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Ryanair

„Das können wir uns gar nicht leisten“

Sozialdumping oder faires Gebaren? Bei der Airline hält die Diskussion um die Arbeitsbedingungen an.

07.12.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Ralf Müller ist sauer. Der Betriebsratsvorsitzende von Lufthansa Cargo in Frankfurt wirft Stefan Schulte, Vorstandschef des Flughafenbetreibers Fraport vor, mit dem irischen Billigflieger Ryanair, der ab März 2017 von Frankfurt aus abheben wird, die Tür für prekäre Arbeitsverhältnisse in Frankfurt und so auch bei der Lufthansa zu öffnen. Ryanair steht seit Jahren in der Kritik, weil es Piloten und Flugbegleiter angeblich nicht nur unterdurchschnittlich bezahle, sondern Sozialdumping betreibe. Diesen Vorwurf hat unlängst Ilja Schulz, Präsident der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) in Berlin, vor Parlamentariern bekräftigt.

Fluggesellschaft wehrt sich

Ryanair-Personal-Vorstand Eddie Wilson weist die Vorwürfe entschieden zurück: „Ryanair bietet wettbewerbsfähige Gehälter und Arbeitsbedingungen. Alle Sozialangaben werden bezahlt. Etwas anderes können wir uns gar nicht leisten“, sagt er. „Bei uns gibt es kein Sozialdumping“. Ein Flugkapitän bei Ryanair verdient Wilson zufolge zwischen 125 000 und 160 000 EUR im Jahr, bei einem Co-Piloten seien es 65 000 EUR. Und dies bei weniger als 19 Flugstunden pro Woche.

Anderen Angaben zufolge wurde zumindest 2014 in Europa bei Ryanair am wenigsten bezahlt: Für Co-Piloten 25 000 EUR, für Piloten maximal 85 000 EUR. Flugbegleiter kämen, sagt Wilson, auf 20 000 bis 25 000 EUR und dies bei meist 19 Flugstunden pro Woche und im Schnitt 12 Arbeitstagen im Monat.

Ufo: Prekäre Verhältnisse

Bei der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo spricht man von den „prekärsten“ Arbeitsbedingungen bei einer Airline in Europa. „Ein in Deutschland lebender und arbeitender Ryanair-Flugbegleiter in Vollzeitanstellung erhält ein Bruttojahresgehalt zwischen 11 000 und maximal 18 000 EUR“, sagt Ufo-Chef Alexander Behrens. Es gebe keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und keine Beitragszahlungen zur Renten- und Sozialversicherung. „Sozialdumping ist zu einer Strategie von Unternehmen geworden, um Gewinnmaximierung auf Kosten der Arbeitnehmer zu betreiben“, sagte VC-Präsident Schulz unlängst mit Blick auf Ryanair.

Wilson hält dagegen: Im April dieses Jahres habe Ryanair für alle Berufsgruppen einen bis 2021 laufenden neuen Haustarifvertrag abgeschlossen. Nach Gewerkschaftsangaben beschäftigt Ryanair aber nur 34 Prozent der Piloten direkt, 30 Prozent über Zeitarbeitsfirmen und Dritt-Firmen, der Rest sei selbstständig. Wilson spricht von 65 Prozent fest angestellten Piloten, 20 Prozent kämen von Dienstleistungsfirmen. Rolf Obertreis

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07.12.2016, 06:00 Uhr

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