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Verwinkelt ist ihm lieber

David Horvath bei der Mountainbike-Sprint-Weltmeisterschaft

Nächsten Dienstag startet der frühere Gomaringer Mountainbiker David Horvath bei der Sprint-Weltmeisterschaft in Andorra und schielt mindestens auf das Halbfinale. Das soll aber erst der Anfang sein. Der 19-Jährige will sich nach dem Abitur ein Jahr nur auf seinen Sport konzentrieren.

24.08.2015
  • David Scheu

Tübingen. Spätestens seit vergangenem Sommer stehen die Zeichen bei David Horvath auf Leistungssport. Da nämlich zog es ihn von Reutlingen nach Freiburg an die Max-Weber-Schule, wo er sich seitdem an der „Eliteschule des Sports“ auf das Abitur im kommenden Frühjahr vorbereitet. Auch die räumliche Nähe zu seinem Coach Toni Uecker, der in Bad Säckingen am südwestlichsten Rand der Republik wohnt, sei ein Faktor gewesen. Mannschaftstraining mit seinen Kollegen vom Lexware Mountainbike Team aus Kirchzarten ist allerdings nur ein Mal die Woche am Mittwoch angesagt: „Da stehen meist Stabilisationsübungen und Ausgleichsgymnastik in der Halle auf dem Programm. Aufs Rad gehen wir mittwochs eigentlich nie“, sagt Horvath.

Insgesamt 15 Stunden Training pro Woche

Die übrigen Tage in der Woche arbeitet er individuell die Trainingspläne seines Coaches ab – oft alleine, da die Pläne genau auf die kommenden Strecken und seine körperlichen Befindlichkeiten abgestimmt sind. Nur in der Wintervorbereitung wird meist in der Gruppe geradelt, wenn es auf längeren Strecken vor allem um Grundlagenausdauer geht: „Das wäre alleine schon ziemlich zäh und langweilig“, sagt Horvath, der auf insgesamt 15 Stunden Training pro Woche kommt – da meist ein Ruhetag zur Regeneration dabei ist, trainiert er an den übrigen sechs Tagen jeweils gut und gerne drei Stunden. Profi-Verhältnisse also.

Das hohe Pensum soll ihn bestmöglich auf die anstehenden Aufgaben vorbereiten. Am kommenden Dienstag beginntt die Sprint-Weltmeisterschaft in Andorra, zwei Tage vorher testet Horvath nochmals seine Form bei den Deutschen Meisterschaften im hessischen Ortenberg. Am gleichen Sonntag geht es abends im Flieger von Frankfurt nach Barcelona und von dort im Shuttle nach Andorra. Finanziert wird das alles von seinem Team und dem Bund Deutscher Radfahrer. „Zum Glück“, sagt Horvath, „sonst wäre das für mich nicht zu stemmen.“ Im Pyrenäenstaat gilt es dann, innerhalb eines Tages vier Ausscheidungsläufe über jeweils rund zwei Minuten zu überstehen, um ins Finale am Abend einzuziehen – Platz zwei von vier muss es in jedem der Heats sein. Als Ziel hat sich Horvath das Halbfinale gesetzt, planbar seien Ergebnisse im Mountainbiken aber kaum: „Ein Fehler, und du bist weg.“ Außerdem komme viel darauf an, wie er mit dem Kurs in Andorra zurechtkomme. Sein Ding sind „verwinkelte Sachen“ mit vielen Antritten und Kurven: „Je technischer, desto wohler fühle ich mich“, sagt Horvath, der auf den Geraden noch Nachholbedarf sieht: „Die Schnellkraft und damit die Endgeschwindigkeit ist bei älteren Fahrern meist besser.“

„Man muss schon ein bisschen bekloppt sein“

Sein Leben lang will Horvath aber nicht über die Kurzdistanz an den Start gehen. „Der Sprint ist für mich in der Abi-Vorbereitungsphase eine ideale Zwischenlösung, da der Trainingsaufwand im Vergleich zu anderen Disziplinen nicht ganz so hoch ist.“ Wenn er dann das Abitur nächsten Sommer gemacht hat, steht die Karriere im Mittelpunkt: „Dann werde ich mich erstmal ein Jahr voll auf den Sport fokussieren und schauen, wie weit ich komme.“ Ein konkretes Ziel hat er auch schon vor Augen: „Ich will einmal an Olympia teilnehmen.“ Seit Atlanta 1996 hat es das Mountainbiken in der Disziplin „Cross Country“ ins olympische Programm geschafft, in der Horvath bereits mehrere Deutsche Meistertitel gewann. Rio de Janeiro nächstes Jahr wird für Horvath wegen des Abiturs zu knapp – Tokio 2020 heißt also das Fernziel, dem er ab nächsten Sommer vieles unterordnen wird.

Was ihn an einer Sportart so sehr reizt, dass er sie zum Beruf machen will? Horvath nennt zwei Gründe: einerseits seine Naturverbundenheit. „Ich bin in meiner Sportart fast ständig draußen unterwegs und sehe die unterschiedlichsten Landschaften. Manchmal muss ich im Training anhalten und das Panorama genießen.“ Andererseits verleihe das Biken bei idealer körperlicher Verfassung ein kaum vergleichbares Körpergefühl: „Das ist wie Fliegen, du spürst keine Schmerzen mehr.“ Natürlich sei auch immer ein gewisses Risiko dabei: „Man muss schon ein bisschen bekloppt sein und den Adrenalinkick suchen. Im Nachhinein überlege ich mir selbst manchmal, ob das jetzt nicht ein bisschen zu schnell war“, sagt Horvath. Aber: Von größeren Verletzungen blieb er bislang verschont: Schürfwunden, Prellungen – eine verhältnismäßig moderate Bilanz in diesem Sport.

David Horvath bei der Mountainbike-Sprint-Weltmeisterschaft
Bei der Sprint-Weltmeisterschaft in Andorra unterwegs: der Reutlinger David Horvat, hier bei der U23-EM im italienischen Alpago. Bild: Lexware

Zur Heimat hat David Horvath noch immer eine große Verbundenheit. Bis vor zwei Jahren ging er für das Gomaringer Team Steinlach-Wiesaz an den Start, bevor er 2013 zum Lexware Mountainbike Team aus Kirchzarten wechselte. Den Gomaringern schreibt er einen großen Anteil an seinen jetzigen Erfolgen zu: „Der Verein und mein damaliger Trainer Dieter Brenzel haben mir echt viel gegeben und den Start in die Karriere als Leistungssportler ermöglicht“, sagt Horvath, der noch immer Mitglied in Gomaringen ist.

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24.08.2015, 12:00 Uhr

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