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Sie zieht jetzt fröhlich ihres Weges

Dekanin Kling-de Lazzer verabschiedet sich von Gemeinden und Kollegen

Mit einer kurzweiligen Predigt übers Glauben und Verstehen verabschiedete sich gestern die Tübinger Dekanin Marie-Luise Kling-de Lazzer in der Stiftskirche. In den anschließenden Ansprachen bekam die scheidende Amtsträgerin viel Lob zu hören.

16.07.2012
  • Christiane Hoyer

Tübingen. DerPrälat Christian Rosenahm vor der offiziellen Entpflichtung der Dekanin aus dem Amt ihre Predigt-Worte aus der Apostelgeschichte auf. Der Lukas-Text, der gestern als Predigttext vorgegeben war, handelt von einer Weggeschichte zwischen Philippus und dem Eunuchen von Äthiopien, der sich unterwegs von Philippus taufen lässt und anschließend „seine Straße fröhlich zog“.

17 Jahre lang zog sie als Dekanin im evangelischen Kirchenbezirk Tübingen fröhlich ihre Straße, so Rose. Den unterschiedlichen Gemeindesituationen im Steinlach-, und Neckartal, auf den Härten und am Schönbuchrand sei sie bei ihren Visitationen „umsichtig und mit Respekt“ begegnet, den Bezirk habe sie „kompetent, zuverlässig und zielorientiert geleitet“. Rose erinnerte daran, dass der Dekanin bei ihrem Studienbeginn 1966 der Weg ins Pfarramt noch versperrt war, sodass sie über den Umweg des Lehramtsstudiums in Theologie und Mathematik und mit der Promotion bei Prof. Karl Ernst Nipkow in den Pfarrberuf fand.

Als „Feministin mit Bedacht“ wurde die junge Dekanin 1995 im SCHWÄBISCHEN TAGBLATT bezeichnet, aus dem Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer bei seiner Ansprache zitierte. Im Interview damals nahm Kling-de Lazzer auch ihre spätere Bischofskandidatur quasi vorweg. Hartnäckigkeit, so Palmer, bewies die Dekanin bei der städtischen Spar-Diskussion um die Abschaffung der Christbäume. Die Wiederkehr der Christbäume, zitierte der OB sie gestern, „ist ein Vorgeschmack auf die Wiederkehr des Paradieses“. Noch nie, so Palmer, „wurde mir eine politische Niederlage so versüßt.“

Unter den prominenten Gästen in dem zweistündigen Gottesdienst gestern saßen auch Palmers Vorgängerin Brigitte Russ-Scherer. Beim anschließenden Stehempfang im Kreuzgang des Evangelischen Stifts erinnerte sie sich gerne an die regelmäßigen Gesprächsrunden mit Kling-de Lazzer und dem katholischen Dekan Thomas Steiger sowie an Krisensituationen wie einst die Trauerfeier um die beiden Feuerwehrmänner Andreas Mang und Kurt Schwägerle. „Wir haben uns blind verstanden“, sagt Russ-Scherer im Rückblick.

Theodor Fontanes „Stechlin“ bemühte Prof. Volker Drehsen, Dekan der Theologischen Fakultät, bei seiner Ansprache. Kling-de Lazzer habe sich als solide Theologin zwischen „geistigem Schwarzbrot und weltläufigem Baguette“ in ihrem Amt bewegt – und sei damit das Gegenteil des Superintendenten im Stechlin: süß wie eine Baiser-Torte, aber ungesund“.

Der katholische Dekan Tomas Begovic lobte das „hervorragende Miteinander“ zwischen katholischer und evangelischer Kirche in Tübingen. Hier sei die Ökumene längst schon auf einem guten Weg.

Über das Thema Taufe hat sich die Dekanin selbst in einer Publikation der EKD (Evangelischen Kirche Deutschland) detailliert geäußert. Sie sei froh, dass die Kirche inzwischen den Taufwunsch von Eltern und jungen Leuten „respektiert und nicht durch hoch gehängte Forderungen zu sehr behindert und reglementiert“. Die Apostelgeschichte zeigt für die Dekanin gleichzeitig das Verständnis heutiger Kirche: „Sie geht hinaus auf die Straßen, dorthin, wo die Menschen in ihrem Leben unterwegs sind. Sie überschreitet die Grenzen des religiösen Vorurteils, der Rasse, des Volkes, der Religion“.

Zum Abschluss der zweistündigen Feier machte die Dekanin deutlich, dass ihr im „schönsten Amt“ der Landeskirche auch immer mal wieder Zweifel kamen und sie daran auch „finstere Seiten“ kennengelernt habe. Sie dankte der Landeskirche für die „große Freiheit im Amt“ und bat um eine herzliche Aufnahme ihrer Nachfolgerin Elisabeth Hege, die voraussichtlich zum Jahresende nach Tübingen kommen wird.

Beim anschließenden Empfang hatte die Dekanin viele Hände zu schütteln. Unter den prominenten Gästen war der Unikanzler Andreas Rothfuß, der ehemalige Landesbischof Eberhardt Renz, Regierungspräsident Hermann Strampfer, Landrat Joachim Walter, die Abgeordneten Heike Hänsel und Rita Haller-Haid und natürlich viele Kolleginnen und Kollegen. Die weiteste Anreise hatte Friedemann Bauschert. Der ehemalige Stiftskirchenpfarrer arbeitet seit drei Jahren in Chile und nutzte eine Fortbildung in Deutschland für den Abstecher nach Tübingen zur Abschiedsfeier seiner ehemaligen Kollegin und Vorgesetzten.

Dekanin Kling-de Lazzer verabschiedet sich von Gemeinden und Kollegen
Abschied im Akkord: Hunderte Hände schüttelte die Dekanin gestern im Anschluss an ihre Predigt im Kreuzgang des Evangelischen Stifts – hier im Gespräch mit dem Lustnauer Pfarrer Manfred Harm.Bild: Steinle

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16.07.2012, 12:00 Uhr

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