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Digitalisierung

„Das ist ein ganz guter Start“

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher begrüßt den Pakt und schlägt weitere Verbesserungen vor.

22.02.2019

Von MATHIAS PUDDIG

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. Foto: Stephanie Pilick/dpa

Berlin. Der Weg für den Digitalpakt ist frei, doch die Digitalisierung der Schulen steht noch an ihrem Anfang. Darauf hat der OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher hingewiesen. „Das ist ein ganz guter Start“, sagte er dieser Zeitung. „Entscheidend ist aber, Lehrkräfte darauf vorzubereiten, die Infrastruktur sinnvoll einzusetzen.“

Schleicher gilt als einer der Väter der Pisa-Vergleichstests, in deren Rahmen zuletzt auch der Einsatz digitaler Ressourcen in den Fokus rückte. Mit bislang uneindeutigen Ergebnissen, wie er sagte. „Wir sehen, dass die Digitalisierung in Deutschland nicht durchgängig zu besseren Ergebnissen führt.“

Der Bundestag hat am Donnerstag mit Zwei-Drittel-Mehrheit die Grundgesetzänderungen beschlossen, die Voraussetzung für den Digitalpakt Schule ist. Erwartet wird, dass im März auch der Bundesrat zustimmt. Einen Tag zuvor hatten sich Bund und Länder im Vermittlungsausschuss auf einen Kompromiss verständigt. Ländervertreter wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) legten nach der Einigung Wert darauf, dass Einfluss des Bundes auf die Bildungspolitik verhindert wurde.

Dabei spielt das laut Experte Schleicher gar nicht die entscheidende Rolle. „Ob Bildungsentscheidungen vom Bund oder von den Ländern kommen, macht für die Schulen nicht so viel aus“, sagte er. Die Frage, ob Schulen Gestaltungsfreiräume haben, sei viel wichtiger. „In Deutschland werden 13 Prozent aller bildungsrelevanten Entscheidungen in den Schulen getroffen. In den Niederlanden sind es 80 Prozent“, sagte Schleicher.

Damit die Digitalisierung der Schulen gelingt, seien zwei weitere Dinge zentral. Die Qualität der Software muss stimmen, was bisher nicht der Fall sei. Zudem müssten die Lehrer weitergebildet werden – und das brauche Zeit.

Ein Problem seien deswegen die vielen Unterrichtsstunden, die die Lehrkräfte leisten müssten: „Lehrer in Deutschland haben jedoch deutlich weniger Zeit für Tätigkeiten, die über den Unterricht hinausgehen, als das in anderen Ländern der Fall ist. Sie werden zwar gut bezahlt und haben gute Arbeitsbedingungen. In Singapur oder Shanghai unterrichten sie aber nur halb so viel.“ Schleicher hält gerade diese beiden Länder für Vorbilder.

Mathias Puddig

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Erstellt:
22. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 06:00 Uhr

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