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Kommentar Mensaneubau

Das missverstandene Baudenkmal

Die Mensa von Paul Baumgarten an der Wilhelmstraße bleibt stehen. Ein Herzstück des Uni-Campus, ein seltenes und herausragendes Tübinger Beispiel der Nachkriegsmoderne vor dem Abriss gerettet: Die Bürgerinitiative kann sich zugute halten, dass ihre Argumente stärker überzeugten als der große (mittlerweile stark abgespeckte) Wurf der Campus-Planung. Doch der Respekt vor einem qualitätvollen und deshalb auch denkmalgeschützten Gebäude ist nur die eine Seite. Die andere ist die städtebauliche.

24.07.2012
  • Ulrike Pfeil

Die Mensa Wilhelmstraße bildet zusammen mit der Universitätsbibliothek einen frequentierten Platz, einen beliebten Aufenthaltsort, der selbst die Wilhelmstraße mit ihrem Verkehr aushält. Das Besondere am Mensagebäude ist seine Durchlässigkeit. Man kann nicht nur unter dem Südflügel hindurch zur Naukler- und Sigwartstraße Richtung Kupferbau (ebenfalls von Baumgarten) gehen; das Gebäude selbst ist mit seinen riesigen Fensterscheiben durchsichtig und durchscheinend – ein Effekt, der es für eine offene und öffentliche Nutzung prädestiniert.

Etwas Besseres als eine Mensa wird einem dafür kaum einfallen. Die Transparenz ginge bei den unvermeidlichen Einbauten für ein Uni-Institut verloren, das Baudenkmal wäre komplett missverstanden. Denken könnte man an eine Nutzung als Studenten-Clubhaus (das bestehende ist ohnehin zu klein), schon schwieriger wird es mit einem Uni-Museum: Ausstellungsgegenstände sind meist lichtempfindlich.

Ob aber ein neuer Mensabau, der auch noch Service-Zentrum sein soll, auf engem und abfallendem Grundstücksfenster zwischen Hölderlin- und Sigwart straße die gleiche Aufenthalts-Attraktion wie die bestehende Mensa entfalten wird, ob er mit seinen Gegenübern, dem Kupferbau und dem gerade aufgewerteten Paläontologischen Museum, in einen Dialog tritt wie jetzt Mensa und UB, bleibt zumindest fraglich. Ungeklärt ist noch die künftige Verkehrsführung um diese Ecke herum, und ebenso, wo die Anlieferungslaster das Gebäude anfahren sollen. Am Uni-Klinikum auf dem Schnarrenberg kann man gut studieren, wie es aussieht, wenn die Zugangsseite von Service- und Logistik-Bauten geprägt wird. Einladend ist anders.

Man sollte sich also daran erinnern, dass bei der Entscheidung für den neuen Standort der Mensa keine städtebaulichen Kriterien den Ausschlag gaben, sondern allein finanzielle: Uni, Bauverwaltung und Ministerium scheuten die Organisation und die Kosten einer Behelfslösung, die bei der Sanierung notwendig geworden wäre. Auch dieses Dilemma ausgerechnet zu Zeiten, wo starke Studentenjahrgänge an die Uni drängen, wäre allerdings vermeidbar gewesen: Wenn die Landesbaubehörde sich frühzeitig zum Erhalt der Mensa bekannt hätte, anstatt den Küchentrakt vor sich hin rotten zu lassen und auf den Abriss des Gebäudes zu spekulieren.

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24.07.2012, 12:00 Uhr

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