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Dieses Festival ist Spitze

Das integrative Festival Kultur vom Rande erhält den 1. Landesinklusionspreis

Die Kultur vom Rande hat den ersten Landesinklusionspreis in der Kategorie Freizeit, Kultur und Sport gewonnen. Gestern wurde der mit 15 000 Euro dotierte Preis im Haus des Sports an die überglückliche Festival-Delegation überreicht.

19.07.2014
  • Uschi Kurz

Stuttgart/Reutlingen. Fest damit gerechnet, dass es mit der Auszeichnung klappt, hätten sie zwar nicht, sagte Rosemarie Henes gestern nach der feierlichen Verleihung. Gehofft hätten sie es aber schon, einfach deshalb, weil das Kultur vom Rande-Festival ganz genau in das Profil des Landesinklusionspreises passe: „Ich finde wirklich, dass wir eine gute Arbeit machen, die genau in diese Richtung geht.“ Dass es jetzt sogar ein erster Preis geworden ist, mache sie und ihre Mitstreiter/innen überglücklich.

Mit dem neu geschaffenen Preis sollen Organisationen, Vereine oder Schulen in Baden-Württemberg ausgezeichnet werden, die sich für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen einsetzen. Verliehen wurde der Landesinklusionspreis in den vier Kategorien „Wohnen“, „Freizeit, Kultur und Sport“, „Bildung und Erziehung“ und „Arbeiten“. In jeder Kategorie wurden ein erster Preis (15 000 Euro), ein zweiter Preis (5000 Euro) und ein dritter Preis (3000 Euro) vergeben. Ausgewählt wurden die Preisträger von einer Jury, in der zum größten Teil Menschen mit Behinderungen selbst und deren Angehörige vertreten waren. Insgesamt waren beim Sozialministerium mehr als 250 Bewerbungen eingegangen.

„Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen willkommen sind und selbstverständlich gleichberechtigt teilhaben“, erklärten Sozialministerin Katrin Altpeter, Kultusminister Andreas Stoch und der Landes-Behindertenbeauftragte Gerd Weimer gemeinsam vor 450 Gästen. Darunter auch die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderungen, Verena Bentele.

Ministerin Altpeter sagte: „Die große Zahl der eingereichten Bewerbungen zeigt eindrucksvoll, wie viele Menschen in unserem Land sich schon seit langem dafür engagieren, Inklusion und Teilhabe zu verwirklichen. Sie alle sind Vorbilder und verdienen Anerkennung.“

„Wir haben den Landesinklusionspreis ins Leben gerufen, um all denjenigen zu danken, die dabei helfen, Baden-Württemberg zu einer inklusiven Gesellschaft zu machen. Auch wenn heute Abend nicht jeder der Nominierten einen Preis mit nach Hause nehmen kann, Gewinner sind alle“, so Kultusminister Stoch.

Der Landes-Behindertenbeauftragte Weimer aus Tübingen, der die Auszeichnung und den Scheck an das Kultur vom Rande-Team überreichte, wies darauf hin, dass alle Preisgelder wieder zurück in die konkrete inklusive Arbeit vor Ort fließen: „Alle Gewinnerinnen und Gewinner haben sich bereits bei ihrer Bewerbung damit einverstanden erklärt, mögliche Preisgelder für ihre weitere Arbeit für die Stärkung der Inklusion im Land einzusetzen.“ Gleiches gelte für die insgesamt 38 für den Landesinklusionspreis nominierten Projekte in der Endauswahl, die eine Anerkennung in Höhe von jeweils 1000 Euro erhielten.

Von Reutlingen nach Stuttgart gereist waren neben den beiden Festival-Leiterinnen Rosemarie Henes und ihrer Schwester Prof. Elisabeth Braun, auch der Reutlinger Kulturamtsleiter Werner Ströbele sowie Gabriele Wermeling und Seyyah Inal vom Ensemble des Tonne-Theater. Auf die Frage, was denn das Besondere an Schauspielern mit Behinderung sei, antwortete Inal schlagfertig: „Wir sind einfach gut“, und Wermeling ergänzte „und wir sind immer authentisch“.

Es sei einfach schön, wenn man öffentliche Anerkennung erhalte, freute sich Henes: „Das unterstreicht die Bedeutung des Festivals.“ Das Preisgeld komme gerade recht, betonte sie: „Wir brauchen Eigenmittel für unser neues Kulturbüro“.

Das integrative Festival Kultur vom Rande erhält den 1. Landesinklusionspreis
Kultur vom Rande-Gruppenbild mit dem Landes-Behindertenbeauftragte Gerd Weimer (links im Bild), der gestern die Auszeichnung in der Kategorie Freizeit, Kultur und Sport an die Reutlinger Delegation überreichte. Es freuen sich Kulturamtsleiter Werner Ströbele, Elisabeth Braun (künstlerische Leiterin), Markus Fischer (Lebenshilfe), Gabriele Wermeling und Seyyah Inal vom Tonne-Theater sowie Markus Rank (Bruderhaus-Diakonie) und Rosemarie Henes von Baff (von links nach rechts).Bild: Ministerium

Als die Kultur vom Rande 2000 zum ersten Mal das Zelt auf dem ehemaligen Bruderhaus-Gelände mit Konzerte, Theater, Lesungen, Ausstellungen und Workshops füllte, war das integrative Festival ein Novum im gesamten süddeutschen Raum. Eine Woche lang waren Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung sowie Menschen, die sozial am Rande stehen, die gefeierten Akteure bei diesem Spektakel mit internationaler Besetzung. Der Erfolg des ersten Festivals war so groß, dass es bereits zwei Jahre später eine Fortsetzung gab. Seit 2005 wird Kultur vom Rande alle drei Jahre ausgerichtet. Veranstaltet wird das Festival unter der Schirmherrschaft von Carmel Würth von Baff (Bildung, Aktion, Freizeit, Feste), Lebenshilfe, Bruderhaus-Diakonie, der Fakultät für Sonderpädagogik und der Stadt Reutlingen. Die sechste Auflage des Festivals ist Ende Juni mit weit über 6000 Besucher/innen zu Ende gegangen.

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19.07.2014, 12:00 Uhr

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