Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Interview mit Seismologe Torsten Dahm

„Das war ein sehr starkes Nachbeben“

Der Seismologe Torsten Dahm stellt in Italien eine Serie ähnlicher Beben fest. Vorhersagen lasse sich aber nichts.

28.10.2016
  • DPA

Berlin. Ist das neue Erdbeben in Mittelitalien Teil einer Serie? Seit 1997 sei es das vierte Beben ähnlicher Stärke, das eine Gegend des Gebirgszugs Apennin trifft, sagt Torsten Dahm, ein Seismologe am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam.

Wie stark war das neue Beben in Mittelitalien im Vergleich zu dem rund um die Stadt Amatrice im August?

Torsten Dahm: Wir haben am Geoforschungszentrum jetzt eine Magnitude von 6,1 bestimmt. Das Beben von Amatrice am 24. August hatte eine Magnitude von 6,2. Beide Beben sind also ähnlich stark.

In Italien heißt es, die Folgen seien nicht so gravierend wie im Sommer. Wie erklären Sie sich das, wenn die Stärke des Bebens ähnlich war?

Dieses Phänomen beobachten wir immer wieder. Es hängt auch von Details ab. Es ist zum Beispiel möglich, dass das Beben diesmal tiefer lag. Es ist aber noch zu früh, um das genau zu sagen. Ein anderer Grund kann sein, dass es in der Region mit den größten Bodenbeschleunigungen keine Ortschaften gab. Oder dass die Gebäude dort besser gebaut waren. Aber es ist sicher noch zu früh, abzuschätzen, wie groß die Schäden jetzt wirklich sind.

War es ein Nachbeben oder ein ganz neues Beben?

Zeitlich liegt das noch im Einflussbereich der Nachbeben von Amatrice. Sehr wahrscheinlich ist es das auch. Obwohl es eher ungewöhnlich ist, dass es so stark ausfiel. Mit weiterer Nachbeben-Aktivität ist zu rechnen – auch von den Erdstößen gestern. Diese Aktivität kann sich über viele Monate hinziehen. Diese Beben können so stark sein, dass man sie spürt.

Warum trifft es immer wieder Mittelitalien und was könnte in Zukunft geschehen?

In Mittelitalien steht die obere Erdkruste unter leichter Dehnungsspannung. Die afrikanische Erdplatte drückt gegen die eurasische und Italien liegt genau dazwischen, besonders der Apennin. 1997 gab es ein Beben in Umbrien, 2009 folgte L'Aquila, dann im Sommer Amatrice. Das alles liegt relativ nah beieinander, und die Beben hatten fast die gleiche Stärke. Es ist unklar, wie das weitergeht. Es ist nicht vorherzusehen. dpa

Info Prof. Torsten Dahm ist Seismologe am Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam. Der Geophysiker lehrt auch am Institut für Erd- und Umweltwissenschaften der Universität Potsdam.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

28.10.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball