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Gründliche Planung fürs Tübinger Filetstück

Debatte zur Zukunft des Europaplatzes

Was wird eigentlich aus dem Europaplatz? Tut sich überhaupt etwas? Die Stadtverwaltung gab jetzt im Planungsausschuss einen Zwischenbericht. Die Stadträte nahmen dazu Stellung. Die CDU stellte die Planungen infrage, die anderen Fraktionen aber wollen keinen Rückschritt.

12.12.2012
  • Gernot Stegert

Tübingen. Der Gemeinderat hat am 16. Mai 2011 eine Öffentlichkeitsbeteiligung beschlossen. Diese läuft seitdem mit Bürgerversammlungen, Planungswerkstätten und Runden Tischen. Baubürgermeister Cord Soehlke informierte jetzt die Stadträte im Planungsausschuss. Er sprach von einer „sehr produktiven Diskussion“, betonte aber zugleich, dass noch vieles offen sei. Schließlich gehe Gründlichkeit an dieser „ungeheuer wichtigen Stelle der Stadt“ vor: „Die Chance, das Filetstück vor dem Bahnhof zu bebauen, hat man nur einmal.“

Was wird aus dem Busbahnhof?

Er soll auf jeden Fall neu organisiert und verkleinert werden, um Platz für ein Baugrundstück am Europaplatz zu erhalten. Aber das Funktionieren hat Vorrang. Der neue Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) dürfte schmal sein und parallel zum Hauptbahnhof liegen. Soehlke geht von „14, eher 16 Bussteigen“ um eine lange Insel aus. Bis Anfang 2013 sollen zwei alternative Vorentwurfsplanungen eines externen Verkehrsplanungsbüros vorliegen.

Wird der neue kleinere ZOB den Verkehr bewältigen können?

„Der Busbahnhof muss so gestaltet werden, dass die Menschen nicht wie Sardinen behandelt werden“, auch nicht zu den Hauptverkehrszeiten um 7.30 Uhr und 16.30 Uhr, forderte Albrecht Kühn (CDU) ausreichend Platz für die Busse. Ähnliches verlangten auch andere Stadträte. Soehlke sicherte zu: „Selbstverständlich gehen wir von der Maximalbelastung aus und fangen wir mit dem Busbahnhof an und schauen dann, was für das Baugrundstück übrig bleibt.“ Platz sparen könne man auch durch Logistik – etwa indem Busfahrer ihre Pausen nicht am ZOB, sondern an den Endpunkten einer Linie machen.

Auf Grundlage der aktuellen Fahrpläne wurde dem Stadtverkehr Tübingen und einem Gutachter der Bedarf erörtert und wurden Veränderungs- und Optimierungsmöglichkeiten ausgelotet. Der Landkreis will seine Stellungnahme noch im Dezember abgeben.

Wie groß soll der Bau am Europaplatz werden?

Der Gemeinderat legte am 16. Mai 2011 eine Grundstücksfläche von 5000 Quadratmetern und eine ungefähre Bruttogrundrissfläche von 12.000 bis 15.000 Quadratmetern fest. Der Runde Tisch empfiehlt eine Obergrenze von 15.000 Quadratmetern, eher noch zehn Prozent darunter. Das Büro Hähnig + Gemmeke hat Machbarkeitsszenarien als Diskussionsgrundlage für drei Größenordnungen erarbeitet: für die Bruttogeschossfläche von 12.500, 15.000 und 17.500 Quadratmetern. Dabei zeigte sich, dass eine Größe von 17.500 Quadratmetern eine von vielen als zu hoch bewertete Bebauung von mindestens fünf Stockwerken erfordern würde oder die komplette Grundstücksüberbauung im Erdgeschoss. Beides wird nicht gewollt – weder von den Runden Tischen noch von der Bauverwaltung.

Wie könnte der Bau aussehen?

Drei Strukturen sind möglich: eine geschlossene Blockbebauung mit Innenhof, eine zweifach geöffnete Bebauung (zwei Blöcke in L-Form, die einen Durchgang erlauben) und eine Einzelbebauung (vier Quader). Der Block ist urban, bringt mehr Fläche unter als die anderen Formen, wirkt aber massiv und erlaubt keine Durchgänge. Die Einzelgebäude werden vom Runden Tisch „Baugrundstück“ bevorzugt, bieten aber nicht die gewünschte Fläche, soll nicht zu hoch gebaut werden. Das zeigten die Abbildungen des Büros Hähnig + Gemmecke den Stadträten im Ausschuss. Daher ist die zweifach geöffnete Bebauung bisher Favorit.

Wie soll der neue Gebäudekomplex genutzt werden?

Als Nutzung werden in den Machbarkeitsuntersuchungen nach Vorgabe durch den Runden Tisch genannt: großflächiger Einzelhandel, Einzelhandel mittlerer Größe, Soziales/Kultur, Dienstleistung und Wohnen. Durchgespielt wird alles für drei Größenordnungen: für die Bruttogeschossfläche von 12.500, 15.000 und 17.500 Quadratmetern.

Der Runde Tisch „Europaplatz Baugrundstück“ ist für eine Mischung der Nutzung zur Stärkung und Belebung des Quartiers. Eine Idee ist, einen Teil mit einem „Haus der Familie“ zu belegen, das verschiedene städtische Angebote zusammenfasst. Auch der Runde Tisch „Verbindung Altstadt/Südliches Stadtzentrum“ will eine gemischte Nutzung, allerdings keinen mittleren Handel in Einheiten von jeweils 400 bis 800 Quadratmetern, wie es alle drei Machbarkeitsszenarien vorsehen. Grund: Die Größe würde Kaufkraft aus der Altstadt abziehen, erst recht, wenn die Bebauung kleinteilig sei. Bevorzugt würde daher die Ansiedlung von ein bis zwei großflächigen „Magneten“, die die Zentralität von Tübingen erhöhen. Soehlke verwies darauf, dass ein günstiger Textilanbieter in der Größenordnung von 3000 Quadratmetern gewünscht werde. Das „Haus der Familie“ kam bei mehreren Stadträten im Ausschuss gut an.

Wie sollen die Fußgänger in die Stadt gehen?

Auf unterschiedlichen Wegen, je nach Interesse, sagte Soehlke. Touristen könnten durch die geplante Allee vorbei am Uhlanddenkmal auf die Neckarinsel schlendern, andere Passanten am Neubau vorbei über das Trautweineck weiter in die Stadt gehen. Dritte Möglichkeit sei der Weg über die künftig attraktivere Karlstraße.
Wo werden Autos geparkt?

Eine Tiefgarage unter dem Gebäudekomplex mit bis zu 150 Plätzen ist vorgesehen.

Gab es Diskussionen im Planungsausschuss?

Neben vielen Fragen zur Sache gab es eine Grundsatzdiskussion, die Albrecht Kühn (CDU) entfachte. Der Stadteingang müsse ein besonderer sein, die vorgestellten Szenarien aber seien scheußlich: „Da muss man ja mit Blindheit geschlagen sein, um zu sagen: Das ist schön.“ Der CDU-Fraktionschef verband das mit einem Vorwurf an die Grünen, „Tübingen zuzubauen, dass man nicht mehr atmen kann“. Das rief den Widerspruch von Stadträten unterschiedlichster Couleur hervor.

Klaus te Wildt (SPD) erinnerte an das gemeinsam vereinbarte Vorgehen: „Unsere Stadt entwickelt sich, wir haben uns dafür entschieden.“ Dietmar Schöning (FDP) warnte vor „Legendenbildung“: „Der Gemeinderat hat in mehreren Stufen darüber abgestimmt.“ Er zeigte sich „sehr zufrieden“ mit dem Vorgestellten. Gottfried Gehr (WUT) mahnte: „Es wäre fatal, wenn wir wieder zurückrudern würden.“

Debatte zur Zukunft des Europaplatzes
Diese Abbildung aus der Machbarkeitsstudie zeigt, wie der Europaplatz genutzt werden könnte: Links führt eine Allee vom Bahnhof zur Neckarinsel, unten ist der Platz für den Busbahnhof zu sehen, in der Mitte eine mögliche Größenordnung (noch kein Entwurf) eines zweiteiligen Komplexes. Nördlich davon verläuft bisher die Europastraße, rechts ist das bestehende Post-Areal zu sehen, links der Anlagensee.Abbildung: Stadtverwaltung

Im weiteren Verfahren werden die Runden Tische „Europaplatz ZOB“, „Europaplatz Baugrundstück“ und „Verbindung Altstadt/Südliches Stadtzentrum“ zusammengeführt. Nach Abschluss der Diskussionen in den Runden Tischen werden die Empfehlungen beziehungsweise Eckpunkte in den Gemeinderat eingebracht. Der lobt auf dieser Grundlage einen städtebaulichen Wettbewerb aus. Danach erst wird mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes und der Vermarktung der Grundstücke begonnen.

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12.12.2012, 12:00 Uhr

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