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Für den Dialog der Religionen

Das Zentrum für Islamische Theologie stellte sich der Öffentlichkeit vor

Vor fast vier Jahren wurde in Tübingen das Zentrum für Islamische Theologie gegründet – das erste seiner Art. Beim Tag der offenen Tür präsentierte das Zentrum sein Lehrangebot. Uni-Rektor Bernd Engler kündigte die Einrichtung eines „theologischen Campus“ an..

08.06.2015
  • Philipp Koebnik

Tübingen. Rund 150 Interessierte, darunter wenige Studierende, waren am Freitag der Einladung des Zentrums für Islamische Theologie (ZITh) zum Tag der offenen Tür gefolgt. Eigentlich sei es jedoch kein islamisches, sondern ein sunnitisches Zentrum, erklärte Erdal Toprakyaran, der Direktor des Zentrums, auf TAGBLATT-Nachfrage. Da es in Deutschland nur wenige Schiiten gebe und Aleviten zumeist eigene Zentren hätten, werde das ZITh vor allem von sunnitischen Verbänden getragen.

„Ich erinnere mich noch gut an den Tag der Eröffnung vor bald vier Jahren“, sagte Toprakyaran im Festsaal der Uni in der Neuen Aula. Klein habe man im Jahr 2011 angefangen. Heute seien knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ZITh beschäftigt. Die Zahl der Studierenden habe sich vervierfacht – es seien jetzt rund 150. Er dankte der Politik und den muslimischen Verbänden für ihre Unterstützung beim Aufbau der Einrichtung.

„Die politischen Entscheidungsträger haben sich damals aktiv für das Zentrum eingesetzt und dieses Wagnis vorbehaltlos unterstützt“, freute sich der Rektor der Uni, Prof. Bernd Engler. Hauptziel sei es damals gewesen, die islamische Theologie zu akademisieren, sie also auf wissenschaftlicher Grundlage neu zu durchdenken. „Inzwischen ist das hier gelebter Alltag.“

Bald werde das ZITh in ein größeres Gebäude umziehen, so Engler. Wo heute die evangelischen und katholischen Theologen lehren und lernen, solle „ein theologischer Campus“ entstehen. Allein die räumliche Nähe garantiere den Austausch zwischen christlichen und islamischen Theologen. Tübingen sei schon immer ein Ort des interreligiösen Dialogs gewesen, ein solches Zentrum hier also genau richtig. Er sei stolz darauf, dass das bundesweit erste Zentrum dieser Art in der Stadt am Neckar eingerichtet wurde.

Engler wandte sich gegen den Vorwurf, der in der Presse laut geworden sei, wonach das ZITh „funktionärsgetrieben“ sei: „Das stimmt einfach nicht. Wir haben Wissenschaftler in dem Beirat, das sind kompetente Leute.“ Engler zeigte sich zuversichtlich, auch weiterhin finanzielle Unterstützung seitens der Politik zu erhalten. Denn: „Hier wird hervorragende Arbeit geleistet.“

Warum der Islam „heute zu Deutschland gehört“, rief Erdinc Altuntas in Erinnerung. „Vor über 50 Jahren kamen die ersten sogenannten Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland. Sie blieben hier und holten ihre Familien nach. Und sie brachten auch ihre Religion mit nach Deutschland“, so der Vorsitzende des DITIB-Landesverbandes Baden-Württemberg. DITIB ist die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion. Der Gründung des Zentrums seien intensive Gespräche zwischen der Politik und den muslimischen Verbänden vorausgegangen. Diese hätten auf Augenhöhe stattgefunden. „Das war ein wichtiges Zeichen für uns, ernst genommen zu werden“, betonte Altuntas.

Ali Ipek, DITIB-Landesbeauftragter für interreligiöse und interkulturelle Zusammenarbeit, sprach für den Beirat des Zentrums. Dieser sei für Studierende und auch für die interessierte Öffentlichkeit stets ansprechbar. Nicht zuletzt wolle der Beirat sich einmischen, „wenn theologisch falsche Inhalte oder politische Interessen vermittelt werden“ sollten. Es folgte eine Konzerteinlage des Ensembles „Hosh Newa“ – das ist persisch und bedeutet „schöner Klang“. Mit ihrer türkischen Sufi-Musik gaben die Brüder Mehmet und Ali Ungan einen beeindruckenden Einblick in islamische Mystik. An den Ständen im Foyer des Festsaals konnten sich die Besucher über die unterschiedlichen Studiengänge sowie Schwerpunkte der Lehre und Forschung erkundigen.

Manche nutzten die Gelegenheit, um mit den Dozenten oder mit Studierenden aus der Fachschaft ins Gespräch zu kommen. Weiter ging es im ZITh in der Rümelinstraße. Dort informierten Dozenten der islamischen Theologie rund 20 Besucher über das Studienangebot des Zentrums.

Das Zentrum für Islamische Theologie stellte sich der Öffentlichkeit vor
Die wenigen Besucher des ZITh im Gespräch mit Dr. Abdelmalek Hibaoui (zweiter von links). Bild: Faden

Der Bachelor „Islamische Theologie“ dauert am ZITh acht Semester, also zwei Semester länger als andere BA-Studiengänge. Insgesamt zehn Semester dauert der Lehramtsstudiengang „Islamische Religionslehre“ – sechs Semester Bachelor und vier Semester Master. So können Studierende nach Abschluss des BA das Studium beenden, falls sie feststellen, dass sie nicht für den Lehrerberuf geeignet sind.
Außerdem angeboten wird der Master-Studiengang „Islamische Theologie im europäischen Kontext“. Dieser dauert nur ein Semester und somit halb so lange wie andere MA-Studiengänge. Alle Studierenden müssen Arabisch können.

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08.06.2015, 12:00 Uhr

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