer verließ ein Reinigungstrupp noch schnell das Gebäude. Die Lüftung ist auch noch nicht fertig. Wenn alles funktioniert, soll das Gebäude in Passivbauweise mit den Worten des Architekten „dicht wie eine Sardinenbüchse“ sein – passend zur Schule mit einer aktiven Umwelt-AG und der Absicht, der Umwelt so viel Kohlendioxid zu ersparen wie nur irgend möglich. Gestern wünschten sich die Gäste eher etwas mehr Sauerstoff.

Das Projekt gelang ohne Pannen und Pleiten

Die Architekten mussten manche Herausforderung annehmen. Beispielsweise den Abriss des Casa Nova genannten Behelfsbaus aus dem Jahr 2004 und die Integration der Spielhalle in den Neubau. Fast 50 Firmen waren ohne Pannen und Pleiten daran beteiligt. Haecker zufolge verbauten sie allein 2500 Kubikmeter Beton und verlegten 1800 Quadratmeter Kautschukboden.

Das Uhland-Gymnasium feierte mit Gästen die Erweiterung
Die Gäste gelangten gestern über einen grünen Teppich zur Feier im Erweiterungsbau des Uhland-Gymnasiums – mit fast elf Millionen Euro einem der teuersten städtischen Bauprojekte in jüngerer Zeit. Bilder: Sommer

Der Architekt übergab, wie es Usus ist, die Schlüssel an Leube-Dürr und Tübingens OB Boris Palmer für die Stadt als Schulträgerin. Der Verein der Freunde des Uhland-Gymnasiums bekommt eine Spende von 500 Euro. Und Architektin Petra Stadelmaier spendierte noch ein Bild von der Schule, das sie gezeichnet hat.

Palmer war gestern in Lob-Stimmung. „Wenn Sie nicht so beharrlich für die berechtigten Interessen geworben hätten“, sagte er zu Leube-Dürr, „wäre es nicht zu diesem Tag gekommen“. Die 66-jährige Schulleiterin, die ab August im Ruhestand ist, hatte extra um zwei Jahre verlängert, um das Bauprojekt bis zum Ende zu begleiten.

Palmer erinnerte an die Anfänge. 2009 habe sich der Gemeinderat „auf den Weg gemacht, das Projekt zu stemmen“. Trotz des Konjunktureinbruchs wurde das Elf-Millionen-Projekt im Haushalt berücksichtigt. Das Land gibt aus dem Topf für Schulbauförderung rund drei Millionen Euro dazu. In einem Wettbewerb sei dann eine Lösung gefunden worden, die das alte Gebäude nicht beeinträchtige.

Aber der OB blickte auch in die Zukunft. Wenn die Ausweich-Pavillons der Lindenbrunnen-Schule im Anlagenpark frei werden, könne das Uhland-Gymnasium dorthin ausweichen. Die Rochade verkürzt die Sanierung des Altbaus auf nur ein Jahr. Er hätte Lust, irgendwann Ende 2016 die Fluchtgerüste am Altbau – mit Palmers Worten die „letzten Hinterlassenschaften der DDR“ in Tübingen – mit dem Bagger niederzureißen.

Schüler brachten einst das Holz zum Heizen mit

Heute sei für sie ein „denkwürdiger Tag“, sagte Leube-Dürr, die an die Ursprünge der Lateinschule im 13. Jahrhundert, die Zeit auf dem Schulberg – die Schüler brachten Brennholz mit und putzten selbst – und den Umzug des seit 1855 königlichen Gymnasiums ans Schimpfeck erinnerte. 1901 entstand das Schulgebäude in der Uhlandstraße mit den nach Norden ausgerichteten Klassenzimmern. Die Eltern mussten Schulgeld zahlen: 40 Mark für die Unter- und Mittelstufe, 60 für die Oberstufe. Mädchen kosteten fünf Mark mehr. Als Leube-Dürr in den 1970er Jahren an die Schule kam, wechselten nur um die sieben Prozent der Grundschüler ans Gymnasium, heute liegt die Übergangsquote in der Unistadt bei fast 70 Prozent.

Die Leistung der Architekten honorierte Leube-Dürr, die als erste Frau und Nicht-Altphilologin an der Spitze der Schule stand, mit einem „wow“. Wie zuvor schon Palmer dankte sie allen Beteiligten in der Stadtverwaltung und an der Schule, speziell aber den Handwerkern, die „buchstäblich Tag und Nacht gearbeitet“ hätten. Auch der Umzug sei eine „logistische Leistung“ gewesen.

Eltern haben schon Ideen für den neuen Schulhof

Sieben Schüler/innen der Tübinger Musikschule, die zumeist auch Uhland-Gymnasiasten sind, begleiteten die Feier mit Klezmer-Musik. Dass sie nicht nur hervorragend spielen, sondern auch kurz und amüsant sprechen können, bewiesen drei von ihnen – die neuen Schülersprecher Rebecca Blumenroether, Frieder Walker und Tristan Linder. Sie werden das „Urwald“-Feeling in den trotz der grünen Planen undichten Pavillons nicht vermissen und sie freuen sich auf „die neue Lernumgebung“.

Der Erweiterungsbau am Uhland-Gymnasium ist fertig

Der 11-Millionen-Neubau des Tübinger Uhland-Gymnasiums wurde kurz vor Ferienbeginn feierlich eröffnet.

© Video: Luis Keppler 02:40 min

Auch Elternvertreter Gerd Grohe – als Architekt voll des Lobs für die Arbeit der Kollegen – blickte in die Zukunft. Nach der Sanierung sei „endlich auch Platz für einen Schulhof“. Schüler und Eltern, so sein Versprechen, würden sich nicht nur mit Ideen für dessen Gestaltung einbringen. Bei diesem Versprechen hörte Andrejs Petrowski, der jüngst ins Amt eingesetzte Nachfolger von Leube-Dürr, sicher aufmerksam hin.

Viele der gut 150 Gäste wollten sich ihr eigenes Bild von den neuen Räumlichkeiten machen. Lehrer bewahren ihr Material künftig in Rollcontainern statt in Fächern auf. Es gibt sowohl für sie als auch für die Schüler Stillarbeitsplätze – beispielsweise in der Bibliothek im obersten Stockwerk des Turms, von wo aus es einen Zugang zur großen Dachterrasse gibt. Ein Ort zum Erholen. Der Blick schweift über viel Grün, ob am Neckar oder am Anlagensee.

Schüler und Lehrer, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, können mit dem Aufzug alle Stockwerke erreichen. Sie unterscheiden sich farblich. Die Physik-Etage hat einen grünen Fußboden, der Chemiebereich ist rot, ein markanter Kontrast zu den grauen Fliesen im Flur und den weißen Wänden. Die Ausrüstung der Räume, in denen experimentiert wird, ist vom Feinsten. Auch Kollegen anderer Schulen in Tübingen sahen sich aufmerksam um, inspizierten Schränke, die massig Material fassen, und im Kunstraum die Wasserbecken aus Metall, die sich gut reinigen lassen – anders als diejenigen an ihrer Schule. Da könnte auf die Stadtverwaltung noch mancher Wunsch zukommen.

Das Uhland-Gymnasium feierte mit Gästen die Erweiterung
Karl-Heinz Groh (Zweiter von links), stellvertretender Schulleiter des Uhland-Gymnasiums, blickt mit OB Palmer (links) ins Erdgeschoss auf den Gang neben der Spielhalle. Von dem lichtdurchfluteten Gebäude mit Sicht aufs alte Schulhaus (hinten), den Neckar oder den Anlagensee sind auch der ehemalige Schulleiter Eberhard Bansbach (Dritter von links) und seine Nachfolgerin Ute Leube-Dürr (daneben) angetan.

Die Musikräume im Erdgeschoss sind durch eine Schiebetür voneinander getrennt. Für kleinere Veranstaltungen kann sie geöffnet werden. Auch der Flur im Foyer ist, wie die Eröffnungsfeier zeigte, für mehr als hundert Gäste geeignet. Wer mochte, genoss nach dem Rundgang Getränke, Brezeln und Kuchen in der einladenden Cafeteria.

Die alte Spielhalle ist runderneuert und auch für den (außerschulischen) Sportbetrieb bereit. Was noch fehlt, ist ein ebenerdiger Übergang zur Uhlandhalle, damit Schüler „trockenen Fußes“, wie Leube-Dürr sagte, dorthin gelangen können. Von Neid und Missgunst war bei den Kolleg(inn)en der ehemaligen geschäftsführenden Schulleiterin der Tübinger Gymnasien nichts zu hören. Im Gegenteil: Hanna Sumski vom Carlo-Schmid-Gymnasium erinnerte an die schlechten Bedingungen, die die Schule jahrelang ertrug.

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30.07.2014, 12:00 Uhr

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