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Frisch gepresst und heiß geliebt

Das vierte Apfelfest in Betzingen lockte viele

Kurz vor dem Wetterumschwung hat die Sonne am Samstag noch einmal das vierte Apfelfest des Gewerbeverbands Betzingen verwöhnt. In der Steinachstraße drehte sich alles um Äpfel und Streuobstwiesen, aber auch die Unterhaltung kam nicht zu kurz.

08.10.2012
  • Kristina Detemple

Betzingen. Der Turm aus dreizehn aufeinandergestapelten Getränkekisten wackelt bedenklich, als ein wagemutiger Jugendlicher mit Helm sich vorsichtig auf der Spitze bewegt, um eine weitere Kiste darauf zu stapeln. Die Szene erinnert an „Wetten, dass...?“. Außer der Feuerwehr Betzingen scheint auch sonst der halbe Ort auf den Beinen zu sein beim Apfelfest.

Bei strahlendem Sonnenschein lockt die festliche Steinachstraße im Ortskern mit Spielen, Vorführungen und Gastronomie rund um den Apfel Besucher aller Altersklassen an. Die Zeltgarnituren sind um die Mittagszeit gut gefüllt, Reibekuchen mit Apfelmus sind genauso gefragt wie Waffeln, Crêpes und natürlich die unterschiedlichen Getränke aus Äpfeln.

Gleich am ersten Stand kann „Feines von Reutlinger Streuobstwiesen“ gekostet werden: für Kinder gibt es Bio-Apfel-Birnen-Saft, Erwachsene genehmigen sich auch einen Schwäbischen Most oder einen Edelbrand. Das Projekt informiert nebenbei über traditionell bewirtschaftete heimische Streuobstwiesen.

Ein paar Meter weiter im Trubel ist Petra Siegel ins Gespräch vertieft. Am ansprechend gestalteten Stand der Gartenbaumschule Schlotterbeck präsentiert sie eine kaum überschaubare Anzahl an Apfel- und Birnensorten, die von den Festbesuchern probiert werden können: Roter Berlepsch liegt neben dem Glockenapfel, die Birnensorte Gräfin von Paris leistet der Guten Luise Gesellschaft.

„Alte Sorten dürfen nicht verloren gehen“, sagt Fachfrau Siegel. Allerdings gibt es auch zahlreiche neue Sorten, die nicht so bekannt sind, wie sie es verdient hätten. Etwa „Re-Sorten“, die besonders krankheitsresistent sind. Die für die Region typischen Streuobstwiesen prägen nicht nur das Landschaftsbild, sie sind auch ökologisch wertvoll – als Lebensraum für viele Tiere und andere Pflanzen.

Wie steht es denn um die heimischen Streuobstwiesen? Petra Siegel ist der Ansicht, nicht schlecht, aber leider wüssten Wiesenbesitzer manchmal nicht genau, wie sie die Bäume pflegen müssen – etwa, weil sie die Wiese geerbt haben. Doch die Beschäftigung damit lohnt sich, denn wenn die Apfel-, Birn- und Kirschbäume korrekt geschnitten und gepflegt werden, tragen sie länger und mehr. Nicht zurück geschnittene Bäume werden leichter krank, ihre Äste brechen unter der Last der Ernte ab. Dabei ist ein Alter von 30 Jahren für einen solchen Obstbaum keine Seltenheit.

Das Reutlinger Landratsamt bietet alle zwei Jahre Schnittkurse an. Wichtig, sagt Siegel, sei auch, sich zu fragen, ob die Äpfel einfach nur als Tafelobst gegessen werden sollen oder ob Mosten und Brennen infrage kommt. „Das ist gar nicht so schwer!“, ermutigt Siegel den interessierten Apfel-Laien.

Auf der anderen Straßenseite sind Kinder damit beschäftigt, Äpfel zu pressen und den wohl frischesten Apfelsaft, den es gibt, herzustellen. Das sieht nicht schlecht aus – und riecht gut! Ein Mädchen, in seine Bastelarbeit vertieft, ist davon unbeeindruckt: Es bemalt Apfelhälften mit roter, grüner und gelber Wasserfarbe. Mit diesen Stempeln bedruckt es eine Baumwolltasche – und nimmt eine bleibende Erinnerung an diesen erlebnisreichen Spätsommertag in Betzingen mit nach Hause.

Das vierte Apfelfest in Betzingen lockte viele
Apfelsaft selbst gemacht: Kinder pressen ihren Drink beim Betzinger Apfelfest mit eigener Muskelkraft.Bild: Haas

Auch in der Reutlinger Pomologie ist rund um den Apfel gefestet worden: Das „Kaffeehäusle“ bot zum zweiten Mal das passende Ambiente für einen Nachmittag im Zeichen des Apfels. Und des Miteinanders, denn hier arbeiten Behinderte und Nicht-Behinderte gemeinsam, hauptamtlich und ehrenamtlich. „Die Mischung macht’s“, ist der Slogan des anheimelnden Café-Betriebs in Trägerschaft der Lebenshilfe Reutlingen. Rosemarie Henes von BAFF/Feder erklärt die Idee: „Wir schaffen den Rahmen für Begegnungen. Hier können Menschen unbeschwert in Kontakt kommen.“ Das Konzept geht auf, die Innenräume des Cafés sind voller Gäste, Terrasse und Garten ebenso. Besonders Familien mit Kindern finden hier eine bunte Oase. Apfel-Tiramisu und Apfelkuchen versüßen den Nachmittag, die Luft schwirrt von Gesprächen und Lachen. An diesen Ort zu kommen, lohnt sich nicht nur bei Festen.

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08.10.2012, 12:00 Uhr

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