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Das blutige Ende einer Silvesterfeier
Traurige Routine: Türkische Polizisten sichern den Bereich um den Club „Reina“ ab. Foto: dpa
Terror

Das blutige Ende einer Silvesterfeier

Das Jahr ist noch keine anderthalb Stunden alt, da sterben bei einem Anschlag in Istanbul mindestens 39 Menschen. Die türkische Opposition macht Präsident Erdogan schwere Vorwürfe.

02.01.2017
  • DPA

Istanbul. Das neue Jahr begann in der Türkei so bitter, wie das alte geendet hat: mit Terror und Toten. Der Istanbuler Club „Reina“ im Ausgehviertel Ortaköy ist einer der größten und berühmtesten der Stadt, er liegt am europäischen Bosporusufer. Bis zu 800 Menschen waren gekommen, um das neue Jahr zu begrüßen.

Gegen 1.15 Uhr wird aus der Party ein Blutbad. Mindestens ein Angreifer dringt in die Disco ein und schießt auf Feiernde. Mindestens 39 Menschen werden getötet, etwa 70 verletzt. Die türkische Regierung spricht von einem Einzeltäter. Medien berichten, der Attentäter sei als Weihnachtsmann verkleidet gewesen. Regierungschef Binali Yildirim dementiert das. Laut Fernsehberichten verwendet die türkische Polizei selbst Weihnachtsmann-Gewänder als Tarnkleidung.

Über den oder die Täter sowie dessen Verbleib ist nichts bekannt. Innenminister Süleyman Soylu sagte, der Angreifer habe seine Waffe unter einem Mantel verborgen und den Club in anderer Kleidung verlassen. Bis zum Redaktionsschluss dieser Zeitung bekannte sich niemand zum Anschlag.

Die Türkei wird seit geraumer Zeit immer wieder von Anschlägen getroffen. Vor drei Wochen sprengten sich Terroristen der Kurdenorganisation TAK in Istanbul in die Luft. Eine Woche später schlug die Gruppe in der Stadt Kayseri zu. Kurz danach wurde der russische Botschafter bei einer Foto-Ausstellung in Ankara erschossen – von einem Polizisten, den die Regierung für einen Gülen-Anhänger hält.

Der Kampf gegen den Terrorismus werde entschlossen fortgeführt, kündigte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ein weiteres Mal an. Die Türkei werde alles Nötige tun, um „die Sicherheit und den Frieden ihrer Bürger zu gewährleisten“. Nur Stunden vor dem Silvesterangriff hielt Erdogan eine Neujahrsansprache, die mit den Worten begann: „Wir lassen 2016 hinter uns und betreten 2017 mit neuen Hoffnungen und Erwartungen.“ Danach warnte der Präsident, die Türkei sei einem „neuen Unabhängigkeitskrieg“ ausgesetzt.

„Die nationale Einheit, territoriale Integrität, Institutionen, Wirtschaft, Außenpolitik, kurz alle unsere Elemente, die uns als Staat aufrecht erhalten, werden scharf angegriffen“, sagte Erdogan. „Terrororganisationen sind nur die sichtbaren Gesichter und Werkzeuge dieses Kampfes. Wir kämpfen im Wesentlichen gegen die Mächte hinter diesen Organisationen.“ Wer diese Mächte sein sollen – dazu machte der Staatschef keine Angaben.

Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu warf der Regierung Versagen im Kampf gegen den Terrorismus vor. Die von Erdogan so bezeichneten „Säuberungen“ in staatlichen Institutionen nach dem Putschversuch dürften nach Ansicht von Experten jedenfalls nicht zur Schlagkraft der Sicherheitsbehörden beigetragen haben. dpa

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02.01.2017, 06:00 Uhr

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