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Bekenntnis zu Werten

Das offizielle Rottenburg gedachte des NS-Gegners Eugen Bolz

Gegen Fundamentalismus jeglicher Couleur, aber auch für das Bekenntnis zur Werten und Überzeugungen hat sich Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher am 66. Jahrestag der Ermordung von Eugen Bolz ausgesprochen.

24.01.2011
  • willibald Ruscheinski

Rottenburg. Weil der 23. Januar auf den Sonntag fiel, gedachten Stadt und Kirche des NS-Gegners und Rottenburger Ehrenbürgers im Anschluss an die sonntägliche Messe in St. Moriz, Bolz‘ Taufkirche. Vor an die 200 Besuchern – darunter auch Enkeln Eugen Bolz‘, einigen Gemeinderäten, Weihbischof Johannes Kreidler und katholischen Verbindungsstudenten – erinnerte schon Moriz-Diakon Andreas Weiss in seiner Predigt an Bolz und dem mit ihm 1945 als Widerstandskämpfer hingerichteten oberschwäbischen Zentrumspolitiker Reinhold Frank. Beide hätten ihr Leben „ganz bewusst für eine Überzeugung eingesetzt, die vom Glauben geprägt war“.

Eine Bläsergruppe der Stadtkapelle umrahmte musikalisch die anschließende Feierstunde. Ehe er einen Kranz vor der Büste des ehemaligen württembergischen Staatspräsidenten niederlegte, versuchte Oberbürgermeister Stephan Neher Lehren aus der Vita Bolz‘ zu ziehen. Die Erinnerung an ihn solle „immer wieder vor Augen führen, dass nur durch Wachsamkeit und die stete Verteidigung demokratischer Spielregeln die Freiheit erhalten werden kann.“

Eugen Bolz habe aus christlicher Überzeugung gehandelt und dabei das Gemeinwohl in Auge behalten. Fundamentalisten hingegen – „egal, ob religiös oder ideologisch geprägt – gehe es um Anderes, sagte Neher: Sie seien überzeugt, „allein im Besitz der Wahrheit vom Sinn menschlicher Existenz zu sein und vom Weg, der zur Erfüllung dieses Wegs führt.“ Ausdrücklich bekannte sich Neher vor diesem Hintergrund zur weltanschaulichen Neutralität des Staates.

Und zum Dialog mit anderen Religionen, auch dem Islam. „Jeglicher pauschal geäußerte Fundamentalisten-Verdacht behindert diesen Dialog“, sagte der OB. Und zitierte den früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, laut dem Toleranz dort beginne, wo man Überzeugungen anderer respektiere, auch wenn man sie nicht teile.

Werte und Überzeugungen brauche aber gerade der demokratische Staat, so Neher. Mit Rau plädierte er für eine „Gesellschaft, die im Menschen mehr sieht als Teilnehmer am Wettbewerb, als Konkurrenten um Arbeitsplätze und Marktchancen oder als bloße Konsumenten von Gütern.“ Nur so lasse sich ein gesellschaftliches Klima erzeugen, das „Beliebigkeit und Fundamentalismus zurückdrängt“.

Das offizielle Rottenburg gedachte des NS-Gegners Eugen Bolz
Seit zwei Jahren legt Oberbürgermeister Stephan Neher den Gedenk-Kranz für Eugen Bolz nicht mehr vor der Gedenktafel am Eingang, sondern in der Morizkirche selbst vor einer Bronzebüste Eugen Bolz‘ nieder.

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24.01.2011, 12:00 Uhr

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