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Kreis-Kleinode und Geschichten

Das neue Jahrbuch des Landkreises ist erschienen, eine illustrative Sammlung von Schlaglichtern

Seit vergangenen Samstag ist das neue Jahrbuch 2016 des Landkreises Freudenstadt als Buch- und Bildband im Verkauf. Am Freitag war die Buchvorstellung in Vesperweiler im Beisein vieler Autoren, Mitgestalter und Fotografen. Auch dieser neue Band, fast 170 Seiten stark, wirft wieder interessante und anregende Schlaglichter auf Besonderheiten, Zeitläufte und Menschenschicksale im Kreisgebiet.

24.11.2015
  • Siegfried Schmidt

Vesperweiler. Es ist Usus geworden, dass Mitte/Ende November ein neues Jahrbuch, eine Art weitgespannte Chronik aus Jahresgeschehen, Jubiläumsanlässen, Geschichten und Projektbeschreibungen, in Druck geht. Geschrieben und fotografiert von freien Autoren, kompiliert und redaktionell ediert von einem bewährten und findungsreichen Team um Kreisarchivarin Dr. Renate Karoline Adler.

Die Präsentation des jeweils aktuellen Jahresbandes findet gewöhnlich an einem Ort statt, der selbst Gegenstand der Deskription ist. Heuer war es die historische Mönchhofsägmühle in Vesperweiler, weit über ein halbes Jahrtausend alt und dieses Jahr sogar Mittelpunkt des nationalen, des Deutschen Mühlentags.

Nach der obligatorischen Mühlen-Führung durch „Müller“ Uwe Schittenhelm würdigte Landrat Dr. Klaus Michael Rückert die Jahrbuch-Neuerscheinung, und die Jahrbuch-Chefredakteurin Renate Adler unternahm wie immer ihren kursorischen Streifzug durch das farbig bebilderte und themenpralle frische Druckwerk.

Für den Landrat und Herausgeber stellt das Jahrbuch ein Kompendium an „Geschichte und Geschichten“ dar, es repräsentiert „ganz bewusst keinen Rechenschaftsbericht“ aus Amtsvorgängen und Kreispolitik. Vielmehr trage der Band dazu bei, dass der Landkreis Freudenstadt Konturen gewinnt und „ein Gesicht“ ausformt, sagte Rückert vor den geladenen Gästen in der heimeligen Mühlenstube.

Wesentliches, konstituierendes Merkmal dabei ist die schiere „Breite des (Story- und Dokumentations-) Angebot“, das da zwischen zwei Buchdeckeln versammelt ist. Titelthema des 2016-er-Bands sind die Feldscheunen, ein ebenso ländlich typischer wie malerisch-historischer Bestandteil der hiesigen Kulturlandschaft. Wilhelm und Elke Glaser haben diese unscheinbaren, aber dennoch prägenden bäuerlichen Landmarken aufgesucht, sie kulturhistorisch durchleuchtet und etliche dabei fotografisch festgehalten.

Die „besonderen Gebäude“ sind der Jahrbuch-Redaktion mit Renate Adler, Margarete Nübel, Lisa Marsh und Hans Stahl schon immer ein wichtiges Kapitel wert. So auch in der neuen Publikation, die eine Abhandlung über das in Restaurierung befindliche Biedermeier-Kleinod Platzmeisterhaus Christophstal ebenso enthält wie die Wandelgeschichte der alten Baiersbronner Skifabrik Morlok zum Kinderhaus „Luftikus“ oder Aspekte der Neurenovierung der Freudenstädter Taborkirche.

Eine jammervolle Missetat, die zu Trauer und verständnislosem Zorn zu gleichen Teilen Anlass gibt, bildet die Kulturschatz-Vernichtung von Loßburg-Rodt, wo die Gemeinde das Breuninger-Hofgut und das Ferienheim des Stuttgarter Kaufhausgründers – beides „landschaftlich zu einer (ausdrucksvollen) Einheit zusammengefasst (gewesen)“ und ortsgeschichtlich von unschätzbarem Wert – in diesem Jahr schleifen ließ. Es zeugt von der redaktionellen Unabhängigkeit, dem Mut der Themengestalter und der Offenheit der Jahrbuch-Agenda, dass dieser kulturhistorische Frevel in der gemilderten Schärfe einer aufschlussreichen Rückerinnerung vierseitig Aufnahme gefunden hat.

Bauliche Schätze bilden auch die Eckpfeiler weiterer Buchkapitel: So die besagte Sägmühle, deren geschichtlicher Verlauf und geglückte Rettung unter Vermischtes „aus dem Landkreis“ aufgeblättert wird, oder das einzigartige Barockschloss in Nordstetten, das als „Geschichte ausgraben“-Fundsache weiter hinten im Buch äußerst kundig und inhaltsvoll erzählt wird. Auch die Bienenhaltung-Bestandsaufnahme aus dem Kreis lehnt sich ans Bauten-Thema an, wenn Bienenstände an Waldrändern und auf Streuobstwiesen gesammelt vorgestellt werden.

Flüchtlingsschicksale, sie sind Teil der aktuellen Nachrichtenlage und auch im Jahrbuch ein inhaltlicher Schwerpunkt. Ein persönlicher Besuch bei den Aacher Asylbewerbern wird ebenso berichtet wie Auszüge aus einer Tagebuch-Chronik von drei vertriebenen Frauen vom Ende des Zweiten Weltkriegs. Hans Gohr vermittelt als Zeitzeuge das Fluchtschicksal seiner Familie, basierend auf dem Tagebuch der Mutter und ausgehend vom Herrensitz an der Oder.

„Geschichte ausgraben“ gibt den Blick frei auf besondere Orte und historische Begebenheiten. Über den Gipsstollen in Untertalheim und seine Geheimnisse reportiert Anton Klink. Dass es in den 20-er Jahren einmal Pferderennen am Nordrand von Freudenstadt gegeben hat, das dürften auch nur wenige lokalhistorisch Eingeweihte wissen. Von einem „vergessenen Zugunglück“ auf dem Grüntaler Viadukt wird ebenso berichtet wie von einer aufgetauchten Zeichnung des Malers und Bildhauers Hans Baldung Grien von der Kapelle im Zinsbachtal. Das Rötenbacher Flecken- und Stabslagerbuch von 1755, ein wirtschaftliches und sozialgeschichtliches Zeitzeugnis, stellt der Leiter des Alpirsbacher Heimatmuseums vor.

40 Jahre Volkshochschule, Schwabenalter auch beim Kreisblasmusikverband, dann gar zwei „schlimme Geschichten“ von Totschlag und Brandstiftung vor 100 Jahren in Eutingen oder von einem Steuer-Unterschlagungsfall aus Horb – das Jahrbuch bietet allerhand Lesestoff für weitläufig Interessierte.

Eine Rubrik bleibt jedes Jahr den Schülern vorbehalten. Heuer haben sich die jungen Heimaterkunder der Baiersbronner Realschule auf die Spur der geheimnisvollen Karseen begeben. Sie haben dabei nicht nur Motive dieser Naturoasen künstlerisch umgesetzt, sondern auch, von den Eiszeit-Seen inspiriert, eigene Sagengeschichten dazu verfasst.

Der Kreis-Jahrbuch 2016 ist im Buchhandel erhältlich

Das Jahrbuch Landkreis Freudenstadt 2016, herausgegeben vom Landratsamt Freudenstadt und gedruckt bei Geigerdruck in Horb, ist wiederum zum Preis von 9.90 Euro ab sofort im Buchhandel und im Landratsamt erhältlich.

Zahlreiche freischaffende Autoren aus dem Kreis haben darin mitgewirkt.

Der Vertreter des Verlags- und Druckunternehmens lobte die „vielen bemerkenswerten Artikel“ auf den knapp 170 Seiten chlorfrei gebleichten Papiers, dem Leser würden so „die Augen für die Besonderheiten des Landkreises Freudenstadt geöffnet“.

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24.11.2015, 01:00 Uhr

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