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Das kleine Paradies vor der Haustür

Rotschwänzchen haben sich bei uns wieder eingenistet. Direkt unter der Haustür. Der ganze Schuhabstreifer war wieder voller Gräser, kleiner Äste. Und sobald jemand in der Tür stand, kam von gegenüber ein giftiges Gekeife.

10.06.2015
  • Ernst Bauer

Die können ganz schön schimpfen, wie die Rohrspatzen, wenn sie ihre Brut bedroht sehen. Aber die Spatzen haben sich, seit die Dachrinne vergittert ist, an der grünen Hauswand einquartiert, im undurchdringlichen Gestrüpp aus Efeu und wildem Wein. Im Spätsommer eine summende Wand – voller Bienen.

Inzwischen kann ich auch eine Elster von einer Bachstelze unterscheiden. Journalisten haben da manchmal so ihre Schwierigkeiten, wenn es um die heimische Flora und Fauna geht. Habe mir jetzt extra den kleinen Kosmos-Tier- und Pflanzenführer zugelegt, empfohlen auch vom Nabu – und staunend festgestellt, wie viele bunte Kräutlein auf den Wiesen hier zu finden sind: Teufelskralle, Leinkraut, Lupine, Bocksbart, Barbara-Kraut; was zwischen Ammer- und Steinlachtal an wundersamen Wesen so alles kreucht und fleucht.

Zum Beispiel der gewöhnliche Schaufelläufer, der mir jetzt an der Sebastiansweiler Straße über den Weg lief. Oder das Mausohr, das uns jüngst am Sonntagabend um die Terrasse und Köpfe herumschwirrte. Im Pfingstwasen flog mir eine Bachstelze direkt vor die Füße, beim Nordic Walking im Süden des Landkreises; so, als wollte sie mir sagen: Hier geht’s geradewegs ins Paradies. Dabei ist, für mein Gefühl, die Pforte zum Garten Eden in dieser Gegend etwas mehr in Richtung Kurklinik gelegen: Was für ein wundervolles grünes Tor, das da vom Gehweg am Bästenhardtwald aus hinein in die Lichtung führt, zur alten Schwefelquelle, zum historischen Trinkpavillon. Leider muss der Wanderer momentan etwas darben. Das Wasser im Paradies ist abgestellt.

Ein pittoreskes Fleckchen ist auch der „Alte Morgen“, wo es hinaufgeht zum Dreifürstenstein, hinüber zum Kornbühl. Ein Hügel, der einem die Himmelfahrt des „Ehne“ oder, bei längerem Sinnieren, auch Ernst Bloch ins Gedächtnis ruft: ein Ort, der aus der Kindheit vorscheint, bewacht von einem steinernen Klausner, scharenweise Schwalbenschwänze habe ich dort schon entdeckt. Mich an Mutters Heimweh erinnert. Heimat.

Den Buchfink kenne ich nun auch, der singt sogar in der Tübinger Uhlandstraße abends sein Lied: „Ich-ich-ich bin der Bräutigam!“, schmettert dieser unermüdliche Sänger aus voller Brust, mit überschlagender Stimme.

Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh’n? Bei uns musst du nur auf die Terrasse treten: Die vor zwei Jahren in Reutlingen erworbene Matisse-Rose lässt ein bisschen den Kopf hängen, auch das „Tränende Herz“ hat sich ausgeweint. Aber dieser Strauch, der oben unterm Dach überwintert hat und auf dem Transport abwärts schon einen Zweig mit Früchten abwarf, wird uns den ganzen Sommer über Vitamine bescheren: 39 Zitronen hängen daran.

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10.06.2015, 12:00 Uhr

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