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Einmal Dschungel und zurück

Das unglaubliche Leben des Walter Freiwald

Als arbeitsloser "Mr. Teleshopping" und gefallener Gute-Laune-Bär war er in das Dschungelcamp gezogen, als fieser Lügen-Walter kam er heraus. In seinen Memoiren schlägt Walter Freiwald jetzt zurück.

09.11.2015
  • FRANK CHRISTIANSEN, DPA

Meerbusch Privat und beruflich war Walter Freiwald (61/"Der Preis ist heiß") am Boden, machte daraus keinen Hehl. Seine Frau Annette kämpfte gegen einen Hirntumor, er sagte deswegen seinen neuen Job ab, fand dann zwei Jahre lang nichts Neues. Anfang 2015 zog Freiwald ins RTL-Dschungel-Camp ("Ich bin ein Star, holt mich hier raus!"), er brauchte dringend ein Comeback. Was sich dann abgespielt hat, sagt er, habe er im ganzen Ausmaß erst realisiert, als er nach drei Wochen wieder draußen war.

"Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich draußen als ,Krawallter' vermarktet wurde", sagt Freiwald. Er habe wirklich nicht gewusst, dass er in Deutschlands quotenstärkster Show den bösen Fiesling gab, zum gefundenen Fressen für die Hasstiraden-Gemeinde im Internet geworden war.

Seine Frau ist derweil von Paparazzi belagert worden. Sie lebte in Meerbusch bei Düsseldorf hinter abgeklebten Fenstern, sagt sie. "Wir haben uns hier verschanzt."

Aus Freiwald (61) war Freiwild geworden, er bekam Morddrohungen und - zurück in Deutschland - Personenschutz: "Die Polizei ist hier wochenlang Streife gefahren."

Inzwischen haben sich die Wogen geglättet, die Folien sind von den Fenstern verschwunden, doch nun rechnet Freiwald in seinen Memoiren ("Frei Schnauze und mit einem Augenzwinkern") ab - mit den Boulevard-Kampagnen, mit Hass-Kommentatoren und Shitstorms in den sozialen Netzwerken. "Das ist Krieg, das haben wir so nicht einkalkuliert."

In mehr als 123 000 Twitter-Tweets und Facebook-Kommentaren ging es um Freiwald, hat eine Mediaagentur später festgestellt. Kritiker sagen, er habe sich das selbst zuzuschreiben, er habe gegen seine Mitcamper kräftig ausgeteilt, er kannte das Format, die Spielregeln, hatte Erfahrung aus über 30 Jahren im Mediengeschäft.

"Ich bin 'ne Rampensau, na klar", sagt Freiwald. Das Ausmaß des Hasses auf seinem Facebook-Profil und seiner Homepage habe ihn trotzdem entsetzt. "Ich wurde als Pädophiler beschimpft, verhöhnt, wegen meines Körpers niedergemacht. Diese perverse Art - das ist gefährlich, was da im Netz passiert." Er sagt, er hätte "1000 Menschen und zig Zeitungen verklagen können."

Während seine Familie vollauf damit beschäftigt war, Hass-Kommentare zu löschen ("Wir mussten jeden Post lesen"), lieferte Freiwald fleißig Vorlagen am Fließband: Dass er sich der SPD als Bundespräsidenten-Kandidat angedient hatte, dass Thomas Gottschalk ihm seinen Job bei "Wetten, dass . . ?" angeboten habe. Bevor seine Urwald-Anekdoten bestätigt wurden, war er schon "Flunker-Freiwald".

Dabei hat der gebürtige Ostfriese viel erlebt: Eine harte Kindheit mit viel Prügel und wenig Liebe im Ruhrpott ("Walter, du kannst nix."), eine Jugend als langhaariger Ausreißer, in der sich ein Sexualverbrecher an ihm verging, schließlich seine Zeit als Privatradio-Pionier unter Frank Elstner (Elstner: "Sind sie eigentlich noch bei Trost?") in Luxemburg - in einer 2er-WG mit Hugo Egon Balder.

Helmut Markwort holte ihn nach München, wo er Star-Moderator von Radio Gong wurde. Freiwald durfte sich austoben, verursachte Menschenaufläufe und ein Verkehrschaos, moderierte vor 20 000 Menschen im Olympiapark.

Mit "Der Preis ist heiß" schaffte Freiwald den Sprung ins Fernsehen. Er war Aufwärmer, Ansager, Sidekick und Show-Clown in einer Person. Schließlich wurde er Deutschlands bekanntester Teleshopping-Verkäufer, schwatzte den Shoppingsendern die Lager leer, verlor auf einem Vibrationsgerät seine Hose und bei "TV total" den "Goldenen Raab" an einen Schimpansen.

Das Ego verletzt, der Ruf ramponiert, aber vom Dschungel-Camp ist Freiwald nicht kuriert. Er würde sofort wieder einchecken, sagt er. "Jetzt weiß ich ja, wie es läuft. Ich bin nur stinkig, dass ich das nicht erfunden habe."

Das unglaubliche Leben des Walter Freiwald
Aus ihm wurde Freiwild, erzählt er: Walter Freiwald. Foto: dpa

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09.11.2015, 12:00 Uhr

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