Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Baseball: Trainer Wesley Blunt geht in Richtung Meisterschaft

Das erfolgreiche Experiment

Nachdem die Rückenprobleme immer größer wurden, legte Wesley Blunt (41) den Baseball-Schläger zur Seite – und wurde Trainer der Tübingen Hawks. Nun peilt er den zweiten Aufstieg in Serie an.

20.07.2012
  • Vincent Meissner

Tübingen. Manchmal ist das Baseball-Leben für Wesley Blunt richtig hart. Dann steht er draußen an der Linie, gibt Anweisungen, feuert an – und würde am liebsten doch selbst die Keule schwingen. „Ich vermisse das Spielen sehr“, sagt Blunt. Nach der Saison 2010 ging es jedoch nicht mehr: Blunts Rückenbeschwerden waren wieder gekommen. Vor Jahren hatte er sich bei der US-amerikanischen Armee verletzt. Nun zwangen ihn die Spätfolgen, seine Karriere als Spieler zu beenden.

Für die Hawks ein Glücksfall. In seiner ersten Saison stieg Tübingen aus der Regionalliga auf in die Zweite Liga. Nun stehen die Hawks schon wieder ganz vorne in der Tabelle: „Der Erfolg gibt ihm Recht“, sagt der Hawks-Vorsitzende Bernd Kress.

Dabei war Kress zunächst nicht sicher, ob Blunt der Richtige ist: „Es war ein Experiment.“ Denn Blunt hatte – abgesehen von ein paar Nachwuchs-Teams in den USA – noch nie eine Mannschaft gecoacht. „Insofern sind wir schon ein Risiko eingegangen“, sagt Kress.

Mittlerweile ist der Hawks-Chef voll des Lobes über seinen Übungsleiter: „Er ist mit Herzblut dabei und hoch motiviert.“ Und er gibt vielen Spielern eine Chance. „Auch, denen, die andere nie hätten spielen lassen“, sagt Kress. Als Beispiel nennt er Jonas Pfannebecker: Vorgesehen im Verbandsliga-Team, pitcht der mittlerweile regelmäßig in der Zweiten Liga. US-Amerikaner wie Cody Hohl und Derek Kujat hat Blunt nach Tübingen gelotst. „Das sind Spieler, die er entdeckt hat“, sagt Kress.

Blunt gibt das Lob für das starke Saison-Zwischenfazit an sein Team weiter: „Ich möchte das den Jungs zuschreiben.“ Drei- bis viermal pro Woche trainieren die Hawks. „Das ist mehr, als die anderen Teams“, sagt Blunt, der in Stuttgart-Möhringen wohnt. Obwohl Blunt bei der US-Army war, spielt Blunt auf dem Platz nicht den General, sagt Kress. „Er ist mehr der Kumpeltyp.“ Zu seiner aktiven Zeit spielte Blunt für die Stuttgart Reds, die Herrenberg Wanderers und die Hawks. Schon 2000 war er für eine Saison in Tübingen. 2009 kam er dann als Spieler zurück, bevor er 2011 Trainer wurde.

Einen weiteren Schritt zum Titel kann Blunt mit den Hawks nun bei den beiden Heimspielen am Samstag (13 Uhr/15.30 Uhr) gegen den Tabellensechsten Darmstadt Whippets machen. In der Vorrunde siegte Tübingen 17:4 und verlor 5:8. Deshalb warnt Blunt: „Wir hatten einige Probleme. Das wird nicht einfach.“ Schließlich möchte er, dass das Experiment erfolgreich weitergeht.

Das erfolgreiche Experiment
Jubel bei den Tübingen Hawks und Trainer Wesley Blunt (links). Archivbild: Ulmer

Momentan stehen die Tübingen Hawks ganz vorne in der Tabelle der Zweiten Baseball-Bundesliga Süd. Da sowohl die Regensburg Legionäre (Rang zwei), als auch die Mainz Athletics (Rang vier) Reserve-Teams von Erstligisten sind, können sie nicht aufsteigen. Der einzige ernsthafte Konkurrent der Hawks sind die Neuenburg Atomics als Dritter. Der Zweitplatzierte spielt in der Relegation. Zwar stehen noch fünf Spieltage aus, doch der Hawks-Vorsitzende Bernd Kress sagt: „Die Aufstiegsgefahr ist schon groß.“ Obwohl Kress sein Team gerne wieder in der Ersten Liga schlagen sehen würde, sagt er: „Es wird schwer, die Lizenz-Auflagen für die Erste Liga zu erfüllen.“ Der Grund: Das Stadion der Hawks auf den Reutlinger Wiesen (früherer Franzosen-Sportplatz) ist in seinen aktuellen Ausmaßen nicht erstligatauglich. Der Abstand zwischen Homebase, wo der Schläger des Angriffs-Teams steht, und dem Backstop, dem Fangzaun hinter ihm, muss laut Statuten 18 Meter betragen. In Tübingen sind es 9,50 Meter. Nach hinten kann der Zaun nicht verschoben werden, da die Zuschauer-Tribünen auf einer Beton-Konstruktion stehen. Eine Verlagerung des Spielfelds nach vorne würde den Berechnungen der Hawks zufolge mindestens 30 000 Euro kosten. Geld, das die Hawks nicht haben. Als Tübingen 2007 zuletzt in der Ersten Liga spielte, gab es eine Ausnahme-Genehmigung. Kress hofft, eventuell erneut eine solche zu bekommen. „Doch die Hürden sind hoch.“ Realistische Aussichten auf einen neuen Platz gibt es momentan auch nicht. Trainer Wesley Blunt appelliert an die Stadtverwaltung: „Ich hoffe, dass wir einen Platz im Herzen der Verantwortlichen finden. Es wäre eine Schande, wenn wir den Aufstieg schaffen würden und wegen des Feldes nicht hoch dürften.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

20.07.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball