Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Dekan entsetzt über heimliche Kletteraktion aufs Ulmer Münster
Der Video-Ausschnitt zeigt, wie sich der unbekannte Münsterturm-Kletterer selber filmte. Foto: Grave Yard Kidz
"Das wird angezeigt"

Dekan entsetzt über heimliche Kletteraktion aufs Ulmer Münster

Ein Freikletterer der Gruppe "Grave Yard Kidz" hat nachts das Münster bis knapp unter die Turmspitze bestiegen. Seine Aktion hat er gefilmt und ins Internet gestellt. Die Kirche will den Unbekannten anzeigen.

13.04.2016
  • HANS-ULI THIERER & HANS-ULI MAYER

Ulm. "Das ist nun wahrlich alles andere als Sport oder gar Spaß. Das wird angezeigt." So hat gestern der evangelische Dekan von Ulm, Ernst-Wilhelm Gohl, auf eine Besteigung des Münsterturms durch ein Mitglied der Freikletterer-Gruppe reagiert. Der junge Mann war nächtens oder frühmorgens an der Fassade bis über die oberste Aussichtsplattform geklettert. Dort, in gut 150 Metern Höhe wartete er den Tagesanbruch ab, um dann auf Wasserspeiern, die sich über der Plattform befinden, herumzuspazieren und sich selber zu filmen.

Auch Auf- und Ausstieg sowie auch den Abstieg über die normalen Treppen hat der Mann, der sein Gesicht hinter einem Totenkopf-Tuch verbirgt, im Video festgehalten. Dieses haben die "Grave Yard Kidz", wie sich die Gruppe nennt, vor kurzem ins Internet gestellt.

Gohl kann dieser Art von Münsterbesteigung nichts abgewinnen. "Dieser Mensch bringt nicht nur sich selber in eine lebensgefährliche Situation. Man stelle sich bloß vor, es bricht ein größeres Stück vom Gestein ab und fällt hinunter", sagte Gohl. Man wolle alles unternehmen, um Nachahmungseffekte zu vermeiden. Deshalb werde die Kirchengemeinde Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs erstatten.


Climbing World highest Church Tower-GYK. Video: Youtube / Grave Yard Kidz

Gegen solch Besteigungen - in der Szene heißen sie "Free-Solo" - sei man letztlich aber machtlos, sagte der Dekan. Wer einen Zugang suche, werde diesen finden. In der Höhe über der oberen Aussichtsplattform, die sich auf 143 Meter befindet, ist zwar Vorsorge getroffen, etwa durch einen Schutzzaun. Den aber hat der Kletterer überwunden, um dann über Tritte und Griffe noch weiter in die Höhe zu kommen - bis zu den Wasserspeiern.

Mit der Strafanzeige ist klar, dass die Kletterei eine juristische Nachspiel hat. Hausfriedensbruch ist ein Antragsdelikt. Das heißt, dass die Polizei im Gegensatz zu einem Offizialdelikt erst aktiv wird, wenn die Strafanzeige gestellt ist. Die Staatsanwaltschaft will nicht ausschließen, dass auch sonst Ermittlungen denkbar sind - so geschehen etwa, als ein junger Mann mit dem Skateboard den Drackensteiner Hang des A-8-Albabstiegs hinabgefahren ist. Generell aber gelte in Deutschland: "Man darf sich selber gefährden", erklärte der Ulmer Staatsanwalt Michael Bischofberger .

Die "Grave Yard Kidz" ("Friedhof-Kinder") machen nicht zum ersten Mal mit solchen Aktionen auf sich aufmerksam: Sie klettern "gern auf hohe Sachen", wie sie im Internet angeben. Diese Aktionen filmen sie und stellen sie auf ihrem Youtube-Kanal online. Eine spektakuläre Aktion lief vergangenen Herbst: Zwei Kletterer stiegen auf den Kran, der am Aufzug-Testturm von Thyssen Krupp bei Rottweil steht. Die Kletterer filmten, wie sie in fast 250 Metern Höhe auf dem Kran herumturnten. Die Baufirma hat Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet. Die Polizei ist der Kletterer bisher nicht habhaft geworden.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

13.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball