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Dazugehören ist schwer
Integration, zumindest optisch: Ein Minarett und der Turm der Laurentiuskirche in Usingen (Taunus). Foto: dpa
Integrationsbarometer 2016: Muslime werden eher ausgegrenzt

Dazugehören ist schwer

Gehört der Islam zu Deutschland? Das ist umstritten. Eine Studie zu Religion und Integration zeigt: Muslime fühlen sich seltener zugehörig.

27.04.2016
  • ANNE-BEATRICE CLASMANN, DPA

Berlin. Muslimische Migranten und ihre Nachkommen fühlen sich häufiger als christliche Zuwanderer nicht als Teil der deutschen Gesellschaft. Das aktuelle Integrationsbarometer zeigt: Während sich in der zweiten Generation fast 96 Prozent der christlichen Neubürger "dazugehörig" fühlen, sind es bei den Muslimen deutlich weniger - knapp 84 Prozent. Das hat jedoch viele Ursachen. Und die haben nicht alle mit Religion zu tun, sondern auch mit den Gründen für Migration. Und auch damit, wie die Möglichkeiten sind, die Verbindung zur alten Heimat aufrechtzuerhalten.

So geben sich die Regierungen der Türkei und einiger arabischer Staaten Mühe, die Ausgewanderten dauerhaft an sich zu binden - aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch aus außenpolitischem Kalkül. Unvergessen ist der Auftritt von Recep Tayyip Erdogan, damals noch türkischer Ministerpräsident, 2014 in Köln. "Sie haben hier einerseits gearbeitet, andererseits aber haben Sie sich bemüht, Ihre Identität, Ihre Kultur, Ihre Traditionen zu bewahren. Ihre Augen und Ihre Ohren waren immer auf die Türkei gerichtet", rief Erdogan tausenden Anhängern zu - viele von ihnen mit deutschem Pass. Er gab die Parole aus, "Assimilation" sei ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Dass, wer in der Türkei eingebürgert werden will, bessere Karten hat, wenn er einen türkischen Namen annimmt, ließ er unerwähnt.

Der wichtigste Integrationsfaktor ist die Religion in Deutschland auf jeden Fall nicht. Auch die Abstammung spielt nach Einschätzung der Migranten nicht die alles entscheidende Rolle. Sie glauben, die besten Chancen auf eine "Eintrittskarte" in die hiesige Gesellschaft, habe nicht derjenige, der Christ ist, einen deutschen Pass hat oder deutsche Vorfahren. Nein, es sind diejenigen mit einem festen Job. Mehr als vier Fünftel der in Deutschland lebenden Ausländer sehen "einen festen Arbeitsplatz" als wichtigste Voraussetzung dafür, in der deutschen Gesellschaft akzeptiert zu werden.

Das Integrationsbarometer 2016 zeigt in der Summe mehr Licht als Schatten. Über die Hälfte der Menschen hierzulande beurteilt das "Integrationsklima" insgesamt positiv. Allerdings wurden die Daten für die Studie zwischen März und August 2015 erhoben - also bevor binnen weniger Monate hunderttausende Flüchtlinge in Deutschland Schutz suchten.

Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime hat das Gefühl, Angehörige ihrer Glaubensgemeinschaft würden ausgegrenzt. Unter den mehrheitlich muslimischen Zuwanderern aus der Türkei finden 68,7 Prozent die Feststellung "insgesamt werden viele Muslime aus der Gesellschaft in Deutschland ausgeschlossen" zutreffend. Auch 59,1 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund sehen das so.

Ein Ergebnis der Studie überrascht: Auf die Frage, ob der Satz "insgesamt fühle ich mich zur Gesellschaft in Deutschland dazugehörig" auf sie zutreffe, antworteten immerhin 7,7 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund "trifft eher nicht zu" oder trifft gar nicht zu".

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27.04.2016, 06:00 Uhr

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