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Kommentar

Das wäre auch einfacher gegangen

Das ist noch einmal gut ausgegangen für die acht Redaktionsmitglieder der Abizeitung des Isolde-Kurz-Gymnasiums: 100 Euro jeweils als Spende an ein soziales Projekt ihrer Schule – da hatten die Jugendlichen im Vorfeld ganz andere Konsequenzen befürchten müssen, obwohl sie die beanstandeten Worte gar nicht selbst verfasst hatten.

20.11.2012
  • Thomas de Marco

Denn wer weiß, wie das Gericht das beurteilt, was die Schülerinnen und Schüler als Insider-Spässchen verstehen oder was ihnen in ihrem Jargon gar nicht als beleidigend auffällt. Es steht außer Frage: Was in den Abizeitungen landläufig so abgedruckt wird, das ist häufig mehr als grenzwertig. Die von der Klägerin beanstandeten und anonym für die Rubrik „jeder über jeden“ abgegebenen Passagen sind da im Vergleich noch nicht einmal die schlimmsten Charakterisierungen. Attribute wie „einfach nur behindert“ hätten gestrichen werden müssen – auch wenn sich die Schüler selbst immer wieder so bezeichnen und Anwalt Benjamin Chiumento darauf verwies, dass es sich nicht um eine Seniorenpostille handelt.

Klägeranwalt Alexander Schick verwies nicht zu Unrecht darauf, dass auch Eltern und weitere Verwandte eine solche Zeitung lesen, weshalb ein schwerwiegender Eingriff ins Persönlichkeitsrecht vorliege. Doch dass durch die öffentliche Wirkung dieses Falles, den im Übrigen das TAGBLATT am 9. Juli publik gemacht hatte, eine Beeinträchtigung über den reinen Schülerkreis hinaus entstanden sei, diesen Vorwurf akzeptierten weder die Anwälte der beklagten Redaktionsmitglieder noch Richter Georg Schneider.

Es sei fraglich, ob es nicht kontraproduktiv war, das Verfahren anzustrengen, sagte der Richter. Ob die klagende Schülerin so ins Rampenlicht wolle, hätte man sich vorher überlegen müssen, erklärte Anwalt Thomas Ziegler. Das Verfahren mache die Sache noch schlimmer, pflichtete sein Kollege Ronald in der Stroth bei und warf der Klägerin vor, hier gehe es nur um Geld – „sonst um nichts!“ Wobei der Richter die 4000 Euro Schmerzensgeld als weit überhöht einstufte.

Nein, ums Geld gehe es seiner Mandantin nicht, betonte Klägeranwalt Schick, „wir lassen uns gerne runterhandeln“. Weshalb er und die von ihm vertretene Schülerin ohne lange Worte mit dem Vergleich ebenso einverstanden waren wie alle Beklagten. „Ich bin erleichtert“, sagte Michelle Bucher stellvertretend für ihr Redaktionsteam. Schließlich hatte sie im Vorfeld befürchtet, dass bei negativem Ausgang andere Abiturienten vielleicht auch Interesse an Schmerzensgeld bekundet hätten. Da die Beklagten wahrscheinlich Prozesskostenhilfe bekommen und für das Verfahren dann nicht bezahlen müssen, dürfte es für sie sehr glimpflich enden. Und auch die Klägerin selbst war hinterher froh, „dass es jetzt vorbei ist“. Es wäre freilich auch weit einfacher gegangen.

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20.11.2012, 12:00 Uhr

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